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Jan Fabre Teaching Group (BE)

Guido Mencari

Alles Walzer oder was?

Stell dir vor: Wien wird zur Tanzmetropole, und es ist gar nicht Ballsaison. Schuld daran ist das ImPulsTanz-Festival. Einige Empfehlungen für den Tanzsommer.

Von Claudia Unterweger

Verschwitzt und freudestrahlend flitzen sie auf bunten Leihrädern durch die Stadt. Die vielen Tanzbegeisterten, die zum Vienna International Dance Festival angereist sind. Ein Monat lang wird quer durch die Stadt getanzt: in Theatern, Museen, Ausstellungsräumen, beim 48er Tandler-Altwarenmarkt der Stadt Wien und hinauf auf das Baugerüst der Sezession. Mehr als 50 Compagnien zeigen ihr Können, darunter sind auch 12 Uraufführungen. Das prall gefüllte Festivalprogramm überfordert fast beim Durchblättern, daher hier einige - subjektive – Empfehlungen.

Durchhalten erwünscht

Unsere Kondition auf die Probe stellen werden Marathonperformances unterschiedlicher Artists. Bei einer Spieldauer, die sich wie im Fall von Ivo Dimchevs Stück „Avoiding deLIFEath“ über den ganzen Tag zieht, lässt sich die Frage ausloten: Wie geht man mit Erschöpfung um? Trashig-exaltiert wird der bulgarisch-österreichische Künstler Dimchev täglich 8 Stunden durchgehend singen, malen, musizieren, unterrichten und Interviews in den Hofstallungen des mumok geben. Sicherheitshalber sei dazu gesagt, dass BesucherInnen kommen und gehen dürfen, wann sie wollen.

Ivo Dimchev

Ivo Dimchev

Sadisten, Zauberkünstler und Normalos

Eines der ImPulsTanz-Highlights unter jungen Artists ist die ägyptisch-finnische Künstlerin Samira Elagoz. Sie sorgt international bei Filmfestivals für einiges Aufsehen mit ihren verstörenden Arbeiten über Intimität, Gewalt und sexuelle Selbstbestimmtheit. Nach einer Vergewaltigung entschloss sich Elagoz zu einer unorthodoxen Art der Aufarbeitung ihres Traumas. Über Tinder, Chat-Roulette und Kontaktanzeigen lernte sie haufenweise unterschiedlichste Männer und deren Begehren kennen und hielt diese mal berührenden, mal beklemmenden Begegnungen filmisch fest. „I’ve been researching on the behaviour of men“, erzählt sie mir lachend im Interview. „On this very classical set up boy meets girl, and what kind of courting rituals are used in first encounters.“ Sie alle zeigt die 28-Jährige in ihrem Film „Craigslist Allstars“ und ihrer Doku-Performance „Cock, Cock.. Who’s There?“.

Samira Elagoz

Samira Elagoz

Samira Elagoz ist auch eine von insgesamt 8 Jung-ChoreografInnen bei der [8:tension]-Performancereihe. Sie alle beschäftigen sich mit unseren Selbstbildern und Vorstellungen von Liebe und Macht im digitalen Zeitalter. Nominiert sind alle 8 Artists für den mit 10.000 Euro dotierten Prix Jardin d’Europe sowie für den FM4 Fan Award, der dann demnächst durch Online-Voting ermittelt wird.

Klassiker entstaubt

Tanzklassiker finden sich zwar auch im Programm, werden bei ImPulsTanz aber gehörig remixt und neu gedacht. So zeigt Ballett-Shootingstar Dada Masilo aus Südafrika die Klassiker „Schwanensee“ und „Giselle“, das romantische Ballett schlechthin, à l’africaine.

Dada Masilo Giselle

John Hogg

The Humane Body

Wie sich Tanz komplett vom physischen Körper loslösen und sich umso stärker in unserer Vorstellung erleben lässt, zeigt die französische Choreografin Anne Juren in ihren Arbeiten. Dabei gibt es kaum etwas auf der Bühne zu sehen, nur die Stimme der Künstlerin führt das Publikum auf eine Reise durch den eigenen Körper - bis tief in die Eingeweide. „I discover that your skin can be lifted, I slide my hand under it“, raunt Juren den fasziniert-befremdeten BesucherInnen ins Ohr. Dazu hört man schmatzende Geräusche, eine unheimliche Erfahrung. „I put the performance inside the spectator’s body. The spectacle is not something that can be watched outside on stage“, erklärt mir Anne Juren im Gespräch. Ihre Uraufführung „Anatomie“ ist eines der Stücke, das bei ImPulsTanz für Sehende und Nicht-Sehende gleichermaßen erlebbar ist. Der Schwerpunkt The Humane Body – ways of seeing dance bietet einem blinden und sehbehinderten Publikum außerdem Audiodeskriptionen und Touch-Touren, bei denen Requisiten befühlt und Tanzmoves vorab selbst ausprobiert werden können.

Moonwalker, Schlangenmenschen und Einsteiger

„Du hast das Herz in der Hose und Beton an den Füßen, denn da drüben tanzen jene, die zu Hause viel mehr üben“ rappt Mieze Medusa. Macht aber nix, bei 250 verschiedenen ImPulsTanz-Workshops für alle Levels sollte jede und jeder fündig werden. Die Anmeldung läuft bereits. Im Wiener Arsenal sind Pole-Dance-Einsteiger und Hobby-Ballerinen willkommen, psychische Blockaden lassen sich hoffentlich durch Butoh-Tanz oder im Workshop „Yoga & Antifa“ durchbrechen. Schwindelfreie können mit Choreografin Doris Uhlich das Sezessions-Baugerüst tanzend erklimmen. Als Draufgabe gibt es den Geldbeutel-schonenden Summer of Movement, den täglichen Gratis-Workshop im Museumsquartier für alle, die Tanz zum ersten Mal ausprobieren wollen.

„urbanative“

Urbanative - Festival urbaner Künste bei ImPulsTanz, 5. Bis 12. August

Hiphop-Tänzer, Rapperinnen, Parkour-Begeisterte und DJs sollten sich schon mal „urbanative“ notieren, ein Festival im Festival bei ImpulsTanz. Vom 5. Bis 12. August stehen dort Urbane Künste im Mittelpunkt mit Dance Battle, Poetry- und DJ-Workhops von Yasmo und den Waxolutionists und einem Flohmarkt für Hiphop-Kleidung, Sneakers und Skateboards. Für den geschmeidigen Bewegungsapparat zuständig sind Vogueing-Koryphäe Archie Burnett, Hiphop-Legende Storm oder Black-Eyed-Peas-Tänzerin Nina Kripas. Wem das noch nicht genug ist, hilft Madonna-Tänzer Drew Dollaz in seinen Flexing-Klassen die Knochen krachen zu lassen. Im Anschluss daran empfiehlt sich dann vielleicht ein Besuch im Schmerzumwandlungs-Workshop von Twerking-Profi Fannie Sosa.

Party bei ImpulsTanz

Karolina Miernik

Bass. Tanz. Glitzer. Licht.

Zur Partyschiene bei ImpulsTanz Social wird schlussendlich auch noch ins Kasino am Schwarzenbergplatz geladen. Am 21. Juli spielen Motsa und Sixtus Preiss bei der ImpulsTanz Party, am 11. August rappt Yasmo mit ihrer Klangkantine und Pulsinger legt auf. Um den FM4 Friday im Burgtheater Vestibül kümmert sich die FM4 DJ-Prominenz.

Denn wie rappt Mieze Medusa nochmal? „Aus dem Weg - Zappelphilipp, Strobolicht. Ob das Deo dabei hält, ist wie das Können, eher nebensächlich.“

ImPulsTanz Festival 2017

Das ImPulsTanz Festival mit Performances, Workshops und Partys steigt von 13. Juli bis 13. August in Wien.

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