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Boxweltmeisterin Wesner

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FM4 Doppelzimmer

Der große Knall

Nicole Wesner erzählt im FM4 Doppelzimmer über die Lust am Lucky Punch, über die Verletzungsgefahr beim Boxen und warum sie lieber den Kampf im Ring fightet, als sich durchs Leben zu kämpfen.

Von Elisabeth Scharang

Nicole Wesner sieht aus wie Ende zwanzig. Die Einordnung von Menschen nach ihrem Alter ist für mich normalerweise völlig uninteressant. Aber wenn jemand mit Anfang dreißig beschließt, den Managerjob an den Nagel zu hängen und Profiboxerin zu werden, dann schaut man derjenigen anders in Gesicht. Und so suche ich in Nicole Wesners Mimik die Spuren der Konsequenz, die sie gezogen hat. Die Frau weiß, was sie will. Das war vermutlich schon immer so bei ihr. Nur, dass sich das Ziel verändert hat.

Früher ging es um den Ehrgeiz, Pharmaprodukte, die einen schwierigen Stand hatten, an eine finanzstarke Kundschaft zu verkaufen. Heute geht es darum, den nächsten Kampf im Ring zu gewinnen. Das hat durchaus miteinander zu tun. Taktisches Handeln, Strategie und Ehrgeiz sind in der Wirtschaft genauso notwendig wie im Profisport, wenn du in die erste Reihe willst. Mit dem großen Unterschied, dass man mit Anfang dreißig nicht gerade einen Joker in der Hand hat, wenn man an die Tür eines Boxclubs klopf, um dort Sportkarriere zu machen.

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Warum es bei Nicole Wesner funktioniert hat: Sie wollte keine Karriere machen, sie wollte einfach boxen. „Leb dein Leben nicht für einen lückenlosen Lebenslauf, hat mir damals ein Sportmasseur gesagt“, erzähl Nicole „Mach das, was du wirklich machen möchtest.“ Aber kennen wir diese Stehsätze nicht alle? Und nicken die meisten von uns nicht daraufhin mit einem Ja-eh-Lächeln und denken sich: Wie naiv muss man sein, um zu glauben, dass das Leben so funktioniert?

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Nicole Wesner ist zum Yoga gegangen. Im Nebenraum wurde geboxt. Sie hat eine Probestunde absolviert und dann den Beschluss gefasst: ein Kampf. Ich möchte einmal einen richtigen Kampf fighten. Daraus wurde eine Entscheidung, die keinen Stein in ihrem Leben auf dem anderen gelassen hat. Naiv? Nein, das kann man Caroline Wesner wohl als Charaktereigenschaft nicht zuschreiben. Ehrgeizig? Ja. Konsequent? Ja. Sie trainiert zwei Mal am Tag. Und aus ihrem ersten Kampf mit 32 Jahren ist eine Passion geworden. Dann der österreichische Staatsmeistertitel im Amateurboxen in der Leichtgewichtsklasse. Aber das hat ihr nicht gereicht.

„Mein Traum war es, als Profiboxerin Weltmeisterin zu werden und eine ganz tolle Boxerin zu werden. Dass der Traum verrückt, aber doch realistisch ist, habe ich schon nach kurzer Zeit bewiesen. Ich kletterte die Rankings hoch und wurde zwei Jahre nach meinem Profidebüt 2014 Weltmeisterin der Verbände WIBF (Verband, unter dem Regina Halmich 12 Jahre Weltmeisterin war; ebenso wie Leila Ali) und WBF (Verband von Ann-Sophie Mathis, die größte K.O.-Schlägerin aller Zeiten, Holly Holm und Christina Hammer).“

Heute ist Nicole Wesner Ende Dreißig und sieht sich sportlich noch lange nicht am Zenit. Ich habe sie für das FM4 Doppelzimmer in dem Boxclub in Liesing, in dem sie trainiert, für ein Gespräch getroffen und sie ist für uns mit Sparringpartner Deni Gajrabekov in den Ring gestiegen. Zu hören gibt es das Ganze am Donnerstag, 25.5. 2017 von 13-15:00, und gleich im Anschluss für 7 Tage im FM4 Player.

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