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Screenshots von "Uncharted: The lost legacy"

Vier Fäuste für Ganesha

Innerhalb von nur einem Jahr haben die „Uncharted“-MacherInnen einen weiteren Teil der Serie rausgestampft. Statt mit Nathan Drake kämpfen wir uns nun mit einem toughen Frauen-Duo durch Söldnermassen.

Von Robert Glashüttner

Wie wär’s mit einem Ausflug in die Westghats nach Indien? Mitten im Regenwald auf Schatzsuche gehen klingt doch nach einem verlockenden Spätsommerurlaub. Dieser Vorschlag mag jetzt vielleicht teuer und gefährlich anmuten, doch in Wahrheit braucht man dafür nur eine Playstation 4 und das neue „Uncharted“.

Eigentlich ist die Action-Game-Reihe schon vor über einem Jahr mit dem vierten Teil abgeschlossen worden. Der Erfolg war aber so groß, dass die Serie nun doch weitergeht. Damit die Spieleentwicklerfirma Naughty Dog und Verlag Sony nachträglich nicht allzu unglaubwürdig wirken, gibt es für die aktuelle halsbrecherische Reise nun neue Hauptdarstellerinnen.

Schießen und klettern

Wir beginnen bei „Uncharted: The Lost Legacy“ genau dort, wo wir Mitte letzten Jahres mit „Uncharted 4“ aufgehört haben: Kletternd und schießend irgendwo in der tiefsten Wildnis, wo niemand ist außer uns und ein Haufen doofer, aber tödlicher Söldner. Nathan Drake hat sich zurückgezogen, dafür ist statt ihm nun seine ehemalige Arbeitspartnerin und Liebschaft Chloe Frazer am Start. Sie ist ebenso draufgängerisch wie er, aber deutlich kaltschnäuziger. Ihre Partnerin in Crime ist Nadine Ross, ehemalige Söldneranführerin und Drakes Gegenspielerin aus dem vorigen Game.

Screenshots von "Uncharted: The Lost Legacy"

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Chloe und Nadine sind auf der Suche nach dem sagenumwobenen Stoßzahn der Hindu-Gottheit Ganesha. Auf dem Weg dorthin werden antike Schätze eingesammelt, alte Statuen auf ihre Botschaften hin analysiert und jede Menge Schüsse abgefeuert. Es wird geklettert, im Jeep über Stock und Stein gefahren, und manchmal tauscht man auch ein bisschen Gossip über Altbekannte aus.

„Uncharted: The Lost Legacy“ ist eine Art eigenständiges Erweiterungspaket von "Uncharted 4, und deshalb sind auch hier wieder zu viele Schieß- und Kletterpassagen und zu wenig Rätselszenen zu bemängeln. Weil die Grafik aber ein weiteres Mal sensationell gut ausgefallen ist (ebenso wie das herausragende Voice Acting), nimmt man die vielen spielerischen Wiederholungen in Kauf. Und manchmal dürfen wir dann doch so etwas machen wie Steinringe in die richtige Position drehen.



Bedingt feministisch

„The Lost Legacy“ zeigt zwei starke Frauen auf einem psychopathischen Abenteuertrip, auf dem sie sich in betörend schönen Umgebungen durch unzählige paramilitärische Soldaten und deren Anführer Asav kämpfen. Chloe Frazer und Nadine Ross sind so tough, dass es über weite Strecken hinweg übers feministische Ziel, mutige, geschickte, kluge, nicht sexualisierte weibliche Hauptfiguren zu zeigen, hinausschießt. Sie wirken dann abgestumpft und egoistisch; dementsprechend baut man als SpielerIn kaum eine emotionale Bindung zu ihnen auf. Die Figuren kommen zwar cool rüber, aber auch unnahbar und mitunter oberflächlich. Man empfindet ihnen gegenüber vorrangig Gleichgültigkeit.

Zusätzlich dazu macht einem die Schere zwischen Spiel- und Erzähllogik – wie immer bei „Uncharted“ – stark zu schaffen. Die Spieleserie ist inhaltlich ziemlich brutal, dennoch verhalten sich die Protagonistinnen kurz nach jeder Schießerei so, als wären sie auf einer unterhaltsamen, harmlosen Safari. Wenn in den Dialogen doch mal Schwäche gezeigt wird und die Feels kommen dürfen, dann eher in klischeehaften Situationen - etwa, wenn der Tod des Vaters thematisiert wird.

Screenshots von "Uncharted: The Lost Legacy"

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Wie eine gute Packung Chips

Trotz der Ungereimtheiten sind Gameplay und Präsentation von „Uncharted: The Lost Legacy“ erwartungsgemäß so perfektioniert, dass man nie wirklich damit aufhören möchte. Es ist ein bisschen so wie mit Chips essen: Wenn man nicht darauf achtet, ist irgendwann die ganze Packung aufgegessen. Und man weiß eigentlich nicht genau, wie das passiert ist.

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