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An Ordinary Life

„Hier treffen sich fünf Flüsse“ ist der erste Roman des jungen Briten Barney Norris. Die fünf Flüsse gibt es tatsächlich, im Buch stehen sie aber für fünf Menschen und ihre Schicksale. Ein sehr aktueller und berührender England-Roman.

Von Eva Umbauer

„Wir liefen hinten um ihre Schule herum, in die Auenlandschaft hinter dem neuen Freizeitzentrum hinein, auf ein weites Feld, durch das ein Fluss hindurchfloss, und dort legten wir uns hin und ich küsste sie.“

Barney Norris siedelt seinen Debutroman in der englischen Stadt Salisbury an. Salisbury ist dort, wo in der Nähe die großen Steine von Stonehenge zu bewundern sind. In Salisbury leben etwa 40.000 Menschen und es gibt eine schöne Kathedrale. Außerdem treffen dort fünf Flüsse aufeinander. „Five Rivers Met On A Wooded Plain“, nennt Barney Norris seinen Roman in der englischsprachigen Originalausgabe dann auch. Auf dieser Ebene - der Salisbury Plain - treffen Gewässer mit Namen wie Bourne oder Wylye zusammen und werden zu einem einzigen Fluss, dem Avon, an dem dann etwa die Shakespeare-Stadt Stratford-on-Avon liegt. Genug geografische Details aber, denn die fünf Flüsse im Roman von Barney Norris stehen für fünf Menschen, britische ‚Durchschnitts‘-Menschen.

Buchcover: fünf verschieden blaue Streifen

DuMont

„Hier treffen sich fünf Flüsse“ von Barney Norris, erschienen im DuMont Verlag, aus dem Englischen übersetzt von Johann Christoph Maass.

Fünf Flüsse, fünf Menschen, fünf Schicksale

Bei einem schweren Autonfall in Salisbury werden die Schicksale dieser fünf Menschen gewissermaßen miteinander verwoben. Ein Mann fährt eine Frau auf einem Motorrad an. Drei Menschen werden Augenzeugen des Unfalls. Barney Norris - er ist in England für Theaterstücke wie „Eventide“ bekannt - hat als Setting für seinen Debutroman seine Heimatstadt ausgewählt, und dieser Ort strahlt im Buch dann in der Tat große Kraft aus, wie sich diese fünf Menschen - durch den Unfall ausgelöst - den Tragödien ihres Lebens stellen. To live is to suffer, leben heißt leiden - das ist jedenfalls allen fünf gemein. Aber alle fünf fließen weiter, wie Flüsse das eben tun, während sie uns, jeder für sich, seine oder ihre Geschichte erzählen.

„‚Na ja, wir könnten ja zu politischen Versammlungen gehen und in der Bibliothek von Salisbury zum Thema Anarchismus recherchieren.‘ Mir war klar, dass es nichts gab, wozu er weniger Lust hatte, als mit seiner Mutter in der Bibliothek von Salisbury zum Thema Anarchismus zu recherchieren, um vielleicht bessere Punkmusik schreiben zu können.“

Alison, Rita, Sam, Liam und George

Wer sind nun die Menschen, die hier im englischen Salisbury zufällig, aber so schicksalshaft aufeinandertreffen und in deren Leben wir beim Lesen so richtig hineinpurzeln und nicht mehr wegkommen?

Da ist der junge Sam, ein Teenager, der gerade erstmals schwer verliebt ist, während sein Vater mit dem Tod ringt. Da ist die schon ältere Blumenhändlerin Rita, die an ihrem Markstand nicht nur mit Blumen handelt, sondern das auch mit Drogen getan hat. Da ist George, der Bauer, ein Witwer, seit seine Frau, mit der er glücklich verheiratet war, an Krebs gestorben ist.

Da ist der Sicherheitsmann Liam, der in der Nacht mit seinem Hund die Altstadt bewacht, und da ist schließlich noch die Laienschauspielerin Alison, deren Mann britischer Soldat in Afghanistan ist; ihr Sohn geht zur Schule - in einem Internat. Dass Alison einsam ist, versteht sich fast wie von selbst. Da ist aber noch viel mehr, was Rita, George, Sam, Liam und Alison ausmacht.

„Um die Jahrtausendwende dann hatten sie schließlich genug beisammen und haben zwischen Waitrose und dem Five Rivers Leisure Centre, mit Blick auf einen leeren Grasstreifen gleich neben der Feuerwehr, ein Theater gebaut. Schön ist es nicht geworden. (...) Mein Wunsch, Schauspielerin zu sein, ist lange zu den Akten gelegt, und ich nehme an, dass das vielleicht auch beweist, dass es letztendlich auch kein Wunsch gewesen sein kann, den zu haben sich wirklich gelohnt hat.“

England-Roman

Im britischen Magazin „The Bookseller“ sagt Barney Norris über seinen Roman: „I wanted to draw a map of the place through people. The novel is, I hope, an evocation of what is extraordinary about ordinary life, and the way that our ordinary days are amazing. It’s about the way the hidden currents of life draw together into something symphonic no matter how randow they might seem at the time.“

Den Grundstein zu seinem Roman legte Barney Norris vor einigen Jahren, als er über einen jungen Mann zu schreiben begann, der zum ersten Mal in seinem Leben verliebt ist, in dieser schönen Zeit aber gleichzeitig Schlimmes durchmachen muss, nämlich den Verlust eines Elternteils. Und weil die Arbeit für das Theater eine eher kollaborative ist, hatte Norris ohnehin nach einem Outlet gesucht, wo er ‚einsam‘ vor sich hin schreiben konnte. Die Idee zu seinem Roman war entstanden. „Five Rivers Met On A Wooded Plain“ ist ein berührender England-Roman und zeichnet anhand von fünf Menschen aus Salisbury ein aktuelles Bild von Großbritannien.

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