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Filmflimmern

Neu im Kino: „Kingsman: The Golden Circle“, „The Glass Castle“, „The Book of Henry“, „On Body & Soul“ und „Lego Ninjago“. Außerdem: Alle werden Adam Sandler lieben, Darren Aronofsky erklärt „mother!“ und Christoph Waltz kommt zur Viennale.

Von Pia Reiser

Kingsman: The Golden Circle

Die Adrenalinspritze mitten ins Herz als Gegenmittel zur Blockbuster-Fatigue kommt in feinstem Zwirn daher: „Kingsman: The Golden Circle“ ist nach „Kingsman: The Secret Service“ Matthew Vaughns zweiter Ausflug in die Welt der britischen Superspione. Eggsy (Taron Egerton) ist vom chav zum gent gereift, trägt Hornbrille und zweireihige Anzüge wie Michael Caine einst als working class Spion Harry Palmer und liefert sich Hochgeschwindigkeits-Zweikämpfe zu Princes „Let’s go crazy“, womit das Motto des Films auch gleich in der Eingangssequenz geklärt wird. Julianne Moore trumpft als Drogenbaronin auf, als irre Mischung zwischen Pablo Escobar und Martha Stewart. Das schrille Pop-Spektakel macht sich Gedanken zur Überwindbarkeit des britischen Klassensystems und zu fehlgeleiteter Drogenpolitik, während es Satire, Gewalt und state of the art Kneipenschlägereien durcheinanderquirlt. Ich verleihe 8 von 10 explodierenden Manschettenknöpfen.

The Glass Castle

Alles andere als eine Aussteiger-Utopie ist „The Glass Castle“. Woody Harrelson fühlt sich in der Verfilmung einer wahren Geschichte als Familienoberhaupt von der Regierung verfolgt und zieht mit seiner Familie durch die USA. Er ist freigeistiger Bohemian-Nomade, aber auch Trinker und spielsüchtig. Für die vier Kinder ist dieses Leben einerseits Abenteuer, anderseits von Unsicherheiten und Entbehrungen geprägt. Trotz Harrelson, Naomi Watts und Brie Larson ist das „Schloss aus Glas“ eine halbgare Angelegenheit. Anna Katharina Laggner vergibt 3 von 10 flickering stars.

Familie im Freien, die sich umarmt, Szenenbild aus "Schloss aus Glas"

Filmladen

The Book of Henry

Apropos Naomi Watts und Unausgegorenheit, da gibt’s gleich noch etwas im Programm. Der hochbegabte Henry bemerkt, dass seine Schulfreundin Christina missbraucht wird, und heckt einen Plan aus, wie man ihr helfen kann. Seine Mutter (Namomi Watts) findet den niedergeschriebenen Plan und beschließt, ihn umzusetzen. Seltsam, aber so steht es geschrieben. Wenn in Reviews die Worte silly auf thriller treffen, ist ordentlich was schief gegangen. Regisseur Colin Trevorrow, der auch den herrlich spleenigen „Saftey not guaranteed“ gemacht hat, liefert hier einen Film ab, der nicht weiß, was er will. Dafür gab’s 6 von 10 red notebooks von Christoph Sepin.

Naomi Watts mit zwei Kindern, Szenenbild aus "The Book of Henry"

UIP

On Body and Soul

Wenn alle von einer „zarten Liebesgeschichte“ schreiben, dann klingt das so, als wäre der Pressetext als Kritik abgedruckt worden. Doch im Fall von „On Body & Soul“, dem Gewinner des Goldenen Bären, haben beide Worte ihre Berechtigung. Regisseurin Ildikó Enyedi erzählt von einem Mann und einer Frau, die in einem Schlachthaus arbeiten und die gleichen Träume haben. Nicht metaphorisch, sondern tatsächlich das Gleiche träumen. Von Hirschen im Wald, im Schnee. Ein exzentrischer Film über Annäherungen und Einsamkeit. Anna Katharina Laggner vergibt 7 von 10 real dream lovers.

Hirsche im Wald, Szenenbild aus "on body and soul"

Thimfilm

Lego Ninjago

Obwohl Regisseure Phil Lord und Christopher Miller für zwei meiner beiden Lieblingskomödien der letzten Jahre („21 Jump Street“ und - behold - „22 Jump Street“) ist das filmgewordene Lego-Franchise nicht unbedingt der Stoff, aus dem meine Leinwand-Träume sind. Die Produktionen können natürlich herrlich als weiteres Argument für die Blockbuster-Infantilität verwendet werden. Die millenniale Verlängerung der Kindheit bis zum Pensionseintritt. Der Lego-Film-Franchise-5-Jahres-Plan trat 2014 in Kraft und bringt uns „Lego Ninjago“ inklusive vier weitere Filme bis 2019. Mein persönlicher 30-Jahre-Plan inkludiert eine ziemlich definitive Nicht-Sichtung all dieser Filme. Diesmal trifft also Lego auf Martial Arts, und während ich ja lieber barfuß über verstreute Legeosteine laufen würde, als mir das anzusehen, war Christoph Sepin, Experte in Sachen Lego und Ninja, im Kino. Mehr zu den Lego-Filmen gibt es im FM4 Player zu hören.

Lego-Figuren

Warner

Außerdem

Falls jemand noch offene Fragen zu „mother!“ hat, nachdem sich Regisseur Darren Aronofsky vor dem Filmstart bedeckt gehalten hat, kann er nun gar nicht damit aufhören, seinen Film zu erklären.

Ich hab’s ja schon einmal angekündigt, die weltweite Versöhnung mit Adam Sandler steht an, Noah Baumbach hat Sandler in seinem für Netflix produzierten Film „The Meyerowitz Stories“ besetzt, zu sehen gibt’s den Film ab 13. Oktober, ein Trailer wurde gerade veröffentlicht.

Für Schauspielerinnen über 60 gibt es in Hollywood jetzt Hoffnung im Rahmen der zahlreichen Reboots Rollen zu bekommen, die sie schon mal gespielt haben. Linda Hamilton kehrt in die „Terminator“-Welt zurück und Jamie Lee Curtis ist beim „Halloween“-Reboot dabei.

Wer wie ich, sobald der Herbst kommt, den ganzen Tag quirky Indiefilme anschauen könnte, kann sich auf „Lady Bird“, „Brad’s Status“ und „Person to Person“ freuen, in Acht nehmen muss man sich vor „9/11“ mit Charlie Sheen.

Gäbe es Auszeichnungen für exzellent genutzte Referenzen in juristischen Schreiben, die Juristen, die im Auftrag von Netflix die Betreiber einer „Stranger Things“-Pop-Up-Bar gebeten haben, diese nun zu schließen, wären die Gewinner. Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass „The Disaster Artist“ auch in Österreich einen Kinostart haben wird.

Christoph Waltz ist Gast der diesjährigen Viennale und somit gibt’s Gelegenheit „Du bist nicht allein - Die Roy Black Story“ auf großer Leinwand zu sehen. Ich hoffe, Waltz trägt die Ringel-Am-Dam-Des-Hose.

Tipps

21.9.-11.10.: /slash Filmfestival
22.9: Citizen Kane, Bellaria, Wien
23.9: The Agony and Ecstasy of Phil Spector, Filmmuseum, Wien
23.9: Der Dämon von San Francisco, Breitenseer Lichtspiele, Wien
23.09: The Neverending Story, Gartenbaukino, Wien
24.9: Red Hollywood, Filmmuseum, Wien
27.9: Capitalism, A Love Story, Filmmuseum

In diesem Sinne: I always gagged on the silver spoon. („Citizen Kane“)

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