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Flipperfinger

Robert Glashüttner

Neue Flipper!

Das Flipper-Revival ist in vollem Gange. Es gibt immer mehr Hersteller des vergessen geglaubten Geschicklichkeitsspiels mit der Silberkugel. Dabei sind die erfolgreichen Flippersimulationen auf Smartphone und Tablet die beste Werbung für die echten Maschinen.

von Robert Glashüttner

Flippern ist eine einzigartige Mischung aus körperlicher Betätigung und digitalem Spiel. Früher, als Flipper noch elektromechanisch waren (bis in die 70er Jahre), fiel die Angelegenheit natürlich noch archaischer aus. Dennoch: Man sieht das Geschehen am Spielfeld des Flippers seit jeher nur durch eine Glasscheibe. Sie ist eine Art Bildschirm, und auch die Eingabegeräte – die zwei runden Knöpfe vorne an den Seiten der Maschine - sind jene, die man ebenso an Videospielautomaten findet. Wer aber glaubt, beim Flippern wird nur mehr oder weniger wahllos an Knöpfchen gedrückt und der Rest sei Zufall, irrt gewaltig.

Die Buttons der Flipper sind nicht digital, sondern eher mit den Schultertasten eines Gamepads zu vergleichen. Man kann sie leichter oder stärker drücken, und dementsprechend fällt auch die Reaktion am jeweiligen Flipperfinger aus. Bei einem Tipp-Pass etwa wird ein Flipperknopf gehalten und nur ganz kurz leicht losgelassen, so dass der Flipperfinger sanft die Kugel auf die andere Seite schupft.

Flippern auf der Comic Con

Robert Glashüttner

Gezieltes Rütteln

Die zwei seitlichen Knöpfe sind zweifellos die wichtigsten Steuereinheiten beim Flippern. Doch wer gute Highscores erzielen möchte, darf aufs Rütteln (nudgen) nicht vergessen. Gezielte Stöße der Maschine sind essentiell, um die Kugel in brenzligen Situationen davor zu bewahren, das Spielfeld zu verlassen. Zu steifes und passives Spielen bzw. umgekehrt ein zu hektisches Spammen der Flipperknöpfe bzw. Flipperfinger, das typisch für AnfängerInnen ist, führt zu schlechten Ergebnissen. Übung macht den Meister und die Meisterin - wie bei jedem Sport und Geschicklichkeitsspiel, könnte man meinen. Dem Flipper haftet allerdings weiterhin der Nimbus des Glücksspiels an. Stimmt schon, ein bisschen Zufall ist immer dabei. Doch je kontrollierter und besser man spielt, desto kleiner wird der Glücksfaktor, bis er bei WeltklassespielerInnen dann so gut wie vernachlässigbar ist.

Frische Flipper

Bis in die 90er Jahre waren Flipper durchgehend ein mehr oder weniger großer geschäftlicher Erfolg. Doch nachdem der ehemals wichtigste Hersteller Williams bzw. WMS das Flippersegment aufgegeben hatte, war nur noch die Firma Stern übrig. Die 2000er Jahre waren danach die bisher düsterste Zeit für Flipperkultur. Dann jedoch traten die für Pinheads ehemals verhassten Videospiele auf den Plan, um dabei zu helfen, die Silberkugel zu retten ...

Früher, in den 80ern, hatten Videospiele die Pinball-Maschinen zunehmend aus den Spielhallen vertrieben. Doch rund 30 Jahre später sind sie selbst zu Flippern geworden – in Form von Simulationen alter Tische (z.B. „The Pinball Arcade“) und auch als komplett neue, sogenannte Videopins – allen voran jene der ungarischen Firma Zen Studios („Zen Pinball“ bzw. „Pinball FX 2“), die große Lizenzen wie etwa Star Wars, Marvel oder Bethesda („Doom“, „Fallout“, usw.) an Land ziehen konnte.

Wer mehr über Flipper in Österreich wissen will oder sich mit der Community kurzschließen möchte, findet weiterführende Informationen auf der Website des Flippersportvereins Österreich.

Das Revival beginnt

Langsam, aber sicher, ist Ende der 2000er Jahre auch das Interesse an den physischen Maschinen wieder gestiegen. Mit der Entwicklung der International Flipper Pinball Association (IFPA) hat sich eine internationale Anlaufstelle entwickelt, die vor allem die weltweite Bestenliste verwaltet und in Form präziser Regeln vorgibt, wie offizielle Turniere abgehalten werden müssen und Punkte vergeben werden dürfen.

Nach und nach sind beim Pinball-Revival auch neue Flipperbauer auf den Plan getreten und haben dem langzeitigen Monopolisten Stern Pinball Konkurrenz gemacht, darunter Jersey Jack Pinball („Wizard of Oz“, „Hobbit“), Heighway Pinball („Full Throttle“) und Dutch Pinball („Big Lebowski“).

Vergangenes Wochenende hat man bei der Comic Con Linz zehn verschiedene zeitgenössische Flipper spielen können, die von der jungen oberösterreichischen Flipperimportfirma RS Pinball organisiert worden sind. Darunter gab es drei brandneue Tische: „Alien“ (Heighway), „Aerosmith“ (Stern) und „Dialed In!“ (Jersey Jack). Bei „Dialed In!“ kann man sich via Bluetooth mit der Maschine verbinden und dann die physischen Flipperfinger mit der App am Smartphone steuern - die ultimative Schnittstelle zwischen digitalem und physischem Flipper!

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