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Mountainbike im Wald

APA/dpa-Zentralbild/Arno Burgi

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Auf verbotenen Trails

Wer in Österreich im Wald mit dem Rad fährt, muss nicht nur auf Wanderer und Tiere achten, sondern auch auf die Wege, denn die meisten sind für Mountainbikes gesperrt.

Von Ali Cem Deniz und Rainer Springenschmid

Ein Mountainbike ist für Berge und Wälder gedacht. In Österreich gibt es ziemlich viele davon. Mountainbiken sollte hierzulande nicht allzu kompliziert sein. Wer das denkt, irrt sich. Obwohl die Sportart immer beliebter wird und mittlerweile 800.000 Menschen regelmäßig mit ihren Rädern in den Wald fahren, ist das Mountainbiken auf den meisten Waldstraßen verboten. Konkret geht es um die Forst- und Wanderwege. Das 1975 eingeführte Betretungsrecht erlaubt Wanderern die Nutzung der Wege. An die Mountainbikes wurde damals nicht gedacht, denn da war diese Sportart in Österreich noch kaum präsent.

Das West-Ost-Gefälle

Im touristischen Westen wird heute ein Auge zugedrückt. In Tirol hat sich das „Tiroler Mountainbikemodell“ durchgesetzt. WaldbesitzerInnen haben sich dort mit Gemeinden und Tourismusverbänden auf die Freigabe ihrer Fortstraßen geeinigt. Dafür erhalten sie Förderungen vom Land. In Salzburg wird gerade an einem ähnlichen Modell gearbeitet. Im Osten hingegen ist man von einem Dialog weit entfernt.

Die Naturfreunde und der Alpenverein wollen die Fortstraßen öffnen. Der Verein Upmove geht einen Schritt weiter und fordert die generelle Öffnung der Wälder. Es gibt aber auch zahlreiche GegnerInnen.

Wiener Wald: Baumstämme liegen quer über einem Weg

Michael Fiedler

Auf dieser (verbotenen) Route gibt es nicht nur rechtliche Hindernisse.

Die Argumente dagegen

Dr. Gerhard Heilingbrunner vom Kuratorium Wald stören Mountainbiker sehr. Als Fußgänger, wie er sagt, und egal ob sie auf genehmigten Trails oder illegal im Wald unterwegs sind. Er habe, erzählt er, schon mehrere unangenehme Begegnungen mit Mountainbikern gehabt, Beinahekollisionen zum Beispiel, und er spürt von den Mountainbikern wenig Rücksichtnahme auf Schwächere, also vor allem Fußgänger, die oft auch schon älter seien. Besonders auf Single Trails, also Wanderwegen, sei es ein Problem, wenn ein Mountainbiker mit hoher Geschwindigkeit daherkomme. Seine Lösung, die er übrigens auch für den Straßenverkehr empfiehlt: Kennzeichen- und Versicherungspflicht für Radfahrer.

Wiener Wald und Mountain Bike

Michael Fiedler

Ab hier geht’s zu Fuß weiter.

Auch aus Naturschutzgründen spricht Heilingbrunner sich vehement gegen eine allgemeine Freigabe von Forststraßen und Wanderwegen aus. In die gleiche Kerbe schlägt Martin Höbarth, Geschäftsführer des Österreichischen Forstvereins, der bei der Landwirtschaftskammer angesiedelt ist. Höbarth sagt, das Wild werde durch einzelne Biker im Wald aufgescheucht, was sich zum Beispiel auf Brut- und Aufzuchtverhalten massiv auswirke. Würden Mountainbiker hingegen auf wenige Strecken kanalisiert, gewöhne sich das Wild an den Verkehr dort und passe sein Verhalten entsprechend an.

Auch die Haftungsfrage sei ungeklärt: Wenn einem Mountainbiker ein Ast auf den Kopf fällt, dann wäre nach der derzeitigen Regelung der oder die GrundbesitzerIn haftbar. Dies gesetzlich zu ändern, sei kaum durchführbar, meint Höbarth, das würde das Schadenersatzwesen in Österreich komplett auf den Kopf stellen. In Tirol übernehmen private Vereine mit Hilfe der Fremdenverkehrsverbände die Haftung von den GrundbesitzerInnen und decken diese mit Versicherungen ab. Auch das sei bei einer generellen Öffnung aber kaum machbar.

Der Forstverein und das Kuratorium Wald tragen gemeinsam die Aktion „Sicherheit im Wald für alle“. Der große Gegenspieler von Upmove sammelt Unterschriften gegen eine „generelle Öffnung des Waldes für Mountainbiker“. Dabei wird der Bereich der „Forststraßen“ auf „Waldwege" erweitert, mit der Argumentation, Mountainbiker würden, wenn man sie auf Forststraßen legal fahren ließe, automatisch auch die Wanderwege unsicher machen.

Mit Heilingbrunner und Höbarth lässt sich reden. Aber wie emotionalisiert die Debatte um Mountainbiker ist, und dass der Hass auf Radfahrer auch lebensgefährliche Ausmaße annehmen kann, zeigen immer wieder auftauchende Berichte über Nagelbretter und andere Fallen, mit denen auch legale Trails bestückt werden.

Neue Ideen

Obwohl beide Seiten mit Aktionen auf sich aufmerksam machen, dürfte sich an der gesetzlichen Situation nicht so bald etwas ändern. Doch es gibt nicht nur Frustration und Konflikte in den Wäldern, sondern auch neue Ideen. In Wien hat vor kurzem auf der ehemaligen Skipiste Hohe Wand Wiese ein neues Mountainbike-Zentrum aufgemacht. Mit-Initiator Alexander Arpaci vom Verein Wienerwald Trails hofft, dass sich das Konzept durchsetzt, und glaubt, dass WaldbesitzerInnen, UmweltschützerInnen und MountainbikerInnen einen Konsens finden können – ohne neue Gesetze.

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In den Nachbarländern nutzen Mountainbiker, Förster und WanderInnen den Wald gemeinsam. Wieso klappt es in Österreich nicht? Und wem gehört der Wald überhaupt? FM4 Auf Laut diskutiert darüber mit Alexander Arpaci und Saul Ferguson von den Wienerwald Trails und HörerInnen. Diesen Dienstag ab 21 Uhr auf Radio FM4. Anrufen und mitdiskutieren kannst du unter 0800 226 996.

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