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Filmstill: Coconut

Filmarchiv Austria

Schöner Schund

Das Wiener Metrokino taucht in die Welt der „Wörthersee Exploitation“ ein. Ausgewählte Trashperlen aus den 70ern zwischen Softsex, Schlagerklamauk, Horror und Thriller, produziert von der Firma Lisa-Film.

Von Christian Fuchs

Okay, wie war das noch mit den Filmen, die so schlecht sind, dass sie schon wieder gut sind? Wer sich dem Kino so dermaßen hämisch nähert, hat im Grunde wenig verstanden. Denn es gibt eigentlich nur gute oder schlechte Filme, alles andere ist ein großes ironisches Missverständnis. Wobei, mindestens eine weitere Kategorie sollte man doch gelten lassen: die unglaublich seltsamen Filme. Man darf auch Trash dazu sagen, wenn man es nicht abfällig meint, sondern verquere, durchgeknallte, irrwitzige Streifen aus der Billigsdorfer-Ecke schätzt.

Filmstill: Blutiger Freitag

Filmarchiv Austria

Die Firma Lisa Film, gegründet 1964 vom österreichischen Komiker Paul Löwinger in München, hat viele schlechte Filme produziert, ein paar Gute und eine ganze Menge wirklich unglaublich seltsamer Werke. Während der Hochblüte des Schmutz- und Schundkinos, in den 70er und frühen 80er Jahren, feuerte man jährlich unzählige Streifen auf den Markt. Kleine Lichtspieltheater in Vorstädten, in Bahnhofsnähe oder auch in in der tiefen Provinz spielten die Filme mit illustren Titeln wie „Musik, Musik – da wackelt die Penne“, „Das Stundenhotel von St. Pauli“, „Jungfrau unter Kannibalen“, „Auch Fummeln will gelernt sein“ oder „Heißes Pflaster Köln“.

Softsex und Kitsch-Ikonen

Viele Lisa-Filme aus dieser Zeit wirken natürlich unter den Bedingungen der heutigen politischen Korrektheit skandalös. Die attraktiven jungen Frauen darin sind immer willig, die oft eher hässlichen Männer stets bereit. Kommt es zu Gewaltausbrüchen zoomt die Kamera mitten ins blutige Geschehen. Eine Riesenanzahl der Unterhaltungsfilme, mit denen Lisa-Produzentenlegende Carl Spiehs das deutschsprachige Publikum einst bombardierte, feiert aber auch die gutgelaunte Spießbürgerlichkeit. Mit biederen Schlagerfilmen, gerne mit der tragischen Kitsch-Ikone Roy Black, ließ man die muffigen 50er Jahre niemals enden, in der Pauker-Reihe rebellieren wenigstens rabiate Pausenclowns wie Hansi Kraus gegen die konservative Gymnasiumswelt.

Spätestens als Carl Spiehs erfolgreich das Fernsehen entdeckte und Roy Black als Direktor ins „Hotel am Wörthersee“ einziehen musste, war die wilde Lisa-Zeit vorbei. Sunnyboy Thomas Gottschalk verschaffte, mit oder ohne Mike Krüger, der Firma noch letzte große Klaumauk-Erfolge auf der Leinwand.

Das österreichische Filmarchiv zeigt in seiner Retro „Wörthersee & Exploitation“ ein paar dieser harmlosen, formal hingeschluderten Komödien wie „Die Supernasen“ oder „Geld oder Leber“. Im Programm befindet sich aber glücklicherweise auch der richtig wilde und wüste Stoff, der gerade von einer jüngeren Generation von Filmenthusiasten wiederentdeckt wird.

Großstadtthriller und Schneewestern

„Blutiger Freitag“ heißt das Genrejuwel von Rolf Olsen, von dem Eingeweihte wie von einem Heiligtum schwärmen, ein superharter Krimi rund um einen Banküberfall, der keine Gefangenen nimmt. Fiebrige Großstadtthriller wie „Frankfurt, Kaiserstrasse“ oder „Kalt wie Eis“ vermischen wiederum Gangsterthemen mit dem kühlen Spirit der New-Wave-Zeit. In gewissser Weise schließt auch der österreichische Regisseur Peter Patzak („Kottan“) hier an, wenn er in „Der Joker“ den Schnulzengott Peter Maffay als Komissar in der Hamburger Unterwelt ermitteln lässt.

Filmstill: Die Säge des Todes

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Im Teenage-Horror-Schocker „Die Säge des Todes“, mit Lisa-Star Olivia Pascal in der Hauptrolle, geht es ordentlich splatterig zu, der unvergessliche Trashguru Jess Franco inszeniert mit einer Getriebenheit, die zu seinem Markenzeichen wurde. Aber auch stimmige Schneewestern („Der Schrei der schwarzen Wölfe“ von Winnetou-Regisseur Harald Reinl) und sleazy Sexploitation („Es war die Nachtigall“, „Josefine Mutzenbacher“) gibt es zu bestaunen. Willkommen zu den herrlichen Abgründen hinter der Wörthersee-Idylle. Man sollte sich als Filmnerd diese Raritäten-Schau nicht entgehen lassen.

50 Jahre Lisa-Film - Wörthersee & Exploitation

Die Filmschau „Wörthersee & Exploitation“ läuft vom 26.9.-4.10. im Metro-Kino, Wien.

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