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FM4 Artist Of The Week: Feist

Stets zu Diensten des Songs und ihrer Geschichten: mal quirky, mal orchestral, mal experimentell. Hier sind 8 essentielle Feist-Songs und ihre Geschichten dazu.

Von Susi Ondrušová

Ausgerechnet „Placebo“ ist der Name von Leslie Feists erster Band, die sie in Calgary als damals 15-Jährige gründet. Dank eines Battle Of The Bands Contests gewinnt Feists Placebo einen Festivalauftritt. Am Festival lernt Feist einen Brendan Canning kennen, mit dem gemeinsam sie später als Teil von Broken Social Scene auf der Bühne steht. Davor passiert ihr aber noch die Taufe als „Bitch Lap Lap“ – so der Spitzname, den sich Feist zulegt, als sie gemeinsam mit ihrer Freundin Merrill Nisker aka Peaches in den 00er Jahren auf der Bühne steht. Durch Peaches lernt Feist auch Chilly Gonzales kennen. Ob als Produzent oder Co-Autor bildet Gonzo gemeinsam mit einem anderen Landsmann, nämlich Mocky, eine Konstante in Feists Diskographie.

Hier eine Auswahl von acht Songs und Stationen aus Feists musikalischem Werdegang, die jeder gehört haben muss.

Mushaboom (Let It Die / 2004)

Die erste Single ihres Albums „Let It Die“, mit dem Feist 2004 ihre Karriere als Indie-Pop-Darling gestartet hat. Die Hälfte der Songs auf „Let It Die“ sind Originalsongs, die andere Hälfte Cover ihrer LieblingskünstlerInnen (Ron Sexsmith, Francoise Hardy, Bee Gees). In „Mushaboom“ besingt sie eine Zukunftsvorstellung (Haus am Land, Kinder) die ihr damals Mitte zwanzig sehr unerreichbar schien. Im Video sieht man Peaches, die mit rosa Jacke und eiserner Miene shaboom-shaboom singt.

4/7 Shoreline – Broken Social Scene (2006)

Wann auch immer Mitte der 00er Jahren das Wort “Kollektiv” gefallen ist, war mit ziemlicher Sicherheit der Bandname Broken Social Scene nicht weit. Zwischen 6 und 12 oder auch 20 Mitgliedern zählte diese Barock-Pop-Gitarren-Armee. Leslie Feist war eine von ihnen. Veröffentlicht auf ihrem dritten, selbstbetitelten Album, das 2005 erschienen ist.

Fighting Away The Tears – Mocky ft. Feist (2006)

Auch eine dieser Bekanntschaften aus der guten alten WG-Zeit mit Peaches: Mocky. Mit dem Multiinstrumentalisten und Produzenten hat Feist nicht nur an „The Reminder“, dem Nachfolge-Album „Metals“, sondern auch am aktuellen Album „Pleasure“ gearbeitet. “What Mocky brings to the room as a musician playing with me is exactly what you see when he’s behind the drums at his own show—absolute conviction. And I feel he plays with the same intention as he listens—he’s a sort of the perfect conduit for honest and integral musical goosebump-fostering.”

Gänsehaut gibt es auch bei diesem Duett, das auf Mockys Album “Navy Brown Blues” veröffentlicht wurde.

Limit To Your Love (The Reminder / 2007)

Wer hat eigentlich den Song „Hurt“ geschrieben, Johnny Cash oder Trent Reznor? Und “Nothing Compares 2 You”: War es Prince oder Sinead O’Connor? Diese gleiche Frage kann man eigentlich auch zu folgendem Song stellen, der 2011 von Dubstep-Darling James Blake auf seinem Debütalbum gecovert wurde. Das Original erscheint im Vergleich, obwohl fast durchgehend ein Tambourine den Takt angibt, fast langsamer, um nicht zu sagen träger als die Blakesche Version, was schon ein Wunder ist, setzt James Blake doch Pausen in den Song, die länger als ein Atemzug sind. Dafür hört man hier am besten, welchen unglaublichen Stimmumfang Feist hat.

1234 (The Reminder / 2007)

Der Song aus der Werbung eines Musikabspielgerätes, vom Album, das damals nicht selten aus den Boxen einer Starbucks-Filiale tönte. Mit „The Reminder“ war Feist vier Mal für den Grammy nominiert. Ein Hit ist immer Fluch und Segen zugleich, auch interessant, dass sie bei diesem Song eigentlich als Co-Autorin gelistet ist, das Original hieß „Sally’s Song“ und ist von einer australischen Singer/Songwriterin geschrieben worden, mit der Feist auf Tour war.

The Bad In Each Other (Metals / 2011)

Innere Leere machte sich breit, als Feist ihre „The Reminder“-Welttournee beendet (die sehr schön auch hier dokumentiert wurde). Zwei Jahre schreibt sie keine Zeile, bis sie nach Paris geht und der Großteil jener Songs entsteht, die auf ihrem bis dato wohl ausgereiftesten, opulentesten Album zu hören sind.

Feist - Black Tongue (Feistodon / 2012)

Anlässlich des Record Store Day erscheint 2012 die gemeinsame Split Single von Feist und der Metal Band Mastodon. Mastodon covern „A Commotion“ und Feist nimmt sich des Songs „Black Tongue“ an.

Pleasure (Pleasure / 2017)

Das fünfte Album von Feist beginnt mit Stille, bis sich langsam die Gitarre in den Vordergrund zupft. Die neuen Songs leben von Laut-Leise-Momenten und überraschen. Sehr Lo-Fi und reduziert erinnert es an frühe PJ-Harvey-Platten und dort, wo mehr als ein Instrument erlaubt ist, werden Erinnerungen an Broken Social Scenes erste zwei Platten geweckt. „Pleasure“ liefert keine Hits nach jenem Prinzip, das sie schon mit „The Reminder“ oder „Metals“ praktiziert hat. Ganz im Gegenteil, das Album ist fast schon ein Hörspiel, Songs enden abrupt oder mit einem Metalriff, man hört vorbeifahrende Autos, singende Konzertbesucherinnen oder zirpende Insekten. Bei jedem Mal Hören schenkt einem das neue Album ein neues Detail, das man vorher überhört hat. Die Themen der Songs haben diese Art der Instrumentierung oder Geräuschuntermalung gebraucht, hat Feist in Interviews gesagt. „Pleasure“ ist natürlich nicht als euphorische Überschrift gemeint:

“It’s such an inaccurate, one-dimensional word that, in fact, when you look a little closer, it carries in it yearning and loss and self-punishment. Pleasure is implicit in pain, which is implicit in pleasure.”

Und so klingt also Schmerz:

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