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Out Of The Woods Festival 2017

ACODA (Wenzl/Pichler)

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Oh, coming out of the woodwork

Zumindest klang es so, als hätten alt-J mit ihrem „The Gospel Of John Hurt“ einen Song extra nur fürs Out Of The Woods Festival in Wiesen geschrieben. Es ist aber auch jede Ode wert. Der Eröffnungsabend.

Von Lisa Schneider

Fährt man hinein durchs burgenländische Wiesen und dann von dort aus Richtung Festivalgelände, gibt’s ein besonders Schmankerl, das sofort ins Auge sticht. Die nur untenrum bekleideten, stolz ihren Bauch hervorstreckenden Marille- und Erdbeerverkäufer, manche noch mit einem „Mama“-Tattoo am rechten Oberarm, andere einfach nur naturbelassen, sonnengegerbt.

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Wiesen ist nämlich nicht nur ein herrlicher Ort, Konzerte auszutragen, sondern auch Erdbeeranbau-Hotspot. Die Erdbeeren findet man dann auch am Festival in diversen Getränken oder natürlich in köstlicher Eis-Form wieder. Und das war mehr als notwendig, an diesem gestrigen stickig-schwülen Eröffnungsnachmittag des Out Of The Woods Festivals, der nach ein paar Tropfen schon wieder aufgehört hat, die Hitze von oben zu bekämpfen. Gut für die Camper. Und gut für die Gastronomie, immerhin.

Hauptbühne beleuchtet Out Of The Woods Festival

ACODA (Wenzl/Pichler)

Kick off, rau und mit Glamour

Fil Bo Riva, die erste Band des Festivals und des Abends, lockt um sechs Uhr erstaunlich viele BesucherInnen weg vom Zeltaufbau und traditionellerweise in die Wiese, die der Bühne mit einer leichten Anhebung gegenübersteht. Es ist so weit, endlich geht dieses langersehnte Festival los, es ist sicher eines der am besten kuratierten des heurigen Sommers.

Fil Bo Riva

ACODA (Wenzl/Pichler)

Gestern, donnerstags, wird zuerst nur eine Bühne eröffnet, nach besagter Reibeisenstimme und gecovertem „Folsom Prison Blues“ von Fil Bo Riva folgt Glitter, Glamour und Scheißdrauf-Attitude: bei Drangsal, dieser Band voll von schönen, jungen Männern, alle schmächtig, mit entweder viel Gel in den Haaren oder zur lockigen Pracht herangezogen, will’s mit der Technik nicht ganz klappen.

Wie schade das ist, wenn der Auftritt so beginnen muss, da hilft auch kein grantiges „Fuuuuuuck“ vom schön silbrig geschminkten Frontmann Max Gruber. Aber, es macht ja nichts. Nämlich tatsächlich nicht: Drangsal zu hören, zu spüren, das kommt einer sektenhaften Erfahrung gleich, einer religiösen Droge, einer Neuoffenbarung. Er, das selbsternannte „noch schlimmere Arschloch, als ihn die INTRO betitelt“, ein bisschen was von Falco hat er, ein bisschen was von Ian Curtis. Hoffentlich erscheint wirklich bald das Nachfolgealbum zu „Harieschaim“, es wird gut werden.

Drangsal

ACODA (Wenzl/Pichler)

Biologische Weisheiten am Festival

Erdbeeren finden Milky Chance deshalb gut, weil es sich dabei – und das beteuert das Folktronica-Duo aus Kassel – nicht um Obst, sondern um Nüsse handelt. Hm, ja, lassen wir das mal dahingestellt, nachdem sich Clemens Rehbein und Philipp Dausch jedenfalls ein paar rote Nüsse genehmigt haben, haben sie uns kurz vor ihrem eigentlichen Auftritt ein kleines Akustik-Ständchen gespielt. Spannend war das deshalb, weil wir da erleben durften, wie die live groß aufgezogenen Songs in nur zweifacher Gitarrenbegleitung klingen.

Milky Chance

ACODA (Wenzl/Pichler)

Zurück aber jetzt zur Hauptbühne: Finster ist es, endlich, aber in Wiesen ist dank der überdachten Großbühne immer die Möglichkeit da, mit der Beleuchtung zu spielen. Die Band ist groß, die Trommeln werden mit der Hand und ohne Sticks bearbeitet, der Bass kommt frecherweise „nur“ aus der Dose. Sprechchöre zum Überhit „Stolen Dance“, eine kleine Reise in die Vergangenheit mit „Mercedes Benz“, sogar im Duett mit einer Gastsängerin. Der Abend schmeckt, die Erdbeeren sowieso und das Bier natürlich auch.

alt-J als Höhepunkt des Abends

Die Vorfreude steigt, die größte Band des Abends bereitet sich gerade vor. Ob alt-J noch schnell ein paar Erdbeeren jausnen?

Eher weniger, erzählen Joe Newman und Gus Unger-Hamilton. Aber obwohl sie nicht die größten Obst-Fanatiker sind, die Erdbeeren aus Wiesen, wenn schon so unübersehbar beliebt, würden sie schon mal probieren. Und dann stellen wir uns vor, sie bekommen sie von einem der urtypischen Verkäufer überreicht. Wunderschön.

alt-J

ACODA (Wenzl/Pichler)

Die Technik auf der Bühne vor dem Set von alt-J so schnell umzubauen, ist ein Meisterwerk an sich: Seit dem Start der „Relaxer“-Tour schmiegt sich das Trio aus Leeds gern ans Licht, an blitzende LED-Stangen, die die Bühne in drei Teile teilen. Es sieht be- und verzaubernd aus, die Nacht ist schon schwarz, nur alt-J beleuchten ihre Songs passend zu Takt- und Herzschlag. Die Setlist ist eine Hitlist, die neuen Singles „3WW“, „Deadcrush“ und „In Cold Blood“ passen natürlich wie ausgesucht zu Klassikern wie „Something Good“ oder „Matilda“. Eine Band, die nach nur drei Alben bei jedem live angespielten Song entweder Gekreische, Geknutsche oder Gehüpfe auslöst, ein wildes Wirrwarr an Gefühlen, das hinauswill, manchmal unerklärlichen Ursprungs, und manchmal glasklar. Und wohin passt diese Ekstase besser als an einen lauen Sommerabend, einen Sehnsuchtsort, wir wollen noch nicht nach Hause, auf keinen Fall.

Und das muss auch niemand: das Out Of The Woods Festival in Wiesen geht heute in die zweite Runde, es stehen etwa die Foals oder Phoenix auf dem Plan.

Bevor es losgeht, hole ich mir jetzt noch schnell ein Erdbeereis.

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