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In „Shadow of War“ kehren wir nach Mittelerde zurück

Wer Sehnsucht nach dem „Herrn der Ringe“ hat, kann sich in „Middle-earth: Shadow of War“ eine riesige Portion Tolkien-Nachschub holen.

Von Rainer Sigl

Gruk der Herzlose hat Pech. Zum zweiten Mal läuft mir der riesige Orkhäuptling mit seiner knallroten Kriegsbemalung heute schon über den Weg, und zum zweiten Mal mache ich kurzen Prozess mit ihm. Ein paar Schwerthiebe und ein gezielter Schuss auf ein explosives Fass hinter ihm - und schon ist das Ungetüm besiegt. Als ich ihm kurz darauf wieder begegne, ist sein Kopf einbandagiert, aber seine Brandwunden haben ihn noch wütender gemacht. Das Leben ist hart im Spiel “Middle-earth: Shadow of War”, zumindest für Orks wie Gruk.

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“Shadow of War” ist der zweite Teil des Actionspektakels, das in der Welt von “Der Herr der Ringe” spielt, und eigentlich ist fast alles genauso wie im ersten Teil. Es gibt eine riesige, offene Spielewelt, eine trotz allem Bombast eher belanglose Handlung mit aus den Filmen und Büchern bekannten Figuren und natürlich: die Orks. Die sind, wie schon im ersten Teil, der Grund, warum “Shadow of War” aus der Masse anderer Open-World-Spiele heraussticht.

Orks sind auch nur Menschen

Orkhäuptlinge wie Gruk der Herzlose sind in “Shadow of War” nämlich nicht nur Kanonenfutter, sondern führen quasi ein Eigenleben. Sie merken sich, wenn sie uns besiegt haben oder geschlagen worden sind, bekämpfen ihre Kollegen und sind jeder für sich ziemlich einzigartig gestaltet. Das sogenannte Nemesis-System sorgt im Spiel dafür, dass sich aus den wiederkehrenden Begegnungen mit den Orks ganz eigene kleine Beziehungen ergeben, die sich unter Umständen über das ganze Spiel erstrecken können. Auch diesmal können wir sie nämlich etwas später im Spiel auch unter unsere Kontrolle bringen, und dann kämpft Gruk der Herzlose irgendwann widerwillig an unserer Seite.

Eine der großen Innovationen im Vergleich zum Vorgänger sind die beeindruckenden Belagerungen, in denen uns Verstärkung in Form von befreundeten Orks gerade recht kommt. Sie sind der - späte - Höhepunkt in einem Spiel, das uns, wie die meisten Open-World-Spiele, auch sonst mit Beschäftigungsangeboten förmlich überhäuft: Neben den die Handlung vorantreibenden Story-Missionen gibt es praktisch immer Dutzende optionale Aufgaben, mit denen wir unsere Zeit in Mordor verbringen können.

Im Zentrum steht allerdings immer der ziemlich blutige Nahkampf, für den wir uns mit vielen freischaltbaren Fähigkeiten immer besser rüsten, bis wir irgendwann zum fast unüberwindbaren magischen Superhelden geworden sind. Das Kampfsystem ist dabei wieder stark von Batman-Spielen der „Arkham“-Reihe inspiriert und sorgt mit diesmal etwas stärkeren Gegnern dafür, dass wir uns trotzdem nicht allzu siegessicher sein dürfen.

Shadow of War

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Ein Vollpreisspiel mit Mikrotransaktionen

“Shadow of War” ist wieder ein bombastisches Action-Spiel geworden, in dem man sich tagelang verlieren kann. Dass die Geschichte vom Tonfall her eigentlich etwas zu blutig für die große literarische Vorlage ist, und die Macher auch meinten, die aus dem Original bekannte Monsterspinne Shelob im Spiel zur Gestaltwandlerin in Form einer sexy Lady machen zu müssen, stört dabei weniger als die ebenfalls neu dazugekommenen optionalen Mikrotransaktionen, mit denen man sich gegen echtes Geld Vorteile im Spiel erkaufen kann.

Das aus Free2Play-Titeln wie „Hearthstone“ bekannte System der „Lootboxen“, mit denen man quasi die Katze im Sack kauft und jedes Mal auf das besonders rare Item oder den besonders mächtigen Ork-Unterstützer hofft, wird vor allem im Endgame verführerisch, wenn sich die Wahl zwischen langem Grinding oder dem schnellen Kauf stellt - ein unschöner Trend, dass sich diese Gamedesign-Entscheidungen nun auch in Vollpreisspiele einschleichen.

“Middle-earth: Shadow of War” ist für Windows, PS4 und Xbox One erschienen.

Abgesehen davon ist “Shadow of War” ein gelungener weiterer Ausflug nach Mittelerde - und das vor allem wegen Figuren wie Gruk dem Herzlosen. Denn mal ehrlich: Die sich aus dem Spiel von selbst ergebenden Beziehungen zwischen uns und unseren orkischen Intimfeinden sind hundertmal spannender und überraschender als jene zu den pathetischen Weißbroten, die in der Story eigentlich auf der Seite des Guten stehen.

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