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Facebook/Cafe & Schloss Cobenzl

Kleiner Brauner gegen Rechts

Mit der „Kleine-Braune-Aktion“ haben die Betreiber des Wiener Café Cobenzl eine Demonstration der Identitären kommentiert. Wir sprechen mit dem Geschäftsführer über die Reaktionen.

Von Jan Hestmann

Weil die Route einer behördlich genehmigten Demonstration der rechtsextremen Gruppierung Identitäre am Samstagabend vom Wiener Kahlenberg zum angrenzenden Cobenzl führte, reagierte das Café Cobenzl mit subtilem Protest.

Am Freitagabend verkündeten die Betreiber des Cafés via Facebook, dass es am Tag der Demonstration schon um 18 Uhr zusperren werde. Tagsüber gebe es dafür eine „Kleine-Braune-Aktion“. Den Erlös aller an diesem Tag verkauften Kleinen Braunen werde man an das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) spenden, welches stete Aufklärungsarbeit zu Rechtsextremismus in Österreich leistet.

Das Posting wurde zum jetzigen Zeitpunkt bereits über 700 Mal geteilt und auch in den meisten österreichischen Tagesmedien aufgegriffen. Das hatte eine Vielzahl an Reaktionen zur Folge.

Das Zwischennutzungsprojekt vom Café & Schloss Cobenzl wird von der Arbeitsgruppe Luftschloss betrieben. Das ist die Agentur Gadcon von Georg Demmer, der Verein Rundum sowie die Co-B Gastronomie OG mit Martin Ruzicka, Felix Furberg und Raphael Frei.

Luftschloss.wien

„Die Reaktionen online waren überwältigend positiv. Natürlich gibt es auch einige Hassposter und Grantscherben da draußen, die mit aller kraft versuchen, uns Faschismus und Ausgrenzung vorzuwerfen“, sagt Martin Ruzicka, Geschäftsführer des Café Cobenzl, „wobei wir ja weniger ausschließen als klar stellen, dass wir gegen Faschismus sind. Unser Café war ja regulär offen und wir haben keine Einlasskontrolle gemacht.“

Drohung gegenüber dem Personal

Ruzicka weiter: „Am schlimmsten war wohl eine Drohung gegenüber unserem Personal auf Facebook, mit dem Tenor, die Angestellten mögen sich auf ihrem Heimweg in Acht nehmen. Da hört sich dann jeder Spaß auf, das wird auch zur Anzeige gebracht.“

Am Samstag sei es dann aber ruhig geblieben: „Es war ein normaler, wenn auch aus ökonomischer Sicht schlechter Tag. Aber das ist ja klar, wenn eine Demo vor deiner Haustür stattfindet, und ist auch ok. Keine gröberen Reibereien, ein paar mehr Kleine Braune, die verkauft wurden, fertig.“

Cafe Cobenzl

C. Fürthner

Das Café Cobenzl hat im Mai 2017 Neueröffnung gefeiert. Mit einer neuen Ausrichtung will das Café ein neues Zielpublikum erreichen, etwa mit Kunst- und Kulturangeboten. Im Sommer fanden an den Wochenenden auch Picknicks und DJ Lines statt.

Bilanz: 100 Rechtsextreme, 450 PolizistInnen, 47 Kleine Braune

Am Samstag sind schließlich 47 Kleine Braune im Café Cobenzl verkauft worden. Das sind 117,50 Euro, die dem Dokumentationsarchiv DÖW gespendet werden.

Die Demonstration der Identitären ist laut APA ruhig verlaufen. 450 Polizisten waren dabei im Einsatz, um 100 Rechtsextreme von 150 GegendemonstrantInnen fern zu halten.

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