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Online-Dating macht uns offener

Paare, die sich im Internet kennenlernen, bleiben länger zusammen, schreiben zwei Forscher in einer aktuellen Metaanalyse. Online-Dating fördere zudem den Abbau von Diskriminierung und Ungleichheit.

Schon bevor es das World Wide Web gab, wurden Computernetzwerke (BBS-Systeme, BTX usw.) von ihren Userinnen und Usern zur Partnersuche benutzt. Ab den Neunziger Jahren machten Websites wie match.com oder love.at und in jüngster Zeit vor allem Smartphone-Apps wie Tinder daraus ein Massenphänomen.

Wie verändert Online-Dating unsere Gesellschaft? Diese Frage haben sich die beiden Ökonomen Philipp Hergovich (Insitut für Volkswirtschaftslehre, Uni Wien) und Josué Ortega (University of Essex) gestellt.

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Cornell University Library

Quelle: Josué Ortega and Philipp Hergovich (2017): The Strength of Absent Ties: Social Integration via Online Dating

In der Vergangenheit fanden meistens Paare zueinander, die bereits vorher durch das gesellschaftliche Umfeld verbunden waren - etwa durch den Freundeskreis, das schulische Umfeld, den Arbeitsplatz oder die Nachbarschaft. Online-Dating habe dieses Muster verändert, schreiben Hergovich und Ortega. Menschen, die einander via Internetplattformen treffen, weisen größere Durchmischung hinsichtlich ihres ethnischen Backgrounds auf.

Ihre Studie bezeichnet Hergovich als Metaanalyse, da sie sich an den aggregierten Daten mehrerer amerikanischer Untersuchungen orientiert. Unter anderem geht daraus hervor, dass Online-Dating heute die dritthäufigste Art ist, wie Paare zueinanderfinden, und auch ein Drittel aller geschlossenen Ehen kommt durch Online-Dating zustande.

Ehepartner, die sich online kennengelernt haben, lassen sich weniger häufig scheiden, als Pärchen, die sich zuerst in der physischen Welt, also etwa in einer Bar oder am Arbeitsplatz, getroffen haben - und das, obwohl man durch Online-Dating häufiger Menschen kennen und lieben lernt, die nicht aus dem eigenen Kulturkreis kommen. Viele Ergebnisse seien aus ökonomischer Sicht interessant, sagt Hergovich: „Wir haben anhand der Daten zum Beispiel herausgefunden, dass die Jobchancen einer schwarzen Person, die mit einer weißen Person verheiratet ist, signifikant ansteigen.“

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Cornell University Library

Quelle: Josué Ortega and Philipp Hergovich (2017): The Strength of Absent Ties: Social Integration via Online Dating

Während bei heterosexuellen Menschen ein knappes Drittel aller Paare durch Websites und Apps zusammenfinden, sind es bei homosexuellen sogar 70 Prozent. Für sie ist Online-Dating heute also die häufigste Art der Beziehungsanbahnung.

Die aggregierten Daten zum Online-Dating werden von Hergovich und Ortega analysiert und in volkswirtschaftlichen Modellen interpretiert. Es sei natürlich schwierig, einen einzigen kausalen Zusammenhang herzustellen, sagt Hergovich, und das würden sie mit ihren Modellen auch nicht versuchen. Sie wollten aber zeigen, dass auch Online-Dating ein geeigneter Mechanismus sei, um das Zusammenwachsen von Menschen unterschiedlicher Kulturkreise zu erklären: „Zum Beispiel sehen wir einen starken Anstieg von interracial marriages in den USA. Auch in Österreich hat sich der Anteil der Ehen, in denen ein Partner Österreicherin oder Österreicher und der andere Nicht-Österreicherin oder Nicht-Österreicher ist, im Betrachtungszeitraum von 1995 bis 2015 von 12 Prozent auf circa 22 Prozent fast verdoppelt. Wir stellen also fest, dass die Gesellschaft durchmischter wird.“

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Cornell University Library

Quelle: Josué Ortega and Philipp Hergovich (2017): The Strength of Absent Ties: Social Integration via Online Dating

Anhand ihres Modells stellen Hergovich und Ortega die These auf, dass sich Online-Dating positiv auf die Diversität der Gesellschaft auswirkt, indem es zum Abbau von Ungleichheiten und Diskriminierungen beiträgt. Die beiden Volkswirte räumen ein, dass Online-Dating wahrscheinlich nicht die einzige Ursache für diese Entwicklung ist und wollen ihre Forschung in diese Richtung, auch hinsichtlich romantischer Beziehungen in sozialen Netzwerken wie Facebook, fortsetzen.

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