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Alles wächst zusammen

Wo es vor fünf bis zehn Jahren noch üblich war, dass die meisten Geek-Gemeinschaften ihre eigenen Suppen kochen, hat sich die Vielfalt und das gesellige Nebeneinander nun endgültig manifestiert.

Von Robert Glashüttner

Ausgehend von „The Big Bang Theory“, der ehemaligen Hommage und Persiflage auf Nerdkultur an sich, die schon längst zu ihrem Mainstream-Abziehbild (und einer riesigen PR-Maschine) wurde, werden Comics, Cosplay und Videospiele sowie Science-Fiction- und Fantasy-Filme und TV-Serien mittlerweile mit einer erfrischenden Selbstverständlichkeit integrativ gelebt.

Diesen Geek-Pluralismus kann man auf der Comic Con Linz sehr gut in der Praxis beobachten. Die Veranstaltung schafft darüber hinaus den Spagat, intim und geschäftig zur selben Zeit zu sein. Linz hat gegenüber Wien den Vorteil des kleineren Umfangs, der eine familiäre Atmosphäre garantiert. Gleichzeitig sind die Hallen des Design Center Linz groß genug, dass ein Convention-Format wie die Comic Con dort gut funktioniert - mit allem, was dazugehört, und ohne, dass man den Eindruck hätte, hier würden nur eine Handvoll Fanboys und -girls ein erweitertes, privates Treffen abhalten. Nein, das hier ist schon eine vollwertige, vielseitige Veranstaltung, wo es zwischen den Autogramm- und Fototischen, zwischen den Verkaufs- und Präsentationsständen gehörig wuselt.

Fankultur ohne Berührungsängste

Stimmt schon, die Tatsache, dass man hier gar nicht wenig Eintritt bezahlt, um in erster Linie bloß Zutritt zu einer Mischung aus Flohmarkt und Merchandise-Läden zu bekommen, ruft nicht nur bei Außenstehenden erst mal Kopfschütteln und Konsumkritik auf den Plan. Andererseits suhlt sich hier auch niemand in krampfiger Distinktion oder hausiert mit plakativen Verweigerungsgesten. Fankultur impliziert ansteckenden Enthusiasmus, aber eben auch weitgehende Kritiklosigkeit dem jeweiligen Themenfeld gegenüber. Keine und keiner hier behauptet das Gegenteil. Es ist keine Rebellion, die hier stattfindet, aber auch kein reiner Konsum - das beweisen nicht zuletzt die vielen jungen Zeichnerinnen und Zeichner sowie die zahlreichen Hobbyschneiderinnen und -schneider, die ihre Kostüme und Outfits oft selbst gestalten. Von aufwendigen Fanfilmen oder selbstgemachten Games gar nicht zu sprechen.

Comic Con in Linz, Totale der Halle

FM4 / Robert Glashüttner

Neben den vielen Verkaufsstandln gibt es bei der zweiten Comic Con Linz auch einiges anderes zu sehen und zu tun, vor allem in der oberen Ebene: Da kann man japanische Kampfkunst entdecken, architektonisch vorgebildete Lego-ModellbauerInnen treffen, nagelneue Flipper ausprobieren, Retrogames spielen oder digitale Comics lesen. Den vielen Jokers, Harley Quinns, Batmans und Flottenkommandanten gefällt das, denn bei der eingangs erwähnten Interdisziplinarität der neuen Geekkultur gibt es keine Berührungsängste mehr: Alles ist interessant und einen Versuch - oder zumindest einen Besuch - wert.

Die ehemals klischeehafte Verklemmtheit mancher Nerds ist der Offenheit der modernen Geeks gewichen, die zwar immer noch ruhig und vielleicht oft auch weiterhin etwas schüchtern sind, aber auf einem gesunden Fundament an Selbstbewusstsein ruhen. Gute neue Nerdwelt: Der Übergang von der Verkorkstheit und der gesellschaftlichen Nische hin zur souveränen Zurschaustellung des eigenen Lifestyles und zum Bequemmachen im Mainstream ist abgeschlossen. Das ist eindeutig ein Grund, zu feiern - am besten auf einer Con, mit Comics, Cosplay, Videospielen, Science Fiction- und Fantasy-Filmen und TV-Serien. Und vor allem mit Gleichgesinnten und der eigenen Community.

Die Comic Con Linz 2017 hat am Sonntag, 9. April, noch bis 17 Uhr geöffnet.

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