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Sporadisches Schmunzeln

Amy Schumer holt mit „Snatched“ (zu deutsch „Mädelstrip“) das US-Comedykino auch nicht aus seiner aktuellen Krise.

Von Christian Fuchs

Der spezielle Humor dieser Frau darf als Balanceakt bezeichnet werden. Ganz bewusst unterschreitet die US-Komikerin Amy Schumer oft sämtliche Gürtellinien und schockiert zarte Gemüter mit derben Pointen. Im Gegensatz zu manchen männlichen Comedy-Kollegen bricht Schumer aber nicht bloß Tabus um ihrer selbst willen. Oder um schnell billige Lacher zu generieren. Amy Schumers Witzeleien haben einen feministischen Background. Auf brutale und bisweilen blitzgescheite Weise entlarvt sie Sexismus im normalen Alltag und vor allem ihrem ureigenen Terrain, dem Showbusiness und der Medienwelt.

Schumer ist aber nicht nur deklarierte Feministin, sondern vor allem hundertprozentige Humanistin. Wenn sie bestimmte Verhaltensweisen bloßstellt, steht selten eiskalter Hohn dahinter. Die gebürtige New Yorkerin will uns auch sagen, dass viele große und kleine Peinlichkeiten zum Menschsein gehören. Spielen wir uns nicht blöd auf, wir sind alle armselige kleine Würstchen, scheint Amy Schumers Motto zu sein. Sich selber nimmt die Komödiantin dabei am wenigsten aus. Im Gegenteil, in ihrer grandiosen Comedy-Central-Serie „Inside Amy Schumer“ schreibt sich sich die fiesesten und vulgärsten Gags buchstäblich auf den eigenen Leib.

Amy Schumer

Comedy Central

Kampf mit kommerziellen Zwängen

Während die radikale Koketterie mit humoristischen Abgründen und Feminismus in dieser Show sowie auch ihren Auftritten als Stand-Up-Comedian blendend funktioniert, kann man das über die Kinokarriere der 36-Jährigen nicht sagen. Im Hollywood-Kontext, mit seinen komerziellen Zwängen, beginnt das Drahtseil empfindlich zu wackeln, auf dem sich Amy Schumer bewegt.

In ihrem Leinwanddebüt „Trainwreck“ spielt sie eine Mitte dreißigjährige Journalistin mit Bindungsproblemen und Alkoholvorlieben, die langsam genug von ihren ständigen One-Night-Stands hat. Der feinfühlige wie im guten Sinn untergriffige Regisseur Judd Apatow erlaubt herzliches Blödeln und Momente emotionaler Tiefe, gegen Ende wird der Film aber konservativer als man es von Schumer erwartet hätte.

„Trainwreck“, bei uns „Dating Queen“ betitelt, kommt letztlich biederer als erwartet daher, ist aber immerhin tatsächlich lustig und berührend. „Snatched“ alias „Mädelstrip“, Schumers neuer Film, bietet gerademal eine bizarr komische Szene. Es geht darin um einen (computeranimierten) Bandwurm, der Schumers Figur im Dschungel befallen hat, Ekel und Lachen liegen in der grotesken Szene nah bei einander. Ansonsten ist eher nur sporadisches Schmunzeln angesagt, auch wenn mit Goldie Hawn eine Comedylegende die zweite Hauptrolle spielt.

Snatched

Centfox

Potpourri des Schreckens

Amy Schumer spielt die Verkäuferin Amy, die, frisch gefeuert und soeben von ihrem Freund verlassen, ihre Reisepläne nicht aufgeben will. Immerhin, erklärt sie ihrer zurückgezogen lebenden Mutter (Hawn) ist der Flug nach Ecuador nicht mehr stornierbar. Frau Mama, früher eine lebenslustige Dame, die heute zwischen Töpferkursen und Katzen-Aufzucht dahindämmert, lässt sich schließlich überreden. Weil aber viele ungelöste Themen zwischen den beiden lauern, scheint ein Konflikt-Urlaub unvermeidbar. Es kommt aber noch viel schlimmer. Regisseur Jonathan Levine lässt Mutter und Tochter im fernen Südamerika durch die Hölle taumeln, von Kidnapping über Irrmärsche im Regenmald bis hin zur erwähnten Bandwurm-Attacke steht ein Potpourri des Schreckens auf dem Programm.

Aus der Idee, die gnadenlos schlüpfrige Stand-Up-Königin Amy Schumer und die charmante Blödel-Ikone Goldie Hawn zusammenzuspannen, hätte vielleicht etwas werden können. Leider entpuppt sich „Snatched“ als uninspirierte Katastrophen-Komödie (man darf diesen Begriff auch umdrehen), die versucht Sex-Jokes, Südamerika-Stereotypen (bisweilen am Rande des Rassismus) und eine dysfunktionale Mutter-Tochter-Dynamik zu verbinden. Man wünscht den beiden Hauptdarstellerinnen einen scharfsinnigeren Film, der nicht ganz so dreist mit dem Mainstream liebäugelt.

Snatched

Centfox

Der gescheiterte „Mädelstrip“ passt allerdings auch zur aktuellen Komödien-Krise im amerikanischen Kino. Irgendwie wirkt die Fratpack-Ära der frühen Nullerjahre, wo ständig superlustige Filme produziert wurden, sehr weit weg. Melissa McCarthy scheint, unter der Regie ihres Ehemanns Ben Falcone, auf Nervensägen-Charaktere abonniert, ihr explosives Talent verkümmert dabei. Paul Rudd, der einst so sympathische Slacker im Team Apatow, vergeudet seine Stärken hochbezahlt als langweiliger „Ant-Man“. Jonah Hill hat sich wie Jason Segel dem ernsthafteren Kino zugewandt und gibt sich in Interviews seriöser als die Klamauk-Polizei erlaubt.

Bleibt zu hoffen, dass der große Schenkelklopf-Kaiser Will Ferrell demnächst in „The House“, zusammen mit der tollen Amy Poehler, nicht enttäuscht. Gerade in apokalyptisch anmutenden Zeiten sollte uns das Lachen doch nicht vergehen.

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