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Szenenbild aus "Rocky Horror Picture Show"

20th century fox

Best of Sommerkino

Was beginnt mit einem Blumfeld und endet mit einem Rocky-Horror-Picture-Show-Zitat? Die FM4 Sommerkino-Empfehlungen! Freut euch auf Mädchen mit Schnurrhaaren, Filmdiven und Acid House.

von Pia Reiser

Für alle, die es mit Blumfeld und somit mit „Jeder geschlossene Raum ist ein Sarg“ halten, ist die Sommerkino-Saison freilich eine große Erleichterung in Sachen Filmschauen ohne Todes-Assoziationen. Wer frische der popcornbuttergeschwängerten Luft beim auf die Leinwand Schauen vorzieht, der hat im Sommer einen vollen Kalender. Doch die Sommerkinosaison 2017 muss leider ohne das hervorragende Kino unter Sternen auskommen, das am Karlsplatz bei freiem Eintritt ein wunderschön kuriertes Programm zu bieten hatte. Wegen Kürzung der Festivalförderungen der Stadt Wien macht das Kino unter Sternen Pause. Ich vermisse es jetzt schon und hoffe auf eine Rückkehr im nächsten Jahr.

Kurzfilme!

Aber apropos spitzenmäßig kuratiert, das dotdotdot Open Air Kurzfilmfestival ist auch so eine Sommerkino-Blüte, die raussticht. Im Garten des Volkskundemuseums in Wien widmet man sich von 4. Juli bis 1. September rein genremäßig dem Kurzfilm, doch diese Beschreibung greift zu kurz (haha), da dieses Festival mit ansteckendem Optimismus und Engagement ein Programm präsentiert, das soviel mehr ist als nur filmische Abendunterhaltung in schöner Umgebung. Das dotdotdot denkt mit und weiter, barrierefrei sowieso, Untertitel und Übersetzung in Gebärdensprache, das Festival träumt von einem „Kino für alle“ und bemüht sich nach Kräften, diesen Traum umzusetzen. Eröffnet wird dieses Jahr mit der „Shatterbox Anthology“, einer Kurzfilmserie, für die auch Chloé Sevigny ihr Regiedebüt abgeliefert hat.

Mädchen mit Schnurrhaaren, Szenenbild aus "Kitty

refinery29

„Kitty“ von Chloe Sevigny ist Teil der „Shatterbox Anthology“ - zu sehen am dotdotdot

Ebenfalls dem Kurzfilm widmet sich die super Shortynale in Klosterneuburg. Die haben nicht nur ein exzellentes Händchen bei der Animated-gif-Auswahl auf Facebook (Jessica Fletcher!), sondern auch bei der Auswahl ihrer Jury: Karl Markovics und Margarethe Tiesel sowie der Gewinner im Shortynale-Hauptwettbewerb des Vorjahres, Rafael Haider, bilden die Jury für den Wettbewerb. Beginn ist am 17. August.

Acid House und Peter Sellers

In der wohl heißesten Location - und ich meine heiß nicht zwingend im eventigenpressetexigen Sinne, sondern im meteorologischen, also im Haupthof Museumsquartiers in Wien präsentiert das frameout sein wie immer herrlich unkategorisierbares, überraschendes und fantastisches Programm. Am Eröffnungswochenende wird „Rage“, die Doku über das revolutionäre Potential von Acid House Techno gezeigt, old souls wie ich freuen sich auch sehr über den ziemlich wahnsinnigen Film „After the Fox“, in dem Peter Sellers sich als Filmregisseur ausgibt.

Szenenbild aus "After the Fox"

MGM

„After the Fox“ am 29. Juli im Rahmen des frameout

Obskures und Publikumshits

Wer die sehr empfehlenswerten und bei der Emanzipation des österreichischen Kinos vom Ruf des feel bad cinema so hilfreichen Filme „Die Migrantigen„, „Wilde Maus“ und „Was hat uns bloß so ruiniert“ noch nicht gesehen hat, der hat jetzt dann wirklich keine Ausreden mehr. „Die Migrantigen“ läuft zum Beispiel drei Mal im Rahmen von Kino im Kesselhaus in Krems - am 14., 16. und 18. Juli -, „Wilde Maus“ am 8. Juli und „Was hat uns bloß so ruiniert“ am 15. Juli.

Szenenbild aus "Was hat uns bloß so ruinuert"

Thimfilm

„Was hat uns bloß so ruiniert“ beim Kino im Kesselhaus

Und wer immer noch nicht den wahnwitzig guten „Get Out“ gesehen hat, der sollte sich jetzt gleich einen Kalendereintrag machen. Jordan Peeles fantastisches Regiedebüt über Rassismus, verpackt in eine Mischung aus Horror und Thriller, läuft am 3. Juli im Rahmen des Leslie Open in Graz - und am 6. Juli im Rahmen des FilmfestiWels. Wer überhaupt weniger kuscheliges Entertainment und vielmehr verstörende Leinwand-Ausflüge erleben möchte, der reserviert sich am besten gleich einen Platz für das gesamte Arena Sommerkino in Wien. Hier gibt’s „Stalker“ und Dario Argento „Opera“ zusehen - gegen Ende hin wird man mit „Wilde Maus“ fast versöhnlich.

Auf ins Belgica

Und weil der wunderbare „Cafe Belgica“ in Österreich viel zu wenig Beachtung gefunden hat, leg ich den Film über die beiden Brüder, die in Gent einen Club aufmachen, ganz besonders ans Herz. Ein Film über den Eskapismus und Hedonismus einer Partynacht und über den Kater danach, eine Geschichte über zwei Brüder. Für den Soundtrack haben Soulwax mehrere Bands „erfunden“ und lassen die Besucher des Cafe Belgica zu Italodicso ebenso hopsen wie zu Libertines-angehauchtem Rock. Ein Film, nach dem man einen Kater hat und nichts bereut, große Empfehlung. „Cafe Belgica“ wird am 26. August im Rahmen des Volxkino am Gürtel in Wien gezeigt. Schon am 29. und 30. Juni sollte man dem Volxkino auf den Jodok-Fink-Platz folgen: Da wird „Wege zum Ruhm“, Stanley Kubricks Antikriegsfilm mit einem großartigen Kirk Douglas gezeigt und „Sunset Boulevard“, Billy Wilders Film Noir über eine alternde Film-Diva. Zwei Filme, die auch beim x-ten Mal Anschauen nichts von ihrer Wucht verlieren.

Gloria Swanson und William Holden in "Sunset Boulevard"

volxkino

„Sunset Boulevard“ beim Volxkino

Überhaupt kann man die Sommerkino-Saison natürlich zum Klassiker-Nachholen nützen, wer zum Beispiel einen „Arthaus“-Crashkurs belegen möchte, dem sei das Kino wie noch nie Augarten in Wien empfohlen. Hier gibt’s Filme von Krzysztof Kieślowski, Roman Polanski, Michelangelo Antonioni, Vittorio de Sica, David Lynch - und meinem Liebling John Cassavetes. Am 23. August wird „A Woman Under The Influence“ gezeigt mit der umwerfenden Gena Rowlands - empfohlen auch für alle, die Peter Falk nur als Columbo kennen.

Gena Rowlands und Peter Falk in "A Woman under the Influence"

kino wie noch nie

„A Woman Under The Influence“ beim Kino wie noch nie

Das Kino am Dach in Wien hat - vielleicht unabsichtlich - ein super „Man“-Dreierpaket geschnürt. Von 24. bis 26. Juni laufen hier „Toni Erdmann“, Herr Lehmann“ und „The Salesman“. Und: Die „Rocky Horror Picture Show“ hat man auch nur wirklich dann gesehen, wenn man sie mal im Kino erlebt hat - am besten mit einem Publikum, das mitsingt. Ansonsten gilt es nur noch zu sagen, Finger weg von aktuellen französischen Komödien und eine wunderschöne Sommerkino-Saison bei den vielen late night double feature picture shows.

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