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The OOZ

King Krule im Interview über sein neues Album The OOZ, Rotz in der Kehle und Psychobilly im Blut.

Von Christian Lehner

„Indulging“ ist das Wort, das Archy Ivan Marshall beim Interview mehrmals in den Raum bläst wie Rauchringe - tief versunken in einem Polstermöbel aus einer längst vergangenen Zeit. Der 23-Jährige wirkt müde und doch hellwach. Wir sitzen im Whiskey Room des Michelberger Hotel an der Warschauer Straße in Berlin. Archy sondert den Duft einer durchzechten Nacht aus - ein Eindruck, der sich im Gespräch bestätigen sollte und auch so einiges mit dem Konzept seiner neuen Platte zu tun hat.

Der Whiskey Room ist wie gemacht für diese junge Erscheinung mit den Vintage-Klamotten und der alten Stimme. Das Grammophon wird neugierig begutachtet. Die Holzvertäfelung und das Mobiliar wirken wie die Kulisse einer dieser britischen Adels-Serien. Meine Kamera freut sich.

Als Musiker kennt man Marshall u.a. als King Krule, als Produzenten und Songwriter zwischen Rap, Spoken Work, (Post-) Punk und Jazz. Diese Mischung geht so gut zusammen, dass man den Rotschopf bei der Veröffentlichung seines Debütalbums „16 Feet Beneath The Moon“ (2013) trotz bemühter Vergleiche mit Tom Waits, Joe Strummer, Billy Bragg und Nick Cave als Stimme seiner Generation bezeichnete. Da war Archy gerade einmal 19 Jahre alt.

Kring Krule, The OOZ

Christian Lehner

Nach The Streets und Jamie T. hatte London wieder einen Straßenpoeten, der mit offenen Augen, viel Wut im Bauch und großem Talent im Herzen durch die Straßen wandelte. Trotz Megahype griff King Krule aber nicht nach den Sternen. Er zog sich noch mehr in sich selbst zurück und sagte Kollabo-Anfragen von Stars wie Kanye West ab. Das neue Album „The OOZ“ benötigte vier Jahre bis zur Fertigstellung.

16 Stücke lang wechselt sich über Kopfsteinpflaster stolpernder Rockabilly mit todesbleichen Cool-Jazz und Downbeat-Stücken ab. Es tanzen Zombies durch ein durchgentrifiziertes, von Terror und Brexit geplagtes London. Wer sich gern auf und in Musik ausruht, ist definitiv falsch bei King Krule.

An allen Ecken und Enden zieht und zerrt „The OOZ“ an den Nerven. Nur die Liebe einer mysteriösen Spanierin lässt uns kurz innehalten. Doch oh weh, schon ist King Krule wieder verlassen und wandelt einsam durch die Straßen Südostlondons. What happend, young man? King Krule grinst müde. Film ab.

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