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Visuelle Darstellung einer Erinnerung des alten Mannes in "Old Man's Journey"

Broken Rules / Salon Alpin

Der alte Mann und das Meer

In „Old Man’s Journey“ wandern wir mit einem in die Jahre gekommenen Matrosen durch eine pittoreske Landschaft. Bald erfahren wir, dass sein Leben zwischen Fernweh und Familienglück zerrissen war.

von Robert Glashüttner

Alte Menschen und ihre Geschichten, Gedanken und Träume kommen in der Popkultur leider immer noch viel zu selten vor. Vor allem in Computerspielen sind ihre Lebenswelten unterrepräsentiert, auch weil die Zielgruppe weiterhin um einiges jünger ist als etwa bei Filmen oder Comics.

Nun ist aber ein Game am Markt, bei dem man einen alten Seemann auf seiner Reise durch wunderschöne Landschaften begleitet und dabei zwischen Aufbruch, Wehmut, Verlust und Hoffnung pendelt. „Old Man’s Journey“ ist ein Spiel aus Österreich, das unter der Leitung von Clemens Scott und Felix Bohatsch von Broken Rules in Zusammenarbeit mit dem Visualisierungsstudio Salon Alpin gestaltet und entwickelt worden ist.

Am Anfang war ein Brief

Ein Fahrradbote keucht eine bergige Küstenstraße hinauf. Ein alter Mann bekommt von ihm einen Brief überreicht. Er liest ihn, streift sich nachdenklich durch seinen dichten, weißen Bart und schnürt danach kurzentschlossen seinen Rucksack und macht sich auf die Reise. Das Gefühl von Freiheit überträgt sich von der ersten Minute an, und das ganz bewusst, denn „Old Man’s Journey“ ist eine Geschichte über Selbstverwirklichung – mit all der Sehnsucht, der Erfüllung, dem Verzicht und der Zerrissenheit, die dazugehört.

„Old Man’s Journey“ sieht aus wie ein lebendiges Gemälde. Der alte Mann läuft von Küste zu Küste, über verspielte Hügel, saftige Wiesen und steinige Straßen. Zwischendurch setzt er sich immer wieder, ruht sich aus und erinnert sich. Diese Erinnerungen sind leicht animierte Standbilder, auf denen die wichtigen Lebensstationen des alten Matrosen zu sehen sind.

Blühende Landschaften aus "Old Man's Journey"

Broken Rules

Matrosensehnsucht

Das Spiel kommt komplett ohne Text und gesprochener Sprache aus. Die Interaktion besteht hauptsächlich darin, dass wir die Ebenen der Landschaft verschieben. Wir können Hügel und Wege biegen und sie nach oben und unten schieben. Sind die jeweiligen Schnittstellen korrekt angeordnet, kann unser alter Mann weiterwandern. So wechselt man als Spielerin und Spieler immer wieder zwischen Abenteuer- und Puzzlemodus. Beim Wandern gibt es keine visuellen Artefakte, die stören. Beim Puzzlen werden die verschiebbaren Ebenen als Linien eingeblendet.

Das Ziehen und Verschieben funktioniert intuitiv, doch im Zentrum des Spiels stehen immer die Geschichte und die von Clemens Scott und Lip Comarella wunderschön gestaltete, malerische Grafik. Wie diese und das ganze Spiel entstanden sind, hat uns Clemens schon vor einigen Wochen in der allerersten FM4 Spielekammerl-Show verraten.

Was lange währt ...

Die Entwicklung von „Old Man’s Journey“ war - wie alle Spiele vom nun bald schon zehn Jahre alten Wiener Indie-Games-Studio Broken Rules - alles andere als einfach: Die Ansprüche waren hoch, das Budget knapp und die Zeit begrenzt. Die Erfahrung beim Spielemachen und -publizieren und das viele Reisen von Felix Bohatsch und Clemens Scott haben aber geholfen, das Projekt immer auf einem kreativ wie finanziell stabilen Boden zu halten. Es wurde während der Entwicklung auch durchgehend Feedback von Freunden, Bekannten und Kollegen eingeholt, um eine hohe Produktionsqualität zu garantieren.

„Old Man’s Journey“ ist für iOS, Android sowie Mac und Windows erschienen.

Das ausführliche FM4 Interview mit Clemens Scott und Felix Bohatsch gibt es in einem FM4 Extraleben Spezial als Podcast.

Am Samstag (20.5.) gibt es in Wien eine Releaseparty.

Nach über zweijähriger Entwicklungszeit ist „Old Man’s Journey“ nun fertig und erschienen. Das Spiel ist erzählerisch und visuell wirklich außergewöhnlich. Spielerisch ist es zwar nicht allzu tiefgehend, dafür angenehm niederschwellig. Mit circa 90 Minuten Spielzeit ist das Game auch für Menschen geeignet, die sonst kaum oder gar nicht spielen. Am Schluss will man noch mehr von den wunderhübschen Malereien sehen und den einen oder anderen Hügel verschieben.

Ein Leuchtturm und ein kleines Boot. Screenshot aus "Old Man's Journey".

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