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Kelela

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Herzschmerz im hippen Gewand

Kelela reiht sich in die Riege der stylischen, coolen RnB Sängerinnen à la Aaliyah oder Janet Jackson ein, repräsentiert aber auch eine neue Form der schwarzen, selbstbestimmten Handlungsmacht im Pop.

Von Dalia Ahmed

Mit ihrem ersten Studioalbum scheint Kelela ihren Status als alternative RnB-Königin weiter zu zementieren. 

„Take Me Apart“ ist eine LP, die die Geschichte vom Schlussmachen und allem, was danach kommt, in Songform bringt. Aus Kelelas ganz eigener Perspektive.

In Kelelas Erzählung in 14 Albumtracks ist das Beziehungsdrama nur Projektionsfläche für eine Abhandlung über unsere Menschlichkeit. Wer sind wir, wie leben wir mit uns selbst und anderen und wie verzeihen wir? Das sind die Fragen, die Kelela stellt. Das „Wir“ ist dabei ein sehr spezielles. Kelelas „wir“ bezieht sich in erster Linie auf queere, schwarze Frauen. Und dann erst auf die restliche Gesellschaft.



I’m wanting to make it safe for black women in particular, for queer black women even more specifically. I’ve been saying this to everybody, but if it’s safe for us, then it will be safe for you and safe for everybody else. But the things that I need in order for it to be feeling good at my list is gonna be way, way longer, because the world is not made for me - or this Western world is not thinking about me first.


Aber rewinden wir erstmal. Wer ist denn überhaupt Kelela?


Kelela ist die Tochter äthiopischer Einwanderer, die in Maryland aufwuchs. Schon als Kind performte sie vor ihrer Familie Whitney Houston Songs, spielte Geige im Schulorchester, war Teil einer Indie- und später Prog-Rock-Band und brach dann schließlich mit zwei Mixtapes über die amerikanische Alt-RnB Szene herein.

Kelelas Sound ist - im Bezug auf Gesang - klassischer RnB in der Tradition der Größen die vor ihr kamen: Aalyiah, Janet Jackson, Beyoncé, Whitney Houston oder die Jazz-Sängerin Betty Carter. Wobei der Fokus nicht auf den technischen Fertigkeiten liegt, sondern eher auf der Übermittlung von Emotionen und Stimmung.



Kelela holt sich aber auch Inspiration bei Pop-Heldinnen aus anderen Gefilden, wie beispielsweise Björk, die sich mit ihr den „Weirdoappeal“ teilt. Wobei Kelelas Auftritt doch etwas glattgebügelter und braver ist, als der einer aufkommenden Björk.

Im „LMK“ Video präsentiert Kelela ihre lupenrein ausgetüftelte visuelle Identität. 90s inspirierter HipHop- und RnB-Style, der fest in der New Yorker queeren Club-Sub-Kultur verankert ist. Ghetto Gothic (GHE20G0TH1K), Future Sounds und Afrofuturismus sind nur einige der Buzzwords, die einem da in den Kopf schießen. 



Kelelas „retro-futuristischer“ Look bildet das Bindeglied zwischen ihrem Gesang, der sich auf die 90er beruft, und den experimentellen Instrumentals. Kelelas elektronische und kontemporäre Produktion entsteht gemeinsam mit Kollaborateur/innen, wie Arca, BokBok, Le1f, Romy Madley Croft von The XX oder Jam City. Und wie ihre Peers repräsentiert Kelela eine neue Riege an Musikschaffenden, die sich vom Underground-Club und ihren Laptops inspirieren lassen. Eine Melange aus spacigem Pop, dunkler Electronica und abstrahierten RnB Sex Jams.



Das was Kelelas Sound ausmacht, ist somit das Zusammenspiel von entspannten Vocals und aufgekrazten, pompösen Beats. Ein musikalischer Dialog über Stärke und den Mut zur Schwäche. Der auf „Take Me Apart“ von Kelela zum ersten Mal so koheränt vorgetragen wird.

Kelela Gesicht

Warp

Kelela erschafft Pop-Hymnen für Marginalisierte. Songs, durch deren Mitsingen man sich bestärkt und verstanden fühlt. So wie mit der „Take Me Apart“ Single und dem Eröffnungstrack des Albums „Frontline“. Ein Song über das Schlussmachen und der Startschuss der Geschichte, die uns Kelela auf ihrem Debüt in 14 Tracks erzählt. Der passendsterweise auch seine Premiere in einer Folge der HBO Serie Insecure feierte. Eine Show von und für afro-amerikanische Frauen. 



Kelela "Take Me Apart" Album Cover

Warp

„Take Me Apart“ ist am 6. Oktober auf Warp erschienen.

Kelelas „Take Me Apart“ und ihre gesamte Karriere als Alternative-RnB-Künstlerin ist dabei mehr, als die Summe ihrer Teile. Ja, sie singt vom Break Up, dem Herzschmerz, der dem Beziehungs-Aus folgt, das unangenehme Sich-übern-Weg-laufen, One Night Stands haben und wieder Freunde mit dem/der Ex werden, aber eigentlich geht es da um mehr. Selbst wenn Kelela auf „LMK“ beteuert „It ain’t that deep“, ist es genau das: tiefgründig.

Kelelas Musik ist selbstbestimmter Pop, der auf den Schultern der schwarzen, weiblichen Powerballaden der 80er und 90er und dem Jazz- und Gospelgesang der Jahrzehnte davor steht.

Sie erfindet zwar weder den Lovesong neu, noch ist sie die erste, die das Politische darin freigräbt, aber indem Kelela ihre Geschichte aus ihrer Perspektive erzählt, macht sie Representationsraum auf. Eine musikalische Oase in der man sich verstanden fühlen kann - und wo zufällig nebenbei auch noch die aktuelle Renaissance des RnB und dessen Style gefeiert wird.

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