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Geschnittene Gurke

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Mit Gurke die Hitze bekämpfen

Der österreichischen Küche fehlen Gerichte für dieses Wetter. Der bulgarische Tarator ist eine Art des Überlebens in der Hitze.

von Todor Ovtcharov

Seit Anfang meiner Wien-Zeitrechung hat es keinen so heißen Sommer wie diesen gegeben. Die Bio-Wiener mögen sich an feurigere Sommer erinnern, aber ich als Zugereister kann ich nur sagen, dass mir noch nie heißer war.
Die lange Hitze brachte mich darauf, was der österreichischen Küche fehlt: gute Sommergerichte. Ja es gibt natürlich Eis und kaltes Bier, aber ein echtes Sommergericht wie die spanische Gazpacho gibt es nicht.

Ich sehe, dass manche Lokale eine „kalte Gurkensuppe“ anbieten. Das ist nichts mehr als eine blasse Kopie des bulgarischen Tarators. Um euch von der Hitze zu retten, erzähle ich euch wie man echtes Tarator macht. Er ist ähnlich der griechischen Tsatsiki, aber nicht ganz.

Zuerst nemmt ihr eine Gurke. In der Taratortheorie gibt es zwei Strömungen: die Vertreter der ersten Strömung schälen die Gurke, die anderen nicht. Ihr könnt selbst entscheiden welche Linie ihr befolgt.
Dann schneidet man sie mit einem Messer oder mit einem Kartoffelschäler in kleine Stücken. Es gibt auch eine dritte Variante – mit einem Reibeisen, aber ich rate euch nicht dazu. Ich kann geriebene Gurken im Tarator nicht ausstehen.

Danach kommt eine kleingehackte Knoblauchzehe. Das macht den Tarator zu einem besonders romantischen Gericht, das man gerne zu zweit isst. Da macht es nichts, wenn beide nach Knoblauch riechen.

Knoblauch

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Klein geschnittene Dille. Salz. Danach kommt ein bisschen Olivenöl. Der Moment des Ölens ist wichtig, weil wenn man ihn verpasst schwimmt es im Tarator wie die Affenköpfe in der Suppe von Indiana Jones im „Tempel des Todes“. Danach kommt Joghurt. Am besten eignet sich Joghurt aus dem türkischen Geschäft, da er saurer und nicht süßlich ist. Ich weiß, dass viele von euch Joghurt als Dessert und mit Früchten essen. Schließt die Augen und ergebt euch dem salzigen Joghurt. Danach gebt ein bisschen Wasser dazu, bis der Joghurt eine Ayran-ähnliche Konsistenz hat. Ihr wisst schon, was Ayran ist? Wenn nicht, dann fragt euren türkischen Nachbar – das ist ein göttliches Getränk in der Hitze.

Wir haben jetzt etwas wie Ayran mit Gurke, Dille und Knoblauch. Man nennt es Tarator. Ich mag das Wort Ta-ra-tor. Es ist wie ein Lied, etwas wie ta-ra-ram, aber ein bisschen anders. intelektuelle Taratormacher geben auch kleingehackte Walnusskerne dazu. Walnusskerne sehen aus wie ein Gehirn und durch Tarator funktioniert euer Gehirn in der Hitze besser. Tarator ist nicht bloß eine kalte Gurkensuppe, Tarator ist eine Art des Überlebens in der Hitze.

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