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Der Cast von Baywatch dem Film

Paramount Pictures

Ein Film zum Wegtauchen

Der neue „Baywatch“-Film kann nicht mal von David Hasselhoff gerettet werden - obwohl der das in der Vergangenheit schon mit seiner eigenen Karriere geschafft hat.

Von Christoph Sepin

Eines gleich zu Beginn: Die neue Kinoadaption von „Baywatch“ muss, nein, soll man sich nicht anschauen. Auch wenn man möglichweise ein Fan der Neunziger-Jahre-Show ist, auch wenn man sich das Ganze eh nur ironisch geben will, auch wenn man einfach in Nostalgie schwelgen will. Denn tatsächlich ist „Baywatch“, wie der neue Streifen einfach heißt, weit entfernt von der charmant-trashigen Ästhetik der originalen Serie.

„Baywatch“ ist ein Film wie Frankensteins Monster, zusammengeschustert aus verschiedensten filmischen Stilen, inkonsistent und wie von einem Komitee auf den den kleinsten gemeinsamen Nenner hin geplant. Er biedert sich an ein fiktives Publikum an, von dem man erwartet, dass es die flachen Non-Witzchen und anrüchigen Slapstick-Einlagen zum Schenkelklopfen findet. Gleichzeitig versucht der Film den Wunsch nach Nostalgie von Leuten zu erfüllen, die mal wieder „Baywatch“ sehen wollen, in HD und am großen Screen und voll mit selbstreferenziellen Verweisen auf die Rettungsschwimmerserie.

Dwayne „The Rock“ Johnson, einer der charismatischsten Action-Stars der jüngsten Zeit (der den Film übrigens auch nicht retten kann), spielt statt David Hasselhoff die Titelrolle des Mitch Buchannon. Ihm zur Seite steht als Sidekick ein verloren wirkender Zac Efron, in einer undurchsichtig geskripteten Rolle als arroganter Charmebolzen, der eh voll super ist, das aber erst noch von seinem neuen Mentor lernen muss.

Sonst noch dabei: Abziehbild-Supportcharaktere wie der nerdige Ronnie als Comic-Relief-Figur, aus der Serie bekannte Rollen wie C.J. Parker und Stephanie Holden, die penibel und charakterlos auf ihre Äußerlichkeiten und ein Minimum an Persönlichkeit reduziert werden und ein Cast von aktuellen - und im echten Leben eh sehr lustigen - Personen aus dem US-Comedy-Umfeld wie Hannibal Buress („Broad City“) oder Rob Huebel („Human Giant“). Die kennen hierzulande vermutlich wenige, in den USA sind sie Aushängeschilder der neuen Stand-Up-Welle.

Zwei Charaktere aus Baywatch

Paramount Pictures

David Hasselhoff, das eigentliche Gesicht von „Baywatch“ darf nur gegen Ende kurz auftauchen - in einer besonders seltsamen Szene, in der er irgendwie auch Mitch Buchannon sein soll, obwohl das ja eigentlich „The Rock“ ist. Dem neuen Film steht Hasselhoff zumindest ansatzweise skeptisch gegenüber – so weit das eben geht, wenn man selbst irgendwie mitspielt. Grund dafür könnte auch das R-Rating der „Baywatch“-Adaption sein, das im Script mehr Sex, Schimpfwörter und Nacktheit zulässt. „We never had anyone go to bed together“, sagte Hasselhoff im Rahmen der Premiere des Films in Anspielung auf die familienfreundlichere Serie.

For better or worse: „Baywatch“ bleibt in Erinnerung als ein weiterer Ankerpunkt der Karriere von Hasselhoff, die seit den Siebziger Jahren nicht abreißen will. Eine Karriere von jemandem, der irgendwann mal gemerkt hat, dass in Zeiten von Memes und Post-Ironie die Selbstreferenz manchmal auch als zentraler Punkt des eigenen Erfolgs herhalten kann.

Don’t Hassle the Hoff

Spätestens seit der Erschaffung seines Alter Egos „The Hoff“ ist David Hasselhoff vom Schauspieler zur Entertainment-Marke geworden. „Knight Rider“ und „Baywatch“, das hat irgendwie jeder und jede gekannt. Auch wenn mittlerweile eine ganze Generation wahrscheinlich kaum eine Folge der jeweiligen Serien gesehen hat. Aus der Popkulturgeschichte sind die Shows nicht wegzudenken - dank des „So bad, it’s good“-Faktors, den sie sich mit einigen Serien aus den Achtzigern und Neunzigern teilen. Und genau da kommt Hasselhoff ins Spiel: Als jemand, der nicht davor zurückschreckt den ironischen Kult um die eigene Person auszunutzen und damit eine langfristige Karriere zu erhalten.

Hasselhoff selbst spielt gekonnt mit diesen popkulturellen Referenzen, im neuen „Baywatch“-Film und in seinen sonstigen Auftritten in Shows, online oder im Kino. In fast zwanzig Kinofilmen wird der Schauspieler einfach nur mehr als „Himself“ aufgeführt. Das reicht schon aus, um ein belustigtes Raunen durch das Publikum gehen zu lassen - zwischen „Ha, den kennt man ja“ und „Wahnsinn, dass der da überall mitmacht“. Dass das einerseits schreckliche Filme zum Vergessen (Adam Sandlers „Click“, Seth MacFarlanes „Ted 2“), andererseits auch ganz unterhaltsame Comedy-Geschichten sind („The SpongeBob SquarePants Movie“), macht für die Karriere von Hasselhoff keinen großen Unterschied. „The Hoff“, so darf man sich zu sagen trauen, „is here to stay“.

Hasselhoff spielt gekonnt mit seiner eigenen medialen Persönlichkeit („They want us because we sell tickets. And that’s it. We help the media make money“, soll ihm Hulk Hogan mal gesagt haben). Im Jahr 2008 startete er seine eigene MySpace-Social-Network-Seite namens HoffSpace, 2015 gab er an, seinen Namen offiziell in David Hoff zu ändern (was sich auch nur als Marketinggag entpuppte) und vor wenigen Wochen verlautbarte das Spaßressort Funner/California, dass David Hasselhoff zum ersten dortigen Bürgermeister erkoren wurde.

Dass der neue „Baywatch“-Film nicht nur bei der Kritik, sondern auch bei den ZuseherInnen floppte, dürfte Hasselhoff nur bedingt ärgern. Seine Message hat er draußen: Er ist immer noch da, macht immer noch seine Show und taucht immer noch überall dort auf, wo ein Spaßcameo zur allgemeinen Belustigung gesucht wird. In wenigen Wochen zum Beispiel auch wieder in Österreich, als Performer auf der Bühne des Nova Rock. Nicht als David Hasselhoff, wohlgemerkt, sondern einfach als „The Hoff“. Denn wer da dahinter steckt, wissen mittlerweile auch alle.

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