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Filmstill "mother"

Constantin Film

Filmfestspiele Venedig

Darren Aronofskys Opus Magnum „mother!“

Darren Aronofsky hat in „mother!“ viele persönlichen Ängste und die Apokalypse verpackt. Dabei sind Spannung und Genrekonventionen auf der Strecke geblieben. Ob Aronofsky ein zweites Mal mit einem Goldenen Löwen („Black Swan“, 2009) vom Lido abziehen wird? Da müsste schon Gott seine Finger im Spiel haben. Immerhin spielt ihn Javier Bardem.

von Petra Erdmann

„mother!“ von Regisseur Darren Aronofsky wurde vorab als der beste Horror-Thriller des Jahres gehandelt und galt monatelang als Hollywoods düsterstes Geheimnis. Am Dienstag wurde es im Wettbewerb der Filmfestspiele in Venedig gelüftet.

Wie zeigen „mother!“ in einer exklusiven FM4 Kinopremiere am 13. September in Wien.

Tickets dafür gibt’s hier zu gewinnen.

„mother!“ verhandelt eine Mann-Frau-Beziehung, vordergründig zumindest. Im Hintergrund lauert metaphorisch die biblische Schöpfungsgeschichte. Das erschreckt einen leider nicht sehr. „Er“ (Javier Bardem) macht eine Schaffenskrise als (göttlicher) Kultautor durch, während „mother!“ (Jennifer Lawrence) das gemeinsame Zuhause in ein Paradies verwandelt. Eines Tages tauchen ungebetene Gäste auf. Ed Harris und Michelle Pfeiffer machen den Anfang. Weitere ungehobelte Eindringlinge verwüsten nach und nach das Haus. Die Wände bluten, in der Kloschüssel schwimmen offene Herzen und „mother!“ fühlt sich mehr und mehr allein gelassen von ihrem egoistischen Mann. Am sechsten Tag tobt die unmanierliche Menschheit wie eine infernale Zirkushorde voller Verehrung für den Schriftsteller im Haus und rockt mit orgastischen Partys die Privatsphäre des Ehepaars in den Abgrund.

Jennifer LAwrence in "Mother"

Constantin Film

„mother!“ ist ein filmischer Brocken. Während des Schauens lässt sich die Bilderflut nur langsam enträtseln und am besten verdaut man sie in langen Gesprächen danach. Der Regisseur selbst hat seinen Film „einen Fiebertraum, in 5 Tagen geschrieben“ genannt, den man „wie ein Glas Schnaps in einem Zug kippt“. Angst, Hilflosigkeit, Überbevölkerung und die Auswirkungen des Klimawandels nennt Aronofsky als die dunklen Inspirationsquellen für „mother!“. Luis Bunuels „Der Würgeengel“ (1962) ist die filmische Referenz. Aronofsky ist in Venedig nicht der einzige beunruhigte Filmemacher: „Wir kennen jetzt den Feind und wir werden angreifen“, sagt er auf der Pressekonferenz. Ob Trump zum Geburtshelfer eines New New Hollywood wird? Das wäre ein eigener Filmstoff…

PK mit Darren Aronofsky, Javier Bardem und Michelle Pfeiffer

La Biennale di Venezia

Pressekonferenz mi Darren Aronofsky, Javier Bardem und Michelle Pfeiffer, v.l.n.r.

„mother!“ ist nicht jedermanns Sache und schon gar nicht jeder Fraus Ding. Nachdem die weibliche Figur ein Haus renoviert und ein Baby geboren hat, hat sie nichts mehr zu geben. „mother!“ zu zerreißen wäre dennoch zu einfach. Dafür ist das Werk zu komplex, ein riskanter und persönlicher Film. Mit der Wiederholung des immer Gleichen (elaborierten Irrsinns) und Jennifer Lawrence zelebriert Aronofsky ein schaumgebremstes Mantra als radikales Star-Kino. Das Problem dabei: Hier tritt der Horror von Anfang auf der Stelle.

Jennifer Lawrence in "mother!"

Constantin Film

Weitaus mehr in Fahrt kommt mit seinen hervorragenden melancholischen Pointen die Tragikomödie „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ mit Frances McDormand. Regisseur Martin McDonagh („7 Psychopaths“) hat ihr mit in seinem Wettbewerbsfilm die Rolle einer wütenden Mutter auf den Leib geschrieben: Mildreds Teenager-Tochter wurde vergewaltigt und brutal ermordet. Jetzt provoziert sie die Bewohner und die örtliche Polizei durch Anmietung dreier Billboards. Darauf klagt sie in großen Lettern Sheriff Bill Willoughby (Woody Harrelson) an, die Aufklärung des Verbrechens nicht voranzutreiben. Sam Rockwell als naiver rassistischer Sheriffgehilfe, der „Abba“ hört ist ein weiteres Highlight in diese Ensemble, an dessen Gesichtern und Lippen man für immer hängen möchte.

Frances McDormand vor 2 Billboards

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Frances McDormand hat sich John Wayne als Vorbild für ihre coole Rächerinnen Performance genommen. Weibliche Vorbilder für ihre willensstarke und smarte (Anti)-Hauptheldin Mildred lassen sich nämlich in der Filmgeschichte kaum aufspüren. „Zuerst habe ich an Pam Grier in den Blaxploitation-Movies gedacht. Doch sie war zu sexy“, erklärt McDormand auf der Pressekonferenz. Auch Regisseur und Drehbuchautor Martin McDonagh, hat den Bechdel-Test bestanden. Er sagt im Interview: „Wir Männer hatten Ikonen wie James Dean oder Marlon Brando. Jetzt ist es an der Zeit, dass auch junge Frauen sich mit starken eigenständigen Frauenfiguren wie Mildred identifizieren können.“

Filmstill Sandome no satsujin/The thrid murder

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Leise und eindringlich hat sich ein chancenreicher Krimi über die Suche nach Wahrheit im Wettbewerb eingereiht. Der Japaner Kore-eda Hirokazu, der in seiner Heimat Box-Office-Rekorde bricht, seziert in „Sandome no satsujin/The third murder“ den Mord an einem Fabrikbesitzer anhand des Joballtags eines Anwalts. Der Verteidiger ist dabei sich ständig wandelnden Wahrheiten und Haken auf Spur. Seine juristische Überzeugung und die „Wahrheit“ als Terminus Technicus erodiert.

Amüsant und subversiv zugleich hat Jim Carrey die Wahrheit auf auf einer Pressekonferenz gestern genommen: „Venice - you all are a City of Masks“. Ein Satz, den er anlässlich der Dokumentation mit dem längsten Titel auf dem Festival hier dem Publikum vorgesetzt hat : „Jim & Andy: The Great Beyond – the story of Jim Carrey & Andy Kaufman with a very special, contractually obligated mention of Tony Clifton“. Die Dokumentation zeigt mit bisher unveröffentlichen Material wie Jim Carrey in Milos Formans Spielfilm ‘Man On The Moon’ ( 1999) die Rolle seines verstorbenen Freundes, des absurden US-Komikers Andy Kaufman schlüpft.

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