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Screenshot aus "Bendy and The Ink Machine"

TheMeatly Games

Die Tinte des Todes

„Bendy and the Ink Machine“ erzählt die durchtriebene Geschichte von zum Leben erweckten Cartoon-Figuren. Innerhalb weniger Monate wurde aus einem kleinen Indie-Game ein großer Publikumserfolg.

Von Robert Glashüttner

Es ist immer wieder faszinierend, wenn verquere Indie-Projekte plötzlich zu großen Hits werden. In der Games-Welt ist naturgemäß „Minecraft“ das große Vorzeigebeispiel, aber es gibt auch andere Fälle. Dieses Jahr ist ein kleines Horror-Spiel zu großem Ruhm gelangt, und zwar die durchtriebene Geschichte von Cartoon-Charakteren. Blut wird zu Tinte in „Bendy and the Ink Machine“ und das ist in diesem Fall nicht minder erschreckend.

Der historische Hintergrund des Spiels ist vermutlich die lebenslange Fehde zwischen den Cartoonisten Walt Disney und Max Fleischer. The Game Theorists breiten diese Vermutung ausführlich aus.

In „Bendy“ besuchen wir ein verlassenes Zeichenstudio, finden aber bald heraus, dass es gar nicht so verlassen ist, wie es zuerst aussieht. Gekommen sind wir, weil uns ein ehemaliger Arbeitskollege einen Brief geschrieben und eingeladen hat. Wir sollen kommen und uns etwas besonderes ansehen. 30 Jahre sind vergangen, seitdem Henry und Joey Drew zusammen an Cartoons gearbeitet haben. Das Game beginnt unmittelbar nach unserer Ankunft im Studio, und fortan laufen wir als Henry durch verwinkelte Räume und werden schon bald Zeuge seltsamer Begebenheiten.

Gute Präsentation, maues Spiel

Bendy ist die Hauptfigur der Joey Drew Studios: eine Art Micky Maus mit spitzen Ohren und einem zähnereichen Grinser. Nicht nur Bendy und ihre FreundInnen, sondern das ganze Zeichenstudio und die Umgebung im Spiel werden in Cartoon-Grafik dargestellt. Der Ersteindruck von „Bendy and the Ink Machine“ ist toll: Der unverwechselbare Grafikstil und die Gruselatmosphäre bilden ein gutes Fundament. Spielerisch ist Bendy aber erst mal langweilig: Wir müssen beliebige Gegenstände und Schalter finden, um weiterzukommen. Man muss einige Male jeden Winkel erkunden, bis alles beisammen ist - und kurz danach ist der erste Teil des Spiels auch schon wieder vorbei.

Spielbare Old-School-Cartoons stehen in der Gameskultur derzeit hoch im Kurs: Auch „Cuphead“ ist beliebt und kommerziell erfolgreich.

Auch der zweite Teil von „Bendy“ ist spielerisch maximal durchschnittlich und dauert nur rund 20 Minuten. Aber trotz der spielerischen Durchschnittlichkeit erlebt das Game im vergangenen Frühjahr einen Aufmerksamkeits-Boom: Die einprägsamen Charaktere von „Bendy and the Ink Machine“ machen im Netz die Runde, erste Fan-Arbeiten entstehen, Merch-Ware taucht auf, und ein inoffizieller Song über das Spiel steht heute – nicht mal neun Monate nach der Erstveröffentlichung – bei unglaublichen 63 Millionen Views.

Actionreicher dritter Teil

Vor kurzem ist der dritte von insgesamt fünf Bendy-Teilen erschienen: Er ist auffallend länger als die ersten beiden Teile und auch wesentlich actionreicher: Wir kämpfen gegen abscheuliche Tintenmonster und erfahren auch mehr über andere durchgedrehte Cartoon-Charaktere - etwa Alice Angel, eine alternative Version von Betty Boop.

Mike Mood, das Mastermind hinter „Bendy“, beschreibt den großen Durchbruch des Spiels als glückliche Fügung. Tatsächlich wirkt es so - ähnlich wie bei „Minecraft“ - als ob keinerlei Marketing-Stunts hinter dem Erfolg des Spiels liegen würden. Allerdings geht das sechsköpfige Entwicklerteam verblüffend souverän mit der großen Aufmerksamkeit um: Man füttert die Community regelmäßig mit eigenen Videos, neuen Spielinhalten und natürlich jeder Menge Kaufbarem - dazu gehört ein Deal mit der US-amerikanischen Kleidungskette Hot Topic.

Horror-Erfolgsformel

„Bendy and the Ink Machine“ von TheMeatly Games ist für Windows, Mac OS und Linux erschienen.

Horror-Games erleben vor allem wegen Youtube und Let’s Plays schon seit Jahren eine hohe Popularität. Spielerisch müssen sie gar nicht besonders einfallsreich sein, so lange die Stimmung passt. „Bendy and the Ink Machine“ hat dazu noch den Bonus der besonders markanten Cartoon-Figuren und einer ausgeklügelten Geschichte. Wäre kein Wunder, wenn wir in den nächsten zwei Jahren einen richtig aufwendig produzierten zweiten Teil von Bendy sehen würden.

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