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Skateboarden in Afghanistan

Skateistan

Kicks & Flips

Die besten Skate-Dokus auf einen Blick

Mit dem Skateboard über die Chinesische Mauer und nach Skateistan.

Von Maria Motter

FM4 Draußen ist in der Sommerserie „Kicks & Flips“ auf dem Skateboard unterwegs. Diesmal aber chillen wir zuhause: Die besten Dokumentarfilme rund ums Skateboarden führen ans Schwarze Meer und nach Kalifornien, aber definitiv nicht zurück in die DDR.

„When the Earth Seems to Be Light“

Es geht um den Moment mit dem Astronautengefühl. Um die Hundertstelsekunden, in denen die Schwerkraft aufgehoben ist, der Körper in der Luft und die Füße den Kontakt zum Skateboard verlieren. „When the Earth Seems to Be Light“ ist die schönste Doku übers Skateboarden. Die schönste, ganz im klassisch ästhetischen Sinn. Der Filmemacher David Meshki vom Goslab Collective setzt auf atmosphärische Beobachtungen und als ZuschauerIn driftet man in einen Alltag Fremder, kommt einfach mit mit den ProtagonistInnen: eine Gruppe männlicher Jugendlicher ist in Tiflis unterwegs.

Ohne sich groß darüber klar zu werden, leben diese jugendlichen Skater Widerstand zu Orthodoxie und Regierung. Neben einer Ikone hängt eine „Fuck“-Stencil-Schablone in einem Zimmer voller gemalter Bilder und Grafiken. Die Haare tragen die meisten Burschen lang wie Mädchen, in den montierten Zwischensequenzen aus Fernsehbildern wollen orthodoxe Priester die erste Gay Parade in Georgien wortwörtlich niederschlagen.

Mit den Jugendlichen tritt man in ein Zeit- und Raum-Refugium, das sich eigenwillig aus der Gegenwart des Landes enthebt und doch mitten im Hier und Jetzt stattfindet. „I love being in this day so much, this surrounding. I want nothing more.“ Mit den Skateboards geht es durch Unterführungen, in verlassene Prunkbauten – ein High-Five bei einem Sprung mit der Steinfigur eines Reliefs –, des Nachts in den Vergnügungspark und am Tag in den Botanischen Garten in Batumi. Man sieht das und will dahin.

Ab und an stellt die Filmemacherin Salome Machaidze in „When the earth seems to be light“ Fragen. Hast du eine Leidenschaft? Was ist Liebe für dich? Oft reicht der Gesichtsausdruck als Antwort. Für manche Außenstehende wären die Porträtierten Angehörige einer „Lost Generation“ in der Postsowjetunion. Allein ihre Schönheit, das Leben zu leben, und ihre Innenwelt halten komplett dagegen. „Do you expect miracles to happen like in the movies?“ – „Anything is possible. I hope it happens because that’s what I’m waiting for. I wish it would happen. It’s one of my dreams to witness something that surprises everyone but me.“

Skateboarderin sitzt auf Felsen

Goslab Collective

„Waiting for Lightning“

Sich Freiheit zu nehmen, davon erzählt „Waiting for Lightning“. Danny Way wollte mit seinem Skateboard über die Chinesische Mauer springen. Und das hat das Kind kalifornischer Hippie-Eltern, der seine Mama bereits in seinem ersten Lebensjahr mit seiner Lebendigkeit an den Rande der Verzweiflung brachte und dem sein Stiefvater sein erstes Skateboard getischlert hat, auch gemacht.

Im Juli 2005 springt Danny Way über die Chinesische Mauer, nachdem der erste Versuch am Vortag scheitert. DC Shoes ist einer der Sponsoren und die Firma hat auch die Doku co-finanziert. „Waiting for Lightning“ ist großes Kino.

„Waiting for Lightning“ ist Sportlerporträt, Familiendrama und eine Reise nach China. „Du hast Aufschürfungen vom Hinfallen am Gehsteig, aber du kannst auch Verletzungen in deinem Kopf haben, die du nie loswirst. Manchmal ist es gut, darüber zu sprechen, aber manchmal ist das auch zu schmerzhaft. Also, was machen wir? Wir suchen uns etwas, das uns freut. Das kann gefährlich sein, aber das ist es wert“, sagt die Promoterin Gale Webb.

Sie hat den jugendlichen Danny Way unter ihre Fittiche genommen. Berührend die Frage nach Vaterfiguren und lustig allein schon, wie wie ein chinesischer TV-Moderator das Vorhaben erklärt und dann die Bilder vom Aufbau der Rampe! „To do that, it takes such a great dream and a dreamer. It’s the greatest expression of freedom in a land that is so controlled that makes you realise: Anything is possible.“

“Dogtown & Z-Boys: Skateboard-Geschichte

„Es war, als ob ich zwanzig Jahre Sommerferien gehabt hätte“. Das sagte Jay Adams – einer der Skater, die heute als legendär gelten. Und um diese Skateboard-Pioniere geht es in der Doku „Dogtown & Z-Boys“. Über die Qualität der Filmaufnahmen muss man hinwegsehen. In Los Angeles, Mitte der Siebziger Jahre und am Ende der Route 66 tut sich eine Gruppe Surfer zusammen. Die Gegend war verschrien und die jungen Leute sind aus zerrütteten Familien gekommen. Vom Zephyr-Team hat der Fotojournalist Craig Stecyk so tolle Porträtfotos gemacht wie die Fotografin Jessica Fulford-Dobson von afghanischen Skaterinnen. Doch mehr zu Kabul später.

„Dogtown & Z-Boys“ erzählt rasant davon, wie Skateboarding zum Lebensinhalt wurde. Und wie man sich ein Skateboard damals einfach selber gebaut hat, ein Brett aus dem Baumarkt, dazu Rollen, die für Rollschuhe gedacht waren. Die vielen, für das Produktionsjahr 2001 erstaunlich sehr schnell geschnittenen Archivaufnahmen überraschen: Mit Skateboards waren Kids schon in den 1950er Jahren unterwegs! Kann das sein?

Definitiv glaubwürdiger als alles, was der Film „This Ain’t California“ zu bieten hat. Hier finden sich angebliche Skateboarder-Veteranen im Sitzkreis vor einem heruntergekommenen Gebäude im Berliner Umland wieder und erzählen einander vom Skaten in der DDR. „This Ain’t California“ ist als Dokumentarfilm auf großen Festivals gelaufen und wurde als solcher sogar ausgezeichnet.

Dabei spielt der deutsche Skater und Schauspieler Kai Hillebrand die Hauptrolle. Er wird nicht mal im Abspann genannt und für sein Schauspiel hat er nur 1600 Euro bekommen. Selbst als Kritik schließlich laut wurde, äußerte sich der Regisseur Marten Persiel, der ansonsten vor allem Werbefilme dreht, kryptisch. Alles fake bis auf die Archivbilder aus DDR-Zeiten, die allerdings nichts mit Skateboarden zu tun haben.

Warum die Doku dennoch gern in Listen zu den besten Skateboard-Dokus auf den ersten Plätzen gehandelt wird, ist schwer nachzuvollziehen. Zumal es nur ganz wenige Skate-Szenen im Film gibt, auf die man lange warten muss. Einzig amüsant: Die präsentierte „Fahrradschlauchtechnik“ für Sprünge. Einen Fahrradschlauch um das Brett geschlungen und in Händen gehalten. „Erstaunlich, dass sich diese elegante Methode nie durchgesetzt hat“, kommentiert einer der Schauspieler. Oh Wunder.

“The man who sold the world“: Als Skateboarden ein Business wird

Schnell Flip zurück zu tatsächlich Sehenswertem, zurück nach Kalifornien. In Mike Hills Doku „The man who sold the world“ sieht man, wie Archivaufnahmen aus den 80er Jahren tatsächlich ausschauen und das ist super! Wir hören von Skateboards, die wie Zahnstocher zerbrachen, und wenige Minuten später dreht ein Bursch ein in der Mitte angeknackstes Skateboard um und versucht, es wieder zurechtzubiegen.

Im Mittelpunkt steht ein gewisser Steve Rocco. Er scharrte eine Reihe Skateboarder um sich, setzte auf Street Skateboarding und gründete mit dem Skater-Buddy Rodney Mullen ein Label, das er 1998 um kolportierte 20 Millionen US-Dollar verkauft hat. Die Firma World Industries war das erste an einer Börse notierte Skateboard-Unternehmen. “Think fast, skate fast, and don’t look back.“

In der Doku kommt die Sprache auch auf einen, der heute für Arcade Fire Skater in der Vorstadt dreht: Spike Jonze filmte die Skateboarder Ende der 1980er Jahre, „Rubbish Heap“ ist einer seiner ersten Skate-Filme und er fokussiert auf das Wesentliche: Minutenlanges Skateboarding! YouTube sei Dank findet sich das Dokument auf einen Klick.

Abgefahren: Überraschende Kurzdokus

Auf YouTube findet sich auch eine der besten Kurzdokus: Ein junger Mann will wie der Schauspieler Ben Stiller im Spielfilm „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ auf Island mit dem Longboard downhill fahren. Der Reality-Check ist in kompakten vier Minuten dokumentiert.

Was den exotischsten Schauplatz betrifft, so hätte die junge Filmemacherin und Produzentin Ashley Seering einen Award für ihren Kurzfilm „Sanctuary“ verdient: In der neugotischen, verlassenen Kirche St. Liborius in St. Louis, Missouri, haben sich Skateboarder einen Indoor-Park gebaut.

The one and only: „Skateistan“!

Und die beste Skate-Doku? Heißt „Skateistan – Four wheels and a board in Kabul“ und das liegt in Afghanistan. In Kabul haben die Australier Oliver Percovich und Sharna Nolan 2009 den ersten Indoor-Skatepark für 360 Kinder zwischen 5 und 15 Jahren eröffnet, an den Räumlichkeiten angeschlossen sind, die als Schule dienen. Dort kommen Mädchen und Buben unterschiedlicher ethnischer Herkunft zusammen.

„Wir mussten den Buben beibringen, dass sie die Mädchen nicht von den Boards schubsen können, sondern dass den Mädchen der Raum genauso zusteht wie ihnen“, sagt Sharna Nolan, die inzwischen ein Skateboarding-Projekt mit Aborigines ins Leben gerufen hat.

Skateboarden in Afghanistan

Skateistan

Der Regisseur der Doku „Skateistan“ ist Kai Sehr. Er dreht inzwischen Werbespots, die mit Begeisterung auf Social Media Walls geteilt werden. Mitreißend zeigt „Skateistan“ das Bemühen, inmitten eines Kriegs Kindheit zu ermöglichen. Und die Tricks, die die Skateboard fahrenden Mädchen drauf haben, sind nicht nur niedlich! Mit dem Kauf der DVD unterstützt man das Projekt: Skateistan liegt mittlerweile in Mazar-e-Sharif (Afghanistan), Phnom Penh und Sihanoukville (Kambodscha) und im Central Business Distric in Johannesburg, Südafrika.

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