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Guns N' Roses im Happel-Stadion

Dominique Hammer

Guns N’ Roses - solide, aber brav

Die Katastrophe vom Nova Rock 2006 sei hiermit vergessen. Guns N’ Roses lieferten im ausverkauften Happel-Stadion eine würdige, wenn auch etwas zu brave Show.

Von Christian Holzmann

Elf Jahre ist es inzwischen her, als man Guns N’ Roses zuletzt in Österreich „bewundern“ durfte. Sollten sie zwischendurch doch hier gewesen sein, habe ich es ignoriert, denn zu mies war deren Auftritt auf dem Nova Rock 2006. Man kann das bis heute nur als komplette Katastrophe und Selbstdemontage einer legendären Band bezeichnen, von deren Originalmitgliedern zu dem Zeitpunkt nur noch Sänger Axl Rose übrig war. Das Resümee der Kolleginnen und Kollegen fiel danach eher fatal aus, wie man gerne unter Nova Rock 2006 - Tag 3 nachlesen kann.

Guns N' Roses im Happel-Stadion

Dominique Hammer

Axl Rose

Seit ihrer Trennung richteten sich Axl Rose und Gitarrist Slash via Presse regelmäßig harsche Worte aus und eine Reunion der beiden schien unmöglich. Angeblich soll das Geld ja keine Rolle gespielt haben, als sie sich im letzten Jahr doch wieder zusammenrauften. Jenen Fans, die vor 25 Jahren keine Gelegenheit hatten, die richtigen Guns N’ Roses live zu sehen, konnte das aber egal sein. Endlich konnten alle, die es wollten, Guns N’ Roses doch noch in Beinahe-Originalbesetzung mit Axl Rose, Slash und Duff McKagan sehen.

Mit Pünktlichkeit hatte niemand gerechnet

Die erste Überraschung des Abends war, dass das Konzert im Happel-Stadion pünktlich um 19.30 anfing. Als Guns N’ Roses vor über 10 Jahren auf Tour waren, fielen deren Konzerte zum Unmut der Fans mehr durch Verspätungen im Stundenbereich und Allüren von Axl Rose auf denn durch Qualität.

Was an diesem Abend in Wien folgte, war ein fast 3-stündiger Marathon durch so ziemlich alle Hits, die sie aufzubieten hatten, und das auch noch ohne großartige Unterbrechungen zwecks Zugabengebrüll. So gut wie nichts wurde ausgelassen: Von „Paradise City“, „Rocket Queen“ über „Civil War“ bis zu „Coma“ und „Live And Let Die“ war so ziemlich alles vertreten, was das Herz der Fans begehrt. Nicht immer perfekt, denn Musiker sind auch nur Menschen und dürfen schon mal kurz daneben greifen oder gar aus dem Takt kommen.

Das Publikum musste allerdings erst einmal warm werden mit der Band. Wer das Glück hatte, weiter vorne zu stehen, hatte mit dem Sound zwar kein Problem, etwas weiter hinten soll es allerdings schon eher „breiig“ gewesen sein. Das Konzert sollte schon über eine Stunde dauern, bis man das wohl hinbekam und der sogenannte Funke dann auf das gesamte Publikum überzuspringen begann.

Guns N' Roses im Happel-Stadion

Dominique Hammer

Solide Arbeit, aber zu berechenbar

Vielleicht lag es aber nicht nur am Sound, sondern auch an der Berechenbarkeit der Band, die teils gar zu routiniert zu Werke ging. Speziell Axl Rose machte den Eindruck, als würde er hier eher seine „Arbeit“ als Sänger verrichten. Guns N’ Roses waren ja eigentlich immer dafür bekannt, live etwas unberechenbar zu sein. Da konnte es schon mal passieren, dass Rose ins Publikum sprang, um mit einem Fotografen dort eine Schlägerei anzuzetteln und das Konzert nach drei Songs abzubrechen wie zum Beispiel in St. Louis 1991. Da endeten Konzerte auch mal in Ausschreitungen.



An diesem Abend im Happel-Stadion musste man solchen Schwachsinn zu keiner Sekunde befürchten. Abgesehen davon hätte Herr Rose an diesem Abend eine Menge zu tun gehabt, hätte er allen anwesenden Damen und Herren deren Smartphones abnehmen wollen. Das Publikum war zivilisiert, und das war gut. Die Band war es auch, und das war eigentlich fast ein wenig fad. Der gefährlichste Moment war wohl der, als Herr Rose sich gewagt in den Schritt griff, was einigermaßen tollpatschig aussah. Axl Rose wirkte überhaupt eher wie eine Rock-’n’-Roll-Version von Liberace bei einem Las-Vegas-Auftritt, speziell, als er bei „November Rain“ am Klavier saß und wohlmeinend wie professionell mit dicken Klunkern an den Fingern ins Publikum lächelte. 1992 standen noch eine Menge Bierdosen auf dem Klavier, 2017 ein paar Plastikbecher, in denen vermutlich nur Mineralwasser war.

Verneigung vor Chris Cornell

Highlights waren sicher auch die instrumentale Coverversion von Pink Floyds „Wish You Were Here“ sowie die Verneigung vor dem kürzlich verstorbenen Chris Cornell mit Soundgardens „Black Hole Sun“. Soundgarden waren übrigens neben Faith No More Supportband von Guns N’ Roses auf ihrer 1992er Tour.

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Niedergedudelt und vernuschelt: Guns N’ Roses und die Nostalgiefalle (ORF.at)

Auch wenn Guns N’ Roses nicht mehr so die wilden Buben von damals sind, was in ihrem Alter vielleicht auch etwas peinlich wirken würde, sie lieferten ein solides Konzert und waren mit fast drei Stunden Spielzeit auch nicht geizig. Ein wenig schmutziger, verschwitzter und unberechenbarer hätte es aber ruhig sein dürfen. Der katastrophale Auftritt vom Nova Rock 2006 ist jedenfalls vergessen. Perfekt war es nicht, aber man ist froh, dabei gewesen zu sein.

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