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Nova Rock 2017

Radio FM4 / Franz Reiterer

Welcome to the Wastelands

Es ist wieder soweit: Linkin Park und Fatboy Slim eröffneten am Mittwoch das diesjährige Nova Rock.

Von Christoph Sepin

Staub, Staub, Staub: Wenn man durch die Pannonia Fields stolpert, sich die Hosenbeine abklopft und die Augen reibt, dann kommt man nicht darum herum. Das Nova Rock ist kein Zuckerschlecken für Kontaktlinsenträger, wie jedes Jahr war das Publikum aber schon gestern, Mittwoch, zur quasi Eröffnung des viertägigen Spaßes kleidungstechnisch ganz gut darauf vorbereitet.

Nova Rock 2017
Hier gibt’s das detailierte Line-Up zum Festivalwochenende!

Menschen mit Bandanas vor’s Gesicht gebunden, mit Facepaint und allerlei Dekorationen trugen schon vor Einlass dazu bei, die dystopische Endzeitstimmung des Festivals mal wieder entstehen zu lassen. Eine temporäre autonome Zone im Mad Max-Stil, ein Hochleben lassen gängiger Festivalklischees: Von schönsten Kostümierungen in Dinosaurier- oder Legionärsoutfits, zu lustigen Hütchen mit unflätigen Wörtern drauf, mit Tape beklebten Autos und Menschen, die schon beim Einlass so besoffen waren, dass sie umfielen. Das Nova Rock ist halt auch das Größte seiner Gattung in Österreich, zu beobachten gibt’s da viel, vor allem auch abseits der Bands, die am Eröffnungsmittwoch noch nur eine Bühne bespielten. Die zweite kommt dann ab heute dazu.

Neben staubig war es vor allem erstmal richtig heiß, als die Leute zur Eröffnung langsam ins Gelände tröpfelten und sich zu den Neuseeländern Like A Storm stellten, die das Festival starteten. Wer Angst hat, beim Nova Rock könnten sich die doch auch vorhandenen musikalischen Dissonanzen problematisch fürs Publikum entwickeln: Den Leuten ist das scheinbar egal. Auch wenn das Festival den Namen „Rock“ im Titel trägt, genretechnisch wird da ganz freudig zu vielem mitgetanzt.

Zu den Katalanen La Pegatina zum Beispiel, die leicht bekömmliche Ska-angehauchte Standards abrackerten. Da entstanden manchmal sogar Radio Bemba Sound System Vibes, letzten Endes war das Ganze dann doch etwas zu zahnlos. Aber irgendwie geht sich das schon aus, irgendwie sind eh alle sehr zufrieden.

Nova Rock 2017

Radio FM4 / Franz Reiterer

Genauso wie zum ironisch angetouchten Haha-Machometal von Steel Panther (die können nur schlimme Wörter auf Deutsch sagen). Die Band à la Spinal Tap verbrachte dann auch einiges an Zeit damit, zu erklären, ob sie oder ob sie nicht Sex mit Schäferhunden hatten. „Das ist eben Musik zum Nachdenken“, sagt jemand neben mir. Und ja, eh klar, allzu ernst soll man das nicht nehmen, aber auch klar, auch die lustigste 80s Hair Metal-Parodie verliert sich nach dem fünften Skit in den eigenen Referenzen.

Five Finger Death Punch waren dann die Band, mit den gefühlt meisten Fans am Gelände: Ein T-Shirt oder Top mit Schriftzug der Band drauf lässt sich leicht mal im Publikum sichten. Dementsprechend voll war es vor der Bühne, kühler auch schon und nach der nachmittäglichen Ruhephase waren die Leute wieder um einiges motivierter.

Die Motivation trug sich zum irgendwie Headliner Linkin Park weiter. Die zelebrierten das, was sie am besten können: Teenage Emotions, für immer Weltschmerz, runterdestilliert auch Spaßbekömmlichkeiten. Dass da, vor allem bei den Hits, alle mitsangen, ist klar, auch wenn man die Lyrics nicht kannte. Ein „Oh“ gefolgt von einem „Oh Oh“ reichte da schon völlig aus.

Linkin Park präsentierten sich als generationenübergreifendes Projekt, bei dem jeder und jede - je nach ursprünglicher Bandsozialisierung - einen anderen Einstiegspunkt hatte, ein anderes Lieblingsalbum und Lieblingslied. Das funktionierte dann auch oft, vor allem in den vorderen Rängen, aber eben auch nicht immer. Denn auch wenn sich das Nova Rock-Publikum nicht vor musikalischen Dissonanzen scheut, im Falle Linkin Park schienen sie dann doch mal zu stark zu werden und zu sehr in Softpopsimplizitäten abzurutschen.

„Eat Sleep Rave Repeat“ ließ sich dann Fatboy Slim auf die Bühne projizieren. Und das war dann auch die Devise zum Finale des Abends hin. Seine Crew, so erzählt Norman Cook im Interview, hat eine Bingowette am Laufen, welche Lieder er denn in seinem Set spielen würde. „Für eine Linkin Park-Crowd“, wie er sagt. Was es dann gab, ist ein bisschen was von allem. Da kam mal das „Smells Like Teen Spirit“-Sample rein, dann auch wieder Gary Numan und natürlich Fatboy Slims eigene musikalische Schöpfungen. Was das tat, war hauptsächlich funktionieren.

Eine einsteigerfreundliche Spaßstunde und die beste Show am ersten Nova Rock Abend. Die das zusammenbrachte, was die nächsten Festivaltage noch auf das Publikum zukommt: Bisschen HipHop, bisschen Elektro und jede Menge Rock’n’Roll.

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