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Die Band Japandroids

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„Lieber Herausforderung zu zweit als Langeweile zu mehrt“

Obwohl nur zu zweit, machen Japandroids hochenergetische Musik mit den minimalistischen Zutaten Drums, Stimme und Gitarre.

Seit elf Jahren beweisen Japandroids aus Vancouver, wie man in der rippennackten Minimalbesetzung Drums, Stimme und Gitarre die ganze Bandbreite von Indie-Dresch bis Stadionrock abdecken kann, wenn man nur beherzt genug voranspielt.

Eine Technik die die beiden von hochenergetischen Vorgängern wie White Stripes, Dodos oder Two Gallants gelernt haben. David Prowse, der fleißige Drummer von Japandroids war im FM4-Studio und hat Daniel Grabner heute im FM4 Festivalradio einige Fragen beantwortet. (Die eine, wegen Namensgleichheit naheliegende, ob er der Darth Vader-Darsteller ist, haben wir höflicherweise ausgelassen).

FM4: Japandroids sind ein Duo, das es schafft, wie eine mehrköpfige Band zu klingen. Der Minimalismus, den man annehmen würde, ist nicht zu hören. Wie habt ihr diesen vollen Sound zusammen gebracht?

David Prowse: Daran arbeiten wir schon sehr lange. Zu zweit zu spielen, gibt dir auch einen gewissen Freiraum, den man sonst nicht haben würde. Wir haben die Freiheit, beide so laut sein zu können, wie wir wollen. So viel tun zu können, wie wir wollen. Es gibt gewisse Herausforderungen und Einschränkungen, die damit zusammen ängen, wie man diesen Sound auffüllt. Normalerweise bringt ein Bass einen Haufen tiefe Frequenzen mit, oft gibt es auch einen Rhythmus- und einen Lead Gitarristen. Brian versucht, diese Rollen alle drei zugleich auszufüllen. Das ist interessant, aber im Endeffekt schleppen wir einfach mehr Verstärker an, statt neue Bandmitglieder zu rekrutieren. Brians Gitarre läuft über ein Mischpult, sodass fünf verschiedene Gitarrensignale aus dem einen Instrument kommen, zugleich über einen Bassverstärker, über vier verschiedenen Gitarrenverstärker, die alle einen etwas unterschiedlichen Sound generieren. Wir lernen langsam dazu.

Japandroids heute zu Gast im FM4 Festivalradio.

Japandroids spielen heute abend im B72 in Wien, danach führt die Tour die nächsten Tage nach Prag, Waschau oder München. Alle Tourdaten hier.

Wolltet ihr je mehr Leute sein?

Nicht wirklich. Mit der neuen Platte haben wir uns ein wenig aus dem Fenster gelehnt, wir haben mehr Overdubs verwendet, als je zuvor. Bei den Alben „Celebration Rock“ und „Post Nothing“ haben wir die Backline genau so aufgebaut, wie bei einem Konzert: eingestöpselt und drauflos gespielt. Diesmal, auf dem neuen Album „Near to the wild heart of life“, haben wir viel mehr Schichten übereinander gelegt, wir haben Gitarreneffekte, akustische Gitarren, Bass- und Synthesizer-Linien hineingeschmuggelt. Da hat sich dann schon eine Debatte entwickelt, wie wir das denn alles authentisch live rüberbringen können. Aber es bleibt interessanter, sich von diesen Liedern Liveversionen anzueignen, die immer noch glaubhaft klingen, wenn wir sie zu zweit auf der Bühne spielen. Wir sind immer hin schon elf Jahre zu zweit auf der Bühne. Es macht immer wieder Spaß, sich in dieser Formation neuen Herausforderungen zu stellen, als es sich einfach zu machen, und sich zu langweilen.

Heutzutage haben Bands einen Twitter Account, lange bevor sie ein Lied fertig geschrieben haben. Was haltet ihr von dieser ganzen Self-Promotion-Sache?

Ich glaube weder Brian noch ich finden diesen Aspekt des Banddaseins im 21. Jahrhundert besonders unterhaltsam. Es gibt viele coole Aspekte. So kann eine Band in gewisser Weise die ganze Musikindustrie-Maschinerie auslassen. Du brauchst nicht unbedingt ein Plattenlabel oder ein Publicity Team, um deine Musik bekannt zu machen und sie den Leuten zu Gehör bringen. Das ist schon ziemlich aufregend. Es geht natürlich auch etwas verloren, wenn du so dermaßen viele Möglichkeiten des direkten Zugangs zum Künstler hast. Ich möchte gar nicht wissen, was Iggy Pop heute gefrühstückt hat.

Ich möchte lieber seine Kunst genießen und ich begrüße das kleine Unbekannte, das Mysterium, wie denn sein Alltagsleben aussieht. Nicht dass Iggy es mir mitteilen würde, er ist nicht dauernd auf Twitter... Aber derzeit passiert es dauernd, dass man mehr über die Leute weiß , als man zu wissen braucht. Das gilt für alle Bereiche, ich habe kein ungebrochen positives Verhältnis zu den Sozialen Medien, ganz allgemein. Ich weiß nicht, ob es notwendigerweise sein muss, dass alle Leute sich dauernd mit der ganzen Welt darüber austauschen, was sie gerade so tun. Anstatt das mit ihren Freunden zu teilen, halten sie konstant Konferenz mit der ganzen Welt, das ist komisch. Wir als Band bemühen wir uns schon um ein gewisses Geheimnis. Es ist nicht einfach, denn das ist ein wesentlicher Teil der Promotion. Man sagt uns zumindest, dass wir unbedingt einen Twitter-Account benötigen, und einen Facebook Account und einen Instagram-Account, nur um die wichtigsten Informationen unter die Leute zu bringen. Wir haben uns die Accounts besorgt, weil wir nicht wollten, dass jemand unseren Namen registriert... Wir haben kein einziges Mal getwittert und hatten trotzdem sehr bald 10.000 Follower. 10.000 Leute, die darauf warten, dass du ihnen erzählst, dass du ein neues Album hast. Wir machen das also jetzt, wenn auch sehr minimalistisch.

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