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Der Rastaminister

Mazedonien hat eine neue Regierung. Das ist auf jeden Fall eine Nachricht.

Von Todor Ovtcharov

Monatelang hatte der mazedonische Präsident den Sozialdemokraten, die die Wahlen gewonnen haben, den Regierungsauftrag verweigert. Demos zogen durch die Hauptstadt Skopje. Alle Parteien beschuldigten sich gegenseitig des Hochverrats. Hochverrat war schon immer ein Thema in Mazedonien.

Alle mazedonischen Nachbarländer meinen oder haben mal behauptet, dass dieses Land nicht existieren darf: die Bulgaren sagen, dass die mazedonische Sprache ein bulgarischer Dialekt sei, die Serben glauben, dass die Gegend zum „alten Serbien“ gehöre und die Griechen sind sich sicher, dass Mazedonien eine griechische Provinz sei. Andererseits verkündet die mazedonische Propaganda lautstark, dass die Mazedonier direkte Nachfolger von Alexander der Großen seien.

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Es ist nicht klar, wessen Nachfolger die Albaner sind, die fast die Hälfte der mazedonischen Bevölkerung ausmachen — ob auch von Alexander dem Großen oder doch von den Persern oder Illyrern.

Die rechten Parteien in Mazedonien drohen den Wähler mit den Albanern und die Albaner meinen, dass sie unterdrückt werden. Nicht leicht, in so einer Situation eine Regierung zu bilden. Es ist wie fischen im trüben Wasser.

Eine interessante Figur der neuen mazedonischen Regierung ist der Kulturminister Robert Alagjozovski, ein Literaturkritiker und Übersetzer. Er hat Dreadlocks. So weit ich mich erinnern kann ist Alagjozovski der erste Minister eines europäischen Landes mit Dreadlocks.

Jeder, der in Skopje war, weiß: Das ist die Stadt mit der größten Dichte an Denkmälern. In den letzten Jahrzehnten wurden in Mazedonien massenweise teure Riesendenkmäler gebaut. Es gibt antike Helden, mittelalterliche Könige, sowie Helden aus den letzten hundert Jahren. Die Mazedonier sind auf der Suche nach ihrer historischen Identität.

Der neue Kulturminister hat versprochen, die öffentlichen Aufträge für das Bauen von Denkmälern zu untersuchen und die Kulturpolitik des Landes zu ändern. Statt Riesendenkmäler von antiken Helden will er auf Übersetzungen aktueller mazedonischer Schriftsteller in viele Sprachen setzen.

Robert Alagjozovski

Republic of Macedonia

Auf dem offiziellen Fotos sieht man die Haare nicht

Ich wünsche ihm Glück. Ich glaube, dass die Sprache ein richtiger Weg ist zur Integration Mazedoniens in die europäische Familie. Und ich hoffe, dass die Dreads des Ministers das bringen, was das mazedonische Volk so nötig hat: Peace, Love and Harmony!

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