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Sophie Marceau in "La Boum"

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Filmflimmern

Neu im Kino: Dalida, Der Dunkle Turm, Heartbeats und Der Stern von Indien. Außerdem: Jim Carrey ist jetzt Maler, „Knight Rider“ kehrt zurück und unbedingt „La Boum“ nicht im Kino versäumen.

Von Pia Reiser

Dalida

Mit einer wunderbaren Szene in Slow Motion, unterlegt mit „Bang Bang“ gesungen von Dalida hievte Xavier Dolan mit seinem Film „Les Amours Imaginaires“ die legendäre Sängerin zumindest kurzfristig ins kollektive Hipster-Gedächtnis. Nun gibt es ein Biopic über Dalida, die Sängerin mit dem herrlich rollenden „R“ und dem dicken Lidstrich, die in ihrer dreißig Jahre langen Karriere riesige Hallen füllte und millionenfach Platten verkaufte. Selbst bei fröhlichen Liedern schwang bei Dalida immer eine gewisse Schwere mit. Sie singt auf Italienisch, Französisch, Deutsch und Arabisch. Später wird man ihre Lieder auf Compilations mit dem dämlichen Label „Easy Listening“ finden, doch in den Sechziger und Siebziger Jahren ist das, was Dalida macht, ein wunderbares Konglomerat aus Chanson, Schlager, Pop, das manchmal am Ye-Ye kratzt - und später an Eurodisco. Regie führt bei „Dalida“ Lisa Azuelos, die Tochter von Marie Laforet, einer französischen Sängerin und Schauspielerin, für die auch Macho Serge Gainsbourg mal den Background-Kasperl gemacht hat. Leider wird der Film der Sängerin nicht gerecht, Petra Erdmann vergibt 4 von 10 verschenkten Vergangenheiten. Dann doch lieber die Dalida-Youtube-Disco anwerfen und zu „Bambino“ oder „Paroles Paroles“ im Wohnzimmer vor sich hin schmelzen.

Sveva Alviti als Dalida im gleichnamigen Film

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The Dark Tower

Auch wenn man von Stephen King nur „Der Anschlag“ gelesen hat und jede Gelegenheit nützt, das Buch zu empfehlen (an dieser Stelle zum Beispiel), kennt man zumindest dem Namen nach das Opus Magnum des Autors - und kennt das Leuchten in den Augen der Leute, die „The Dark Tower“ in all seiner Mehrbändigkeit gelesen haben. Als bekannt wurde, dass Kings Genre-Melange verfilmt werden soll, ist den meisten King-Auskennern eh schon schlecht geworden, und so wie es aussieht, kann man im Fall von der Verfilmung von „The Dark Tower“ das Patina-Bonmot „Das Buch ist besser“ auspacken. Christian Fuchs verleiht 2 von 10 magischen Revolverkugeln.

The Dark Tower

SONY

Heartbeats

Das von mir so geliebte Genre „Tanzfilm“ bekommt mit „Heartbeats“ eine weitere Watschn und die Verunglimpfer des Tanzfilms ein weiteres Argument für ihre Tirade gegen dieses Genre. Eine amerikanische HipHop-Tänzerin verliebt sich in Mumbai in einen Tänzer und findet Gefallen an traditionellem indischen Tanz. Oft sind bei Tanzfilmen die Szenen, in denen dann tatsächlich getanzt wird so fantastisch, dass man über die greislichen Dialoge und den Plot aus der Blaupause hinwegsehen kann, aber bei „Heartbeats“ sind auch die Tanzszenen bloß medioker. Ich konnte grad mal 2 von 10 Pirouetten für „Heartbeats“ zusammenkratzen. Wer diese Woche also einen neuen Film im Kino sehen will, der muss zu „Der Stern von Indien“, hier gibts mehr zum Historiendrama über die Teilung von Indien von Maria Motter, die auch Hauptdarstellerin Gillian Anderson zum Interview getroffen hat.
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Außerdem

Wer „La Boum“, den essentiellen Film über die Flausen der Pubertät - und die der Achtziger Jahre noch nicht gesehen hat, kann das am 10. August im Filmcasino in Wien nachholen. Ein Film, der Walkman, Schleichertanzen und Sweater-um-die-Schulter-Binden ein Denkmal gesetzt - und Sophie Marceau zur Achtziger Jahre-Personifikation von Teenager-Herzschmerz und dezenter Rebellion gemacht. Die Generation X bekommt beim Titelsong „Dreams are my reality“ immer noch weiche Knie.

Wachsweich auch meine Knie vor Vorfreude auf ein Lucille Ball-Biopic mit Cate Blanchett in der Hauptrolle, das Drehbuch kommt von Aaron Sorkin, dem Mann mit den Dialogen in Nurmi-Geschwindigkeit. „Mad Men“-Schöpfer Matthew Weiner ist beim Einsammeln von Schauspielern für seine neue Serie „The Romanoffs“, mit dabei sind Isabelle Huppert, Aaron Eckhardt und Amande Peet. Die Coen Brothers drehen für Netflix eine Western-Serie namens „The Ballad of Buster Scruggs“. Die Reboots der Serien „Roseanne“ und „The L-Word“ machen das, was „Dallas“ schon mit dem berühmten „Bobby tritt aus der Dusche“-Moment gemacht hat: Einfach ignorieren, was in der vorherigen Staffel passiert ist. Im Falle von Dallas hat man eine ganze Staffel einfach zu einem Traum erklärt. Und weil wir von weichen Knie der Generation X gesprochen haben: Ein „Knight Rider“ Reboot soll auch geplant sein. Damit eine neue Generation an Kindern famose Sätze wie „Schnapp dir den Clown“ und „Schalt auf Überwachung, Kumpel“ in nicht vorhandene Uhren murmeln kann. Und macht auch noch jemand Filme? Glücklicherweise ja. Für Xavier Dolans „The Life and Death of John F. Donovan“ gibts ein wunderschönes Poster. Jim Carrey ist jetzt bildender Künstler.

Dank der Sendung „Finding your roots“ weiß jetzt Larry David, was wir eh alle schon wussten, nämlich, dass er mit Bernie Sanders verwandt ist. Am 1. Oktober startet gibt es dann endlich wieder mehr Larry Davidsche Misanthropie in der neunten Staffel von „Curb your enthusiasm“.

Sommerkino-Tipps

10. August: Foolish Wives, Kino wie noch nie, Wien
10. August: Leon - Der Profi, Kino am Dach, Wien
10. August: La Boum, Filmcasino, Wien
12. August; Manchester by the Sea, Mondscheinkino Eggenburg
12. August: Die Liebhaberin, Korneuburg
12. August: Der glücklichste Tag im Leben des Olli Mäki, Drosendorf
13. August: Alexis Sorbas, Cinema Paradiso, St. Pölten

In diesem Sinne: „You know who wears sunglasses inside? Blind people and assholes.“ (Curb your enthusiasm)

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