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Hyperreality Festival

Susanna Hofer

Tanzen in der Parallelwelt

Hyperreality, die Clubschiene der Wiener Festwochen, hat verschiedene Subkulturen zu einem spannenden Festival- und Partyprogramm gebündelt.

von Dalia Ahmed

Wenn man das Gelände von Schloss Neugebäude, irgendwo in Simmering betritt, ist man ab der ersten Sekunde reizüberflutet. Da ein riesiges Renaissance Jagdschloss, hier ein tanzendes Scheiße-Emoji und dann auch noch ein Merchshop mit Merch, der viel besser als Merch ausschaut und vier Floors, auf denen Musik auf das Publikum niederstürmt.

„Hyperrealität“, das ist ein Begriff des französischen Philosophen Jean Baudrillard, und er beschreibt – vereinfacht gesagt – eine simulierte, idealisierte Parallel-Wirklichkeit. Diesen Titel hat sich das Hyperreality Festival ausgeborgt, die neue Clubschiene der Wiener Festwochen.

Vier Nächte lang konnte man in eine Parallelwelt eintauchen. Das bedeutete z.B auch 50/50 in allen Bereichen – so war bei den rund 90 Acts die Hälfte nicht-männlich, aber auch bei den Securities, in der Produktion und in der Technik wurde auf Ausgewogenheit geachtet. Das Programm war ein Feuerwerk aus so ziemlich allem, was zur Zeit im Internet und in den weltweiten Clubs von Johannesburg bis New York angesagt ist.



Hyperreality Festival

Susanna Hofer

Am ersten Tag wurde die Auftragsarbeit „Sonata in III“ präsentiert. Von Jung an Tagen, der Bratschistin Battle-ax, Haskii und dem Video-Kollektiv „Der kleine Kreis“ erarbeitet, hat das Stück angedeutet, in welche Richtung es die nächsten Tage gehen würde. Eine Richtung, die sich nicht vor dem Unkonventionellem und vor weder Neuem noch Altem fürchtet.

Vier Tage Hyperreality waren vier Tage Clubkultur, wie sie wohl früher war. Ein wild durchmischtes Publikum, Artists unterschiedlichster Genres und Menschen, die wegen der Freude an der Musik da sind. Am augenscheinlichsten wurde die einzigartige Stimmung des Hyperreality immer dann, wenn man den Artists einfach so auf den Floors vor den Bühnen begegnete. Die hingen nämlich größtenteils nicht irgendwo versteckt, ihre Auftritte abwartend ab, sondern stürzten sich in die Menge.

Hyperreality Festival

Susanna Hofer

So gingen vier Tage mit einem Princípe-, einem Balacore- (Staycore mit Bala Club), einem NON- und einem GHE20GOTH1K-Showcase und Auftritten von Holly Herndon, Jlin, den Mafia Boyz SA, Nite Jewel, Forrest Swords, Paula Temple, Amnesia Scanner, Ace Tee, Tomasa del Real und noch so vielen unzähligen mehr rum. So, dass es wohl noch Tage dauern wird, bis all die Erinnerung im Kopfkino verdaut wird. 


Und weil das Festival mit vielem bricht, was sonst üblich ist, erlebt man auch bei den Shows so einige Dinge, die man vorher so noch nie gehört oder gesehen hat. Die schwedische Musikerin Tami T etwa vermengt in ihrer Musik zuckersüßen, romantischen Pop mit extrem expliziten Lyrics. Ihr Hauptinstrument hat Tami T selbst gebaut und erfunden, ein Strap On, den sie zur digitalen Steeldrum umfunktioniert hat.

Die vier Tage Hyperreality waren vier Tage Spaß, vier Tage tanzen und vier Tage was dazulernen via der Musik aus den subkulturellen Clubs und Parties dieser Welt.

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