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Up in the Air

Schon einmal von Barry Seal gehört? Der satirische Thriller „American Made“ erzählt die wahre Geschichte eines Flugpiloten, der zum CIA-Mitarbeiter und Drogenschmuggler wurde.

Von Christian Fuchs

Typisch Hollywood, möchte man zunächst meinen. Da wird ein Thriller angekündigt, der auf Tatsachen basiert und dann verwandelt sich der Film in eine komplett überzogene Burleske, die jede Glaubwürdigkeit hinter sich lässt. Und noch dazu wird die reale Hauptfigur, ein schmieriger, übergewichtiger Drogenschmuggler mit schütterem Haar, vom ewig grinsenden Sonnyboy und Actionveteran Tom Cruise gespielt.

Ist „American Made“, bei uns „Barry Seal – Only in America“ betitelt, dennoch sehenswert? Ja, auf jeden Fall. Denn die absurde Geschichte beruht auf unglaublicher Wahrheit.

Den Typen, der für die US-Regierung wie auch berüchtigte Drogenkartelle gleichzeitig gearbeitet hat, den gab es wirklich. Wie wir wiederum aus Filmen wie “Magnolia” oder “Tropic Thunder“ wissen, ist Tom Cruise immer nur dann sehenswert (manche meinen: erträglich), wenn er höchst zwielichtige Charaktere spielt. Barry Seal ist jedenfalls seine beste Rolle seit Jahren.

Filmstill Barry Steal

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Tom Cruise als Pilot

Mann mit verschiedenen Existenzen

Adler Berriman Seal war definitiv ein amerikanisches Unikum. Ein Ex-Linienflugpilot, der zum CIA-Helfer mutierte und bald darauf einer der größten Drogenschmuggler im Auftrag mittel- und südamerikanischer Kartelle wurde. Fast scheint es, als ob Seal neben Dealern wie George Jung (den im Film „Blow“ Johnny Depp verschönert spielte) im Alleingang für den Kokainrausch Anfang der 80er in den USA verantwortlich zeichnete. Der Straßenverkaufswert der von ihm importierten Drogen wird offiziell auf drei bis fünf Milliarden US-Dollar geschätzt.

Nachdem seine Geschäfte im Jahr 1984 aufgedeckt wurden, ließ sich Barry Seal überreden, als Kronzeuge der amerikanischen Anti-Drogenbehörde DEA aufzutreten. Bis ihm zwei Jahre später seine Aussagen in diversen Verfahren zum Verhängnis wurden. Ein Team von kolumbianischen Auftragsmördern ermordete den Multimillionär in Louisiana auf offener Straße.

Fimstill Barry Seal

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Regisseur Doug Liman rollt diese bizarre Karriere chronologisch auf. Wir tauchen in den späten 70ern in Barry Seals Alltag ein, wo er sich als Linienpilot mit ein paar kleinen Schmuggeleien Geld dazu verdient. Bis der CIA seinen Nebenverdienst aufdeckt und ihm ein junger Agent (freundlich-gespenstisch: Domnhall Gleeson) einen aufregenderen Job anbietet: Barry soll bei regelmäßigen geheimen Flügen über südamerikanisches Terrain Fotos von rebellischen Aktivitäten dort machen.

Einmal vor Ort, trifft der talentierte Pilot aber die mächtigen Köpfe des Medellín Cartels, rund um Pablo Escobar. Hände werden geschüttelt, neue Geschäfte abgeschlossen, Barry Seal schreckt vor einer Zusammenarbeit mit den mächtigen Drogenbossen nicht zurück.

Ein paar Jahre später hat er seine verschiedenen Existenzen scheinbar perfekt im Griff. Nach außen wirkt er wie der seriöse Betreiber eines kleines Privatflughafens (den ihm der CIA gekauft hat) im kleinstädtischen Arkanas, privat treu seiner jungen Frau Lucy (in einer undankbaren Rolle bemüht: Sarah Wright) verbunden. In Wahrheit gerät er als internationale Schmuggler-Institution in immer gefährlichere Verwicklungen.

Tom Cruise und Domhnall Gleeson in "American Made"

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Politische Seitenhiebe treffen punktgenau

„American Made“ lässt kein Klischee aus, das man mit Gangsterfilmen in der Disco-Ära verbindet: Voluminöse Bärte, Perücken und Polyesterhemden lassen ein „Boogie Nights“ Feeling aufkommen, ironisch eingesetzte TV-Ausschnitte und Standbilder mit Voice-Over-Monologen gehören ohnehin spätestens seit „The Wolf Of Wall Street“ zur Grundausstattung.

Aber trotzdem funktioniert dieses sarkastische Biopic. Nicht nur wegen Tom Cruise, der mühelos eine abgefeimte Gewitzheit mit scheinbarer Naivität verbindet, als Barry Seal aufblüht und nebenbei seine „Top Gun“ Persona parodiert. Auch die Nebenrollen sind großartig besetzt, besonders der manische Caleb Landry Jones begeistert als durchgeknallter Redneck-Neffe.

Vor allem treffen aber die zahlreichen politischen Seitenhiebe punktgenau, die Involvierungen der US-Regierung in Nicaragua und anderen Ländern werden sarkastisch aufgerollt. Hinter der unterhaltsamen Oberfläche dieses Films steckt ein düsterer Abgesang auf den amerikanischen (Alb-) Traum.

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