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Sloclap

Nahkampfballett ohne Worte

„Absolver“ ist ein Beat’em up, für das das deutsche Wort „Prügelspiel“ eindeutig zu schnöde ist.

Von Rainer Sigl

Ein schneller Tritt ans Schienbein, ein wuchtiger Kopfstoß, zwei kurze Handkantenschläge und zum Abschluss eine Pirouette mit krachendem Fußtritt ins Gesicht. Im Indie-Spiel „Absolver“ fliegen die Fäuste noch öfter als im durchschnittlichen Actionfilm mit Jean-Claude Van Damme, doch statt roher Gewalt regieren Eleganz und ein bisschen Taktik.

Als wortloser Kampfsportschüler müssen wir als Abschlussprüfung eine ganze Ruinenstadt voller Nahkämpfer bezwingen, in der sich neben unzähligen Computergegnern und trickreichen Bossgegnern auch noch echte Menschen herumtreiben. Das Besondere an „Absolver“ ist dabei, dass wir unseren Kampfstil frei aus unterschiedlichen Bewegungen und Attacken zusammenstellen können, die wir uns nach und nach von unseren Gegnern abschauen. So entsteht Schritt für Schritt unsere ganz eigene Kampfschule - besonders effektive oder originelle Kombinationen dürfen wir dann sogar an eigene Schüler weitergeben.

Schöne, stumme Welt

Die Welt von „Absolver“ ist atmosphärisch und dank Low-Poly-Ästhetik wunderschön, aber trotzdem gefährlich. Den Großteil des Spiels durchstreifen wir auf der Suche nach bösen Oberbossen frei diese Welt, aber die minimalistische Handlung, die mit nur wenigen Worten und äußerst kryptisch erzählt wird, ist eigentlich nur Nebensache. Viel wichtiger ist das Aufpäppeln unseres Spielcharakters und das langsame Perfektionieren unseres Kampfstils.

Die menschlichen Mitspieler sorgen dabei für besondere Spannung: Ob sie uns wortlos hinterrücks angreifen, höflich zum Duell fordern oder aber sogar freundlich mit uns Seite an Seite kämpfen, ist immer wieder ungewiss. Sprechen können wir mit ihnen nämlich nicht, stattdessen verständigen wir uns ausschließlich über aufrufbare Gesten miteinander. Wenn wir uns anfreunden, dürfen wir selbst gelernte Kampfmanöver austauschen und so unsere Auswahl an Tritten und Schlägen erweitern - ein Sammelspaß, der lange motiviert.

Absolver

Sloclap

Kurzes Vergnügen

Bis man seinen Charakter in „Absolver“ perfektioniert und seinen Lieblingskampfstil gefunden hat, kann schon einige Zeit vergehen. So gesehen ist es ein wenig schade, dass das Spiel eigentlich zu kurz geraten ist, denn die Handlung hat man in etwa fünf Stunden abgeschlossen. Natürlich kann man auch nach dem Sieg über den letzten Oberboss weiter seinen Kampfstil trainieren und nochmals durch die offene Spielewelt ziehen, aber man bleibt trotzdem ein wenig unbefriedigt zurück.

„Absolver“ ist für WIndows und PS4 erschienen.

Das absolut originelle Kampfsystem, tolle Atmosphäre und die Interaktion mit unberechenbaren menschlichen Gegenspielern machen „Absolver“ dennoch zum empfehlenswerten Kampfspiel-MMO mit taktischer Tiefe. Die französischen Entwickler haben angekündigt, noch Inhalt nachzuliefern - bis dahin muss man sich mit Mehrspielerduellen und Charakterpflege selbst unterhalten.

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