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Buch mit Überschrift "Edith Finch"

Annapurn Pictures

Tragikomische Ahnenforschung

Das First-Person-Abenteuer „What Remains of Edith Finch“ ist ein bittersüßes Experiment mit dem Erzählen im Spiel. Das Game besticht auch mit vielen originellen Spielideen.

von Rainer Sigl

Es gibt Häuser, die erzählen ihre eigenen Geschichten, auch wenn die Menschen, die sie bewohnt haben, längst weg sind. Das in diesem Game erzählt die Geschichte der Familie Finch, und es ist eine tragische Geschichte. Besser gesagt: eine ganze Reihe tragischer Geschichten, denn irgendwie lastet ein Fluch auf ihren Mitgliedern. Schon der Urgroßvater, der aus Norwegen hierher an die Westküste der USA gekommen ist, war vom Unglück verfolgt. Auch seine Nachfahren, Söhne, Töchter und Enkel fanden auf die eine oder andere Art kein gutes Ende.

Im atmosphärisch außerordentlich gelungenen First-Person-Abenteuer “What Remains of Edith Finch” kehren wir in der Gestalt der letzten lebenden Tochter dieses Clans zum verlassenen Familienwohnsitz zurück, um herauszufinden, was eigentlich mit unserer Familie geschehen ist.

Haus aus dem Game What Remains of Edith Finch

Annpurna Pictures

Villa mit eigenem Familienfriedhof

Das verlassene Haus mitten im Wald ist ein Unikat. Über Generationen gebaut und erweitert, ist es ein Irrgarten aus verschlossenen Räumen, Geheimgängen und später dazugebauten wahnwitzigen Türmchen. Bei der Suche nach unserer Familiengeschichte erkunden wir seine Räume und decken Stück für Stück das Schicksal unserer unglückseligen Vorfahren auf.

Wenn wir einen Hinweis gefunden haben, schlüpfen wir vorübergehend in die Haut der betreffenden Person und können nacherleben, was genau mal zu einem absurden, mal zu einem tragischen Ende geführt hat - von banalen Unfällen bis zu tragischen Schicksalsschlägen. Es ist kein Zufall, dass direkt hinter dem Haus der eigene Familienfriedhof ist - gestorben wurde hier quasi immer.

Leere raum aus dem Game What Remains of Edith Finch

Annapurna Pictures

Ein Strauß origineller Spielideen

Was düster und traurig klingt, gestaltet sich dank schwarzem Humor und vor allem vieler origineller Ideen zum höchst unterhaltsamen bittersüßen Spaziergang. Wer die Filme des US-Kultregisseurs Wes Anderson (“The Royal Tennenbaums”, “Grand Budapest Hotel”) mag, kennt diese ganz spezielle Mischung aus Melancholie und Komik. Die zwölf kurzen Flashbacks überraschen auch jedesmal mit originellen Spielmechaniken, ungewöhnlicher Präsentation und vielen neuen Ideen, die man so noch nicht gesehen hat. Dass der Ideenreigen am Ende nicht unbedingt in einem alles erklärenden Finale mündet, lässt sich angesichts so viel Kreativität und Humor leicht verschmerzen.

Erschienen ist “What Remains of Edith Finch” für Windows und PS4.

Wer erzählerische Experimente wie “Gone Home” oder “Firewatch” liebt, findet in “What Remains of Edith Finch” einen gelungenen Versuch, das Erzählen im Spiel mit vielen neuen Ideen voranzubringen. Ein Spiel, das trotz seines düsteren Themas humorvoll bleibt - und uns mit einem Lächeln zurücklässt.

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