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Angus & Julia Stone

Angus & Julia Stone

Gemeinsam einsam

Ein kleines Glühen: „Snow“, das neue Album des australischen Geschwisterpärchens Angus & Julia Stone.

Von Philipp L’heritier

Wenn sich ein Duo den Namen „Angus & Julia Stone“ gibt, dann kann man sich schon ausmalen, was das für eine Musik werden wird. Das australische Geschwisterpärchen trägt auch im musikalischen Projekt die bürgerlichen Namen, es geht hier um aufrichtiges, ehrliches Singer/Songwritertum, Lagerfeuer-Gitarre, die Gefühle.

Drei Platten lang haben das Julia und Angus Stone bislang solide durchgespielt, auf dem gerade erschienen vierten Album wird jetzt zum Glück alles etwas artifizieller und kunststoffförmiger: Auf „Snow“ versuchen Julia und Angus Stone, ihr folkiges Singer/Songwritertum verstärkt Richtung elektronisch unterfüttertem Dreampop zu verschieben, das hört man schon im Titelstück, das das Album auch eröffnet.

Hier sind die zwei eine Light-Variante des Duos Beach House, abgehört durch die Wand des Nachbarhauses, ein bisschen poppiger aufpoliert, glatter und eingängiger gemacht. Ecken abgeschliffen, alles auf lieb und niedlich gedreht. Das ist nicht schlecht.

Eine Drum-Machine pluckert und eiert monoton und minimalistisch, das ist mit Absicht so, die Orgel summt. Dieses Album ist barocker ausgekleidet, Slidegitarren, Effekte, Hall, Keyboards, Trompete. Dabei klingt „Snow“ immer noch intim, wie im kleinen Jugendzimmer aufgenommen.

It’s a Family Affair

Julia und Angus umsingen einander, vorwärts, rückwärts, aufeinanderzugehend, sich wieder entfernend. Sie singen „Lalalalala“. Angus klingt meist wie gerade zufällig aus dem Bett gestolpert, ein bisschen faul und sympathisch mürrisch, eventuell ist er gerade ein paar Tage trinken gewesen und noch nicht ganz in der Gegenwart angekommen, Julia gibt den munteren, optimistischen Gegenpart.

Dieses Zusammen- und Wechselspiel macht einen großen Reiz dieser Platte aus. Bislang haben die Geschwister vornehmlich separate Stücke zu ihren Platten beigetragen. Diesmal ist es ein Album der Gemeinschaft geworden. Alleine, zu zweit, haben Julia und Angus Stone „Snow“ aufgenommen, da und dort hilft ein Gast aus, zu weiten Teilen aber sind sie da in der intensiven Duo-Besetzung in einem Studio im australischen Küstenörtchen Byron Bay aufeinandergehockt und habe sich gegenseitig ausgetestet, befruchtet und ausgelotet.

Angus & Julia Stone, Plattencover mit dem Duo

Angus & Julia Stone

„Snow“ ist so auch ein Album des Zusammenhalts, der Eintracht geworden, ebenso ein Album der Nervung und Aufreibung. Das Stück „Oakwood“ ist da ein Highlight. Zum einen lebt auch dieses Lied von den Kontrasten: Julia und Angus Stone schlüpfen da wieder in die Rolle von hin- und hergerissenen Liebenden.

Es könnte doch alles so schön und so einfach sein, wir wollen, wir wollen, wir wollen gut sein, wir wollen die Liebe probieren und die Liebe kosten. Aber die Abgründe. Die beiden singen von dem ganzen Alkoholtrinken und dem ganzen Drogennehmen. Es macht uns kaputt, es macht die Liebe schwierig und unmöglich, wir machen uns selbst kaputt. Dazu federt und pulsiert der Song überraschend beschwingt, mit prominentem Bass, wie ein federleichtes, wavey Postpunk-Stück.

Alles so schön bunt

Die Vorabsingle „Chateau“ singt vom Hotel Chateau Marmont – einem populären Hang-Out für die Hollywood-Styler in Los Angeles. Schick, teuer, exklusiv, ein bisschen dekadent, elitär. Die Paparazzi lauern dort auf Fotomaterial.

Es ist also freilich ganz wunderbar, im Ballroom eines solchen Etablissements zu tanzen, rundherum lauter schöne und reiche Menschen, wichtig und interessant. Aber, wir wissen es: Der Schein trügt immer wieder gut, alles nur Oberfläche.

Dem Album selbst tut das gut: Dass hier vieles an den Oberflächen spielt, mit bekannten Mustern aus romantischen Liedern und romantischen Filmen hantiert. Es funkelt, es tut gut, dann aber kommen die Risse und die Brüche und es tut weh.

Das Lied „Nothing Else“ beispielsweise singt davon, dass es doch bloß das Schönste sei, unter dem weiten Sternenhimmel zu schmusen und einander in den Armen zu liegen. Es schwingen hier jedoch schon die Verbitterung und der herannahende Abschied mit.

So funktioniert diese kleine Platte. Putzige, traurige Liedchen, die keine Welt einreißen, aber die Magengegend wärmen. Tagebuchpoesie, immer knapp an der Kippe, tief betrübt - und dann kommen die Sonnenstrahlen.

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