FM4-Logo

jetzt live:

Aktueller Musiktitel:

Unsafe + Sounds Festival Sujet

Unsafe + Sounds Festival

Musik, Performance, Horizonterweiterung

Das Unsafe + Sounds Festival tritt zum vierten Mal an, festgefahrene Hörgewohnheiten zu dekonstruieren. Acht Tage lang trifft markerschütterne Klang- und Performancekunst auf horizonterweiternde Clubmusik aus den Grenzbereichen zwischen „E“ und „U“.

Von Katharina Seidler

Unsafe + Sounds Flyer

Unsafe + Sounds

Unsafe + Sounds Festival

Von 22. bis 30. September in diversen Locations in Wien.

Safe & sound, diesen Ausdruck verwendet man im Englischen, wenn man zum Beispiel an einem Ort „gesund und munter“ angekommen ist. Wenn sich ein Festival Unsafe + Sounds nennt, dann heißt das aber nicht, dass man dort nicht ebenfalls froh und munter herumspringt, sondern dieser Name meint ein Unsicher-Werden in den eigenen, festgefahrenen Ansichten.

Denn nur, wenn man Dinge beginnt zu hinterfragen, ist man offen für neue Erfahrungen, und davon gibt es beim Unsafe + Sounds Festival jede Menge. Das Festival tritt dieses Jahr bereits zum vierten Mal an, festgefahrene Hörgewohnheiten zu dekonstruieren. Acht Tage und Nächte lang versammelt das Festival markerschütterne Klang- und Performancekunst und horizonterweiternde Clubmusik aus den Grenzbereichen zwischen den veralteten Bereichen „E“ und „U“.

Los geht es am kommenden Freitag, den 22.9., danach zieht das Unsafe + Sounds acht Tage lang als Wanderfestival durch Wien, vom Fluc bis zum Celeste und in die Arena.

Zur Eröffnung bringt das Ensemble Black Page Orchestra Karlheinz Stockhausens Klassiker der Elektroakustik, die Symphonie für zwei Mikrophone und ein Tamtam, zur Aufführung. Später am Abend veranstaltet der Künstler Stirn Prumzer eine seiner berüchtigten Schütt-Performances, und die Geräusche der verschütteten Farbe werden via Laptop mit dem Spiel des italienischen Pianisten Marino Formenti auf seinem präparierten Klavier vermischt.

Stirn Prumzer Schütt-Performance

Stirn Prumzer

Soviel ist sicher: Beim Unsafe + Sounds sieht und hört man Dinge, die man davor so noch nicht gekannt hat. Das ist auch genau das Ziel von Kuratorin Shilla Strelka, die das Programm Jahr für Jahr ebenso klug wie kompromisslos zusammenstellt. In ihren Arbeiten, sowohl im Festival-Lineup als auch in ihren DJ-Sets und bei ihren anderen Veanstaltungsreihen Struma+Iodine, Azephal+Aleph und TTS, findet das Laute, Kantige, Arge immer Gemeinsamkeiten mit filigraneren Zwischentönen und mit im clubkulturell-„klassischeren“ Sinne tanzbareren Stilen.

„Wir stellen das Experiment in den Fokus. Indem man versucht, aus der konventionellen Musik auszubrechen, entstehen Welten, die Alternativen bieten können zu der Realität, in der wir leben,“ erklärt die Kuratorin ihr Konzept im Interview.

Shilla Strelka im ausführlichen Interview zum Unsafe+Sounds gibt es noch bis kommenden Sonntag im FM4 Player.

Diese Parallelwelten tun sich beim Unsafe + Sounds an verschiedenen Orten in Wien auf. Die Festivalzentrale befindet sich im neu eröffneten Blumenhof, einer ehemaligen, umgebauten Autowerkstatt nahe der Praterstraße. Dort präsentiert am Festival-Montag die französische Musikerin Felicia Atkinson ihre Kombination aus Field Recordings, Ambient, Dub und minimalistischer Musique concrète.

Aus dem Club in den Post-Club

Ein besonderer Fokus liegt im diesjährigen Festival-Programm auf der heimischen Elektronikszene, die die Kuratorin unter dem Begriff Post-Club zusammenfasst. Musik zum Tanzen, aber auch zum Lauschen und Staunen aus dem Umfeld von Labels wie Ventil, Amen oder Ashida Park. Besonders gebündelt erlebt man die Synergien der lokalen Szene am 28. September in der Arena, wenn im Lineup ein großer Teil der heimischen Elektronik-Avantgarde, also H_RI, Gischt, In My Talons, Asfast, Treibgut, Antonia und Aleksandar Vučenović auf internationale Clubmusik-WeiterdenkerInnen GIL und Swan Meat treffen. Aber auch am 23.9. im Celeste kommen Fans von Clubmusik für Kopf und Beine voll auf ihre Kosten.

Was man sonst noch erleben kann beim Unsafe + Sounds: Die Tänzerin Eva-Maria Schaller stellt eine neu adaptierte Version von Maurice Ravels „Bolero“ vor („UnRavel Bolero for 2“), das Performance-Kollektiv The Thriving Thorns and the Crying Crows Meltdown tritt in Brautkleidern auf, und heimische und internationale Indie-Label-BetreiberInnen diskutieren über ihre Arbeit. Man erlebt Techno-DJs und Rave-Spektakel, aber auch zeitgenössische Kompositionen aus der Neuen Musik.

Wenn die Grenzen zwischen „E“ und „U“ endgültig verwischen, kann die Horizonterweiterung einsetzen - man muss Shilla Strelka nur vertrauen:

Man braucht kein Hintergrundwissen, nur Offenheit sollte man mitbringen. Es verlangt dir vielleicht schon etwas ab, aber es gibt dir genauso viel wieder zurück.

mehr Musik:

Aktuell:

Werbung X