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Die Figuren von Rakuen

Laura Shigihara

Zelda meets Studio Ghibli im Adventure „Rakuen“

Die Geschehnisse in einem Krankenhaus sind eng verknüpft mit einer märchenhaften Parallelwelt und ein kleiner Junge wechselt zwischen beiden

Von Conny Lee

Einfach nur „Boy“ heißt die Hauptfigur, die wir in Rakuen spielen: ein kleiner Junge, der einen Origami-Papierhut trägt. Er liegt im Krankenhaus. Warum ist nicht klar, aber er ist dort anscheinend schon ein Weilchen und wird auch in absehbarer Zeit nicht rauskommen. Er ist aber so weit fit, dass er herumlaufen und das Krankenhaus erforschen kann, das jede Menge geheime Gänge und verschlossene Räume bietet, die es zu finden und zu knacken gilt.

Außerdem besuchen wir die Patienten in den anderen Zimmern und lernen ihre Geschichten und Marotten kennen. Da ist zum Beispiel das kleine Mädchen, das seine Freundin vermisst und der ein paar Murmeln aus ihrer Sammlung verloren gegangen sind (wobei sie sich für jede einzelne Murmel eine ganze Welt erdacht hat, die darin steckt). Wir treffen den Ehemann, der seit 3 Monaten bei seiner komatösen Frau ausharrt oder den Patienten Kisaburo, den alle für geistig verwirrt halten und der sich bei jeder Gelegenheit in den Garten schleicht, um mit Löffeln aus der Cafeteria nach einem Schatz zu graben.

screenshot Rakuen

Laura Shigihara

Die Mutter des Jungen kommt ihn besuchen und übergibt ihm einen Schlüssel der sich seit Generationen im Familienbesitz befindet und der irgendetwas mit einem alten Buch über eine andere Welt namens „Rakuen“ zu tun hat. Der Junge findet den Zugang zu dieser Welt die bevölkert wird von katzenartigen Wesen und sprechenden Pflanzen, und dem Geist des Waldes: Morizora. Dieser schläft seit langer Zeit und wenn der Junge es schafft, ihn zu wecken, hat er einen Wunsch frei. Dafür muss er den Wesen in dieser wundersamen Welt helfen, und recht schnell wird klar, dass diese Welt mit der Realität im Krankenhaus verknüpft ist.

screenshot aus Rakuen

Laura Shigihara

Optisch erinnert Rakuen stark an Zelda auf dem Super Nintendo, wobei die Stimmungen in der 16bit Ästhetik stark zwischen der bunten Märchenwelt und dem sterilen Krankenhaus variieren.

Ähnlich wie in Zelda sind auch einige Gebiete in Rakuen Dungeons die man erforschen kann, und nur selten gibt es dazu eine Karte zur Orientierung.

Die Sprache wird - nicht ausschließlich aber über die meisten Teile - als Text vermittelt. Die Geschichte und viele Figuren in Rakuen erinnern stark an Filme von Studio Ghibli, wie Chihiros Reise ins Zauberland oder Prinzessin Mononoke. Zum Beispiel werden wir in Rakuen bedroht von den Envoy - das sind Geister, die von negativen Gefühlen verdorben worden sind. Und die ähneln sehr den Waldgeistern in Prinzessin Mononoke.

Auch sonst fühlt sich das Spiel sehr nach einem Ghibli Film an, nicht nur wegen der fantastischen Wesen denen wir begegnen, sondern auch aufgrund der Ambivalenz von Gut und Böse. Keine Figur ist nur böse, auch nicht die korrumpierten Envoy, denen wir besser aus dem Weg gehen.

screenshot Rakuen

Laura Shigihara

Die „Envoy“ Geister in Rakuen

screenshot Prinzessin Mononoke

Studio Ghibli

im Vergleich - die Waldgeister in Prinzessin Mononoke

Es wird nicht gekämpft in Rakuen und es gibt auch keine Jump’n’Run Elemente. Rakuen ist ein reines, klassisches Adventure, dessen Rätsel sehr abwechslungsreich sind: manchmal müssen wir den Weg in einen oder aus einem Raum finden, dann zum Beispiel etwas im Krankenhaus verändern, was sich dann auf die andere Welt auswirkt.

Wir spielen auch nicht durchgehend den kleinen Jungen, sondern werden über Teile des Spiels auch in andere Figuren versetzt und lernen deren Geschichten kennen. Dabei werden auch ernste und berührende Themen behandelt (wie die verbotene Liebe zwischen einem Koreaner und einer Japanerin). Was auch erwähnenswert ist, ist dass der kleine Junge die fremde Welt nicht alleine erforscht, sondern gemeinsam mit seiner Mutter. Das ist eine ungewöhnliche und daher spannende Abwechslung zu anderen kindlichen Hauptfiguren, die immer furchtlos ihre Abenteuer ganz alleine bestreiten.

An manche Orte im Spiel müssen wir später zurückkehren, weil wir das richtige Werkzeug noch nicht haben. Unsere Figur entwickelt sich, wir sammeln Hilfsmittel und Zutaten. Aber es ist keine Loot-Orgie wie in vielen anderen Games, wo man irgendwann keine zwei Schritte mehr machen kann ohne Pilze, Kräuter, Edelmetall und eine Million anderer Rohstoffe einsammeln zu müssen. Das Looting in Rakuen ist ein sehr unaufdringlicher Prozess.

screenshot Rakuen

Laura Shigihara

Um den Geist des Waldes zu wecken, muss der Junge ein Lied lernen, und jedesmal, wenn er jemandem hilft, lernt er ein Stück dieses Liedes. Dass Musik eine so wesentliche Rolle spielt, macht vor allem vor dem Hintergrund Sinn, dass die Macherin des Spiels, Laura Shigihara, sich bisher vor allem als Komponistin von Computerspielmusik gemacht hat - für Games wie World of Warcraft und für Minecraft zum Beispiel.

Rakuen ist wirklich ein außergewöhnliches Spiel. Eine einnehmende und berührende Geschichte verpackt in spannendem Gameplay, ein oldschool- Spielerlebnis für alle, die Studio-Ghibli Filme und die alten Zelda Spiele (ohne den Kämpfen) mögen.

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