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RuPauls Drag Race

World Of Wunder

Die Königin der Herzen

Über RuPauls Drag Queen Imperium. Ein Porträt der Drag Queen extraordinaire.

Von Dalia Ahmed

RuPaul Charles spielt seit Jahrzehnten mit Geschlechterkonventionen und thront über einem Medienimperium. Das beinhaltet unter anderem eine Show, die von mehreren Millionen Menschen gesehen wird, verantwortet 11 Alben und hat die Karrieren von über 100 Drag Queens gestartet.

Anfang der 90er wird RuPauls Dance-Nummer „Supermodel (You Better Work)“ zum US Charterfolg. Darin besingt er die Supermodels der Zeit, Linda, Naomi, Christy, Cindy, Claudia und Nikki und ruft zum Ärmel-Hochkrempeln auf. Die Parole „You Better Work“ scheint überhaupt Rus Lebensmotto zu sein.

1960 wird er in San Diego geboren und nach der Roux Sauce, also Mehlschwitze benannt. Der Basis des Louisiana Gumbo. Eine Homage seiner Mutter an ihre Wurzeln. Und einer der wohl einzigartigsten Namen. Dazu meinte RuPauls Mutter auch „He’s gonna be a star. ‚Cause ain’t another motherfucker alive with a name like that“. RuPauls Mutter wird Recht behalten.

Nach einem Zwischenstopp in Atlanta, dem Drag Queen Mekka landet RuPaul Mitte der 80er mit seiner Punk Band Wee Wee Pole in New York und beginnt immer mehr den Fokus auf eine Karriere als Drag Queen zu legen.

Was auch sehr schnell funktioniert. Zuerst findet er Arbeit als Host und Gogotänzerin (und -tänzer) in den damals boomenden New Yorker Clubs und dann der erste Moment im Rampenlicht. RuPaul tanzt im Hintergrund des „Loveshack“ Videos der B-52s.

Rupauls Charme, Witz, das Verständnis für gesellschaftliche und pop-kulturelle Codes und das Spiel mit den Geschlechtsnormen bringt RuPauls Karriere ab dann nur mehr weiter voran und es folgen Filmrollen, ein Modeling Vertrag mit MAC Cosmetics und die eigene RuPaul- Talkshow auf VH1.

Doch dann Anfang 2000 wird es still um Ru. RuPaul führt das fehlende Interesse auf ein zyklisches Verhalten der US-Gesellschaft zurück. Die Bush-Ära ist für ihn die logische Konsequenz auf die Clinton-Ära. In Rus Vorstellung gibt es immer nur ein kurzes Zeitfenster im Mainstream in dem queere und „andere“ Formen der Kunst und des Entertainments florieren können - und dann schließt sich dieses Fenster wieder.

Diese Theorie des Zyklus der popkulturellen Ebbe und Flut scheint sich rückblickend auch zu bestätigen. Bestes Beispiel dafür ist der Disco Boom der 70er und die starke aggressive Reaktion darauf als 1979 Rockfans bei der „Disco Demolition Night“ in einem Baseball Stadion Discoplatten verbrannt haben und Disco und die schwarzen und teils queeren Menschen, die das Genre verantworteten plötzlich Personae non gratae waren.

Doch nun scheint der Zyklus gebrochen - oder die Intervalle zwischen den Hochzeiten werden größer. Denn seit 2008 gibt es nun die Reality Wettbewerbsshow „RuPauls Drag Race“. RuPauls großes Comeback befindet sich damit nun schon in der 9. regulären (und insgesamt 11.) Staffel.

Bei RuPauls Drag Race treten Drag Queens aus ganz Amerika gegeneinander an, um den Titel „Americas Next Drag Superstar“ für sich in Anspruch zu nehmen. Dabei ist das Format eine Melange aus Project Runway, America’s Next Top Model, American Idol, Quizshow, Varietéshow, Popkultur, LGBTQI-Themen, Camp und ganz viel Drama. Vor allem die Streiteren zwischen den Queens sind ganz großes Kino. Denn im Gegensatz zu anderen Castingshows sind die Teilnehmer/innen keine Teenager oder sehr junge Erwachsene, die noch kaum Lebenserfahrung sammeln konnten. Die Ru-Girls sind erwachsene Personen, die in ihren Leben viel gesehen, viel erlebt haben und mit all diesen Erfahrungen schlagfertige, witzige, modische, kritische und subversive Drag Personas kreiert haben, die ausgezeichnet austeilen können.

Doch RuPaul gibt sich nicht „nur“ mit einer Hit Show, die von Millionen von Zusehern und Zuseherinnen geschaut wird, zufrieden. Seit 2015 findet auch die Drag Con, eine riesige Comicon-style Convention in Los Angeles - und ab diesem Jahr auch in New York - statt. RuPaul sieht die Drag Queen Messe als Möglichkeit eines Ortes, an dem die Fans der Show, teils junge queere im konservativen Midwest lebende Teenager ihren „Tribe“ finden können.

Und irgendwo glaube ich, dass das nur der Mittelpunkt von RuPauls Karriere ist. Der Emmy, den Ru letztes Jahr für die Show erhalten hat, wird nur einer von vielen sein. Rus Gespür für Business, Pop-Kultur und Gesellschaft ist so ausgefeilt, dass er uns definitiv bald mit einem noch größeren, noch extravaganterem Format überraschen wird.

Bis dahin schaue ich die Reunion Folge der 9. Staffel in der Dauerschleife und fiebere dem großen Finale der Season am Samstag absolutely shook entgegen.

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