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Snoop Dogg

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FM4 HipHop-Lesekreis

Snoop Dogg und die Nostalgie-Falle

Snoop Dogg besinnt sich nach Reggae- und Disco-Ausflügen auf seiner neuen Platten auf die Anfänge - der HipHop-Lesekreis ist ob der gelungenen Musik und der gleichzeitig drohenden Nostalgie-Falle zwiegespalten.

von Stefan „Trishes“ Trischler

Wie man Snoop Dogg wahrnimmt, hängt stark davon ab, wann der Westcoast-Rapper in das jeweilige Leben getreten ist. Heute kennen wir ihn als Martha Stewart-Homie, Football-Daddy und lustigen Kiffer-Onkel, der musikalisch durchaus flexibel ist. In den frühen Tagen, als er noch Snoop Doggy Dogg hieß, zeigte der junge Calvin Broadus hingegen durchaus bedrohliche Seiten - auch wenn er von seiner publicityträchtigen Mordanklage letztlich freigesprochen wurde. Gleichzeitig wurde er an der East Coast wegen Frisur und Rapstil angefeindet - der allgemein respektierte Doggfather-Status kam erst viel später.

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Nach seinen Multiplatin-verzierten ersten Platten an der Seite von Dr. Dre musste Snoop Dogg aber erst noch eine kommerziell wie kreativ durchwachsene Periode durchtauchen. HipHop-Lesekreis Kollege Mahdi schwört zwar auf No Limit Top Dogg, eines der drei bei Master P veröffentlichten Snoop-Alben, allgemein gilt die Zeit um den Milleniumswechsel aber nicht als seine beste. Erst mit Super-Hits und Genre-verändernden Weltnummern an der Seite der Neptunes wandte sich das Blatt. In den letzten Jahren gab es viele mehr oder weniger gelungene Experimente, von der großartigen Boogie-Platte mit Dam Funk bis zum entbehrlicheren Snoop Lion.

Ohne naheliegenden Anlass hat bei Snoop Dogg im Vorfeld des neuen Albums Neva Left die Rückbesinnung eingesetzt. Das Coverfoto stammt von 1992 und nährt zuerst die Vermutung, es würde sich hier um eine Best Of- oder Lost Tapes-Sammlung handeln. Und auch der Sound erinnert an den Mitt-90er Snoop, nicht zuletzt weil mit Rick Rock und DJ Battlecat zwei Veteranen des zurückgelehnten kalifornischen HipHop-Grooves viele der Instrumentale beisteuern. Und die anderen Produzenten halten sich an die klangliche Vorgabe, und bauen zudem wie etwa im Titeltrack noch ein klassisches Wu-Tang Sample ein.

Obwohl das resultierende Album musikalisch sehr viel Spaß macht, stellt sich da schon die Frage, ob das jetzt der Beginn von so etwas wie Adult Orientated Rap ist, also einem sich immer wieder selbst recyclenden Sound, der eine älter werdende und ästhetisch zunehmen konservativere Fanschar nicht zu sehr herausfordert und ihr immer neu das gibt, was sie will. Für diese zynische Sicht spricht auch die Auswahl der Gäste auf Neva Left, die zwischen KRS-One, Method Man & Redman oder Too $hort auch immer dem jeweils passenden Songkonzept (v.l.n.r. Gesellschaftskritik, Marijuana & Sex) zugeordnet sind.

Der FM4 HipHop-Lesekreis, diesmal vertreten durch Dalia Ahmed, Natalie Brunner, Mahdi Rahimi und meiner Wenigkeit ist ganz klar Anti-Retromania aber gleichzeitig weitestgehend Pro-Snoop, was uns hier in einen gewissen Zwiespalt bringt.

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