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Gudrun von Laxenburg

Gudrun von Laxenburg

Artist of the Week

Gudrun von Laxenburg sorgen für Panik in der Technopop-Disco

Nach sieben Jahren veröffentlicht das Elektropunk-Live-Trio Gudrun von Laxenburg endlich ihr Debüt und bringt uns damit ganz schön ins Schwitzen.

von Andreas Gstettner-Brugger

Langsam wird sie immer lauter, die nervöse Synthie-Melodie der Eröffnungsnummer „Planet of the Arps“. Leise schleicht sich auch das Schlagwerk heran, das sich dann in kurze Trommelwirbel entlädt. Ein akustisches Blitzlichtgewitter bricht über uns herein, wenn alle Instrumente in einem furiosen Dance-Track münden.

Man kann den Trockeneisnebel der Tanzfläche fast riechen, den Schweiß von den Wänden tropfen sehen. Es fühlt sich an, als würde das österreichische Trio Gudrun von Laxenburg mit ihren leuchtenden Space-Anzügen eine wilde Techno-Party im eigenen Wohnzimmer spielen. Die ersten Minuten von „Panic!“ machen dem Status der brachialen Live-Band alle Ehre. Doch bis dahin war es ein langer und anstrengender Weg.

Time to kill your darlings

Treffen sich ein Hardrock-Gitarrist, ein Jazzdrummer und ein klassischer Violinist. Was wie ein schlechter Musikerscherz klingt, ist die Entstehungsgeschichte einer großartigen Band. Angefangen hat alles ganz „harmlos“, als Daniel, Christoph und July einen Techno-Track für ein Filmprojekt von Freunden aufgenommen haben. Als sie bei der Premiere dann die Nummer präsentieren sollten, beginnen die drei Musiker im Proberaum für einen kleinen Auftritt zu jammen und schon ist Gudrun von Laxenburg geboren.

Seit damals tüfteln und feilen sie an ihrer Performance, lassen auch auf der Bühne immer wieder der Improvisation freien Lauf und begeistert ihr Publikum mit tanzwütigen, ausufernden Techno-Jams.

Gudrun von Laxenburg und ihre Live-Performance beim FM4 Geburtstagsfest 2017 in der Ottakringer Brauerei

Bildregie: Claus Diwisch & Wolfgang Rezny. Kamera: Vedran Pilipović, René Rusch, Nina Keinrath, Florian Wörgötter. Technik: Wolfgang Rezny

Doch bald stellt sich die Frage: Wie soll man die Energie, die Live auf alle überspringt, ins Studio und auf Platte transferieren? Es vergeht viel Zeit mit Soundfindungsprozessen, dem Herumschrauben an analogen Synthesizern und dem Aufnehmen von ausgefuchsten Schlagzeugrhythmen. Dabei achten die Drei darauf, den Computer nach dem live eingespielten Beat zu richten und nicht umgekehrt, das Schlagzeug zu Tode zusammenzuschneiden. Denn trotz aller Elektronik machen gerade die kleinen Ungenauigkeiten und Fehler es aus, dass die Platte menschlich und damit spannend klingt.

Plattencover "Panic!" von Gudrun von Laxenburg

Gudrun von Laxenburg

Das Debüt-Album „Panic!“ von Gudrun von Laxenburg ist auf dem englischen Label Skint Records erschienen. Präsentiert wird es live am 12. Mai im Wiener Flex!

Und damit sich Daniel, Christoph und July nicht endlos in ihren Tüfteleien verlieren, engagieren sie Zebo Adam (Produzent von Bilderbuch, Francis International Airport, Steaming Satellites, u.a.) und den Amadeus-prämierten Tontechniker Alex „Fire“ Tomann für den schwierigen „Kill your darlings“-Prozess: Songs ausmisten und geliebte Melodien und Schlagzeugspuren löschen.

Das Ergebnis sind kompakte Songs, die mit durchschnittlich vier Minuten alles beinhalten, was ein guter, poppiger Dance-Track so braucht. Synthetisierte Stimmen wie bei „We Are The Beats“, kombiniert mit schweißtreibenden Rhythmen und Synthieflächen, die an Daft Punk erinnern. Und auch wenn ein Song wie „Out Of Control“ langsam anfängt, entwickelt er sich in kürzester Zeit zu einem Justice-ähnlichen Tanzbodenfeger, der immer wieder durch zarte Melodien gebrochen wird. Etwas zurückgelehnt und wundervoll poppig ist das Stück „Moving Water“, dem Eloui die Stimme geliehen hat. Zwischen wabernden Synthies und entspannten Beats flirren Streicher-Samples durch den Raum und betten die Vocoder-Vocals gut ein. Bei der aktuellen Single „Just can’t get enough“ haben sich Gudrun von Laxenburg den befreundeten Sänger Pressyes an Bord geholt, dessen Stimme teils bearbeitet, teils glöckchenklar durch den schwerelosen Soundkosmos schwebt.

Von Dystopien und Einhörnern

Dass Christoph, Daniel und July große Science Fiction-Fans sind, spiegeln nicht nur ihre leuchtenden Space-Anzüge auf der Bühne wieder. Passend zu der oft dunklen Atmosphäre ihrer Tracks, ist auch ihre visuelle Umsetzung wie von einem anderen Planeten. Im Video zu „Just Can’t Get Enough“ lassen Gudrun von Laxenburg einem einsamen Astronauten in seiner Raumstation allmählich die Luft ausgehen. Wenn man so will, ein Sinnbild für die rasante Fehlentwicklung unseres Wirtschafts- und Gesellschaftssystems.

Auch das mit unglaublicher Qualität produzierte Video zu dem düsteren Track „Revolution“ malt ein beklemmendes, dystopisches Bild einer totalitären Gesellschaft, unter deren Oberfläche die Revolution brodelt. So baut sich recht schnell ein dichtes Klanggewitter zusammen, das gute vier Minuten lang mit For-To-The-Floor Beats, gefilterter Basslinie und Arpeggio-Synthesizermelodien zelebriert wird und uns nicht mehr zur Ruhe kommen lässt.

Aber es gibt auch noch eine andere Seite von Gudrun von Laxenburg. Nähmlich die, bei der sich das Trio selbst nicht ganz so ernst nimmt. Zum Beispiel, wenn ein Track wie „What Whoop“ in bester Mr. Oizo-Manier über den Dancefloor hüpft. Da zu Beginn Gudrun von Laxenburg gerne mit 1990er Euro-Trash Themen gespielt und diese in ein neues Techno-Gewand gesteckt haben, ist da laut Daniel ein bisschen was „picken geblieben“ und besagter Song eine Hommage an Mr. Oizo & Co. geworden.

Apropos Hommage, das Schlussstück „The Return Of The Unicorn“ ist ein sakrales Techno-Punk-Brett, entstanden aus einer herrlich witzigen Idee, wie uns July erzählt hat:

„Daniel hatte da so eine bildliche Idee: Auf einem Friedhof steht ein Grabstein mit der Inschrift ‚Hier ruht das das letzte Einhorn‘, bezogen natürlich auch auf den Comic-Film. Und plötzlich fährt aus diesem Grab die Faust des Einhorns, mit dem Horn in der Hand und das ist The Return of the Unicorn das zurückkommt, um alle Ungerechtigkeiten auf der Erde wieder klarzustellen und jeder kriegt eine auf die Gosch’n der deppat is.“

Und so ist das langerwartete Debüt „Panic!“ ein ungemein gewitztes, sehr abwechslungsreiches und unglaublich energiegeladenes Werk geworden, das man sich immer wider anhören kann, um neue Details zu entdecken und sich noch einmal die Füße wund zu tanzen. Wir freuen uns schon auf die vielen Live-Shows mit blinkenden Space-Anzügen, schweißgetränktem Publikum und jeder Menge Einhörnern.

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