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Def Ill im FM4-Studio

Alex Hertel

Der Linzer Rapper Def Ill mischt sich in die Flüchtlingsdiskussion ein

Def Ill widmet sein neues Konzept-Album „R.A.F. - Refugees Ain’t Fugitive“ den vielen Facetten der polarisierenden Flüchtlingsthematik. Jeden Euro, den er damit verdient, überweist er dem Verein „Flucht nach Vorn“.

von DJ Phekt

Erst vor wenigen Wochen wurde öffentlich darüber diskutiert, wie relevant Rap-Musik aus Linz im Jahr 2017 noch ist. Sehr relevant, wie Def Ill mit seinem neuen Album beweist.

Der Linzer Rapper zählt seit vielen Jahren zu den talentiertesten und besten MCs, die es hierzulande gibt. Warum das so ist, hab ich vor ein paar Jahren hier erklärt.

Albumcover von Def Ills R.A.F.

Def Ill

Jetzt hat er ein neues Konzept-Album veröffentlicht, das sich lyrisch mit den vielen Facetten der allgegenwärtigen Flüchtlingsthematik auseinandersetzt. Mit „Zeltstädte Pt.1 & Pt.2“ hat Def Ill in den letzten Jahren bereits zwei Songs zu diesem Thema veröffentlicht. Auf Albumlänge beleuchtet er jetzt noch wesentlich mehr Aspekte und präsentiert seinen ganz persönlichen, in zwei Jahren entstandenen, akustischen Dokumentarfilm. Damit ist er einer der wenigen heimischen Rapper, der seine Stimme erhebt und Stellung bezieht.

Def Ill reflektiert seine privilegierte Position

„Weisse san Scheisse“, so heißt einer der neuen Tracks von Def Ill, der sich als heterosexueller weißer Mann nicht als Sprachrohr der Geflüchteten oder Unterdrückten positionieren will. Die haben selbst eine Stimme, wie er sagt. Vielmehr möchte er zum Beispiel erreichen, dass man „Refugees Ain’t Fugitive“ einer Freundin, einem Freund oder Familienmitgliedern mit rechten Tendenzen vorspielt, damit sie mit all den Klischees und Widersprüchen in ihren Köpfen konfrontiert werden.

Im Interview erzählt der Linzer MC davon, wie sehr ihn Verallgemeinerungen, eine scheinheilige Doppelmoral, schiere Unwissenheit, fehlendes Geschichtsbewusstsein, Arroganz und schlichte Falschinformationen angespornt haben, Fakten zusammenzutragen, gegenzuchecken, unterschiedliche Perspektiven zu beleuchten, tiefer in die Materie einzutauchen und daraus Songs für dieses Album zu kreieren.

Titel wie „Refugees Hellcome“, „Aufstand der Anständigen“, „Zäune“ oder „Auf der Zeitung steht“ lassen schon erahnen, worum es geht.

Ich mochs für meine Schwestern und Briada
die vo überall kumman und kaan Klischee entsprechen
Refugees und Flüchtlingskinder
gegen die sie die Zähne fletschen
Schauts, eichare Feind san meine Freind
Oida wos geht ob, warats net so
schreibat i vielleicht ka Plottn gegen die moderne
Mühviertler Hosnjogd

Vorgetragen mit den für Def Ill typischen Stilmitteln: Lichtgeschwindigkeits Dialekt-Rap, Double-Time-Parts, dazwischen ruhige Textstellen, spielerische Stimmwechsel und Samples von Nachrichtenmeldungen, etc..

Keine Angst vor Diskussionen

„Zeitgeist-Psychose“, so nennt Def Ill das Phänomen, wenn kritisch denkende Menschen zu sehr in so genannte Verschwörungstheorien abtauchen und ein „vernünftiger“ Diskurs nicht mehr möglich ist. Sein eigener kritischer Geist tendiert auch dazu, die offiziellen Nachrichten und Informationen zu hinterfragen und nicht alles zu glauben. Die Texte auf „Refugees Ain’t Fugitive“ sind in erster Linie subjektive Beobachtungen und faktenbasierte Informationen, die er gegenüberstellt. Ohne den Anspruch auf Allwissenheit. Def Ill hat keine Angst vor Diskussionen und lässt sich gerne mit Argumenten überzeugen, falls jemand das Gefühl hat, er würde auf seinem Album Falschinformationen verbreiten.

Einen Großteil der Songs seiner neuen Platte hat der Linzer Künstler selbst produziert, gemischt und gemastered. Lyrische Unterstützung erhält er von DRK Poet, Kid Pex, FOZ, Akinyemi, Rass, Bella Diablo, Disorder, Nasihat und Highznberg.

Alles wird gespendet

Def Ill engagiert sich mit „R.A.F. - Refugees Ain’t Fugitive“ nicht nur lyrisch für Geflüchtete, sondern auch finanziell. Jeden Cent, den Def Ill mit dem Verkauf seines neuen Albums einnimmt, spendet er an den Verein Flucht nach Vorn, der Jugendlichen mit Fluchthintergrund hilft. Monatlich will der Linzer Rapper einen Screenshot mit dem Betrag, den er überweist, veröffentlichen.

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