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Filmstills aus Good Time mit Robert Pattinson

Polyfilm

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Film: „Good Time“ ist eine Wucht und erfindet Robert Pattinson neu

Das neue Werk der Safdie Brothers ist einer dieser Filme, die einen unvermittelt mitreißen und nicht mehr loslassen. Nicht nur wegen Pattinsons Performance.

Von Jan Hestmann

Die „Twilight“-Saga hat Robert Pattinson zum Weltstar gemacht. Und ihm ein Image verpasst, das hartnäckig glitzernd an ihm haften bleiben sollte. Und auch Filme wie „Remember Me“ oder „Water for the Elephants“ konnten daran nicht wirklich rütteln. Ein Preis, den man angesichts des Ruhmes auch gerne zahlt, könnte man meinen. Doch dann kamen die Gebrüder Safdie.

Filmstart: 3. November 2017

Das New Yorker Regie- und Autorenduo Ben und Josh Safdie ist nicht unbedingt für konventionelles Kino bekannt. Die beiden Independent-Filmemacher stehen für eine unverkennbare, durchaus fordernde Handschrift. In ihrem neuen in Nebel und Neonlicht getränkten Gangster-Drama „Good Time“ (Nomen ist mal wieder nicht Omen) lassen sie Robert Pattinson rastlos durch die raue Nacht irren. Und der, konträr zu seinem Saubermann-Image besetzt, liefert damit nicht weniger als seine bislang beste Performance. Da verschmilzt er mit seinem übergroßen Hoodie, dem ins Gesicht gezogenen Cap und dem ganzen Dreck und Schweiß, der ihn permanent umgibt. An seiner Seite spielt ebenso beeindruckend einer der beiden Regisseure selbst, Ben Safdie.

Filmstills aus Good Time mit Robert Pattinson

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Robert Pattinson als Kleinkrimineller Connie. Sein eindringlicher Blick hat für sein Gegenüber meist nichts Gutes zu bedeuten.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen der Kleinkriminelle Connie (Robert Pattinson) und sein geistig beeinträchtiger Bruder Nick (Ben Safdie). Nick besucht Therapiesitzungen, um seine Wutausbrüche unter Kontrolle zu bringen. Connie hat aber ganz andere Pläne und überredet seinen Bruder schließlich zu einem gemeinsamen Bankraub. Ausgestattet mit übergezogenen Silikonmasken betreten sie seelenruhig die Bank und haben die Beute wenige Minuten später auch schon unter den Armen. Doch dann gerät die Sache mächtig außer Kontrolle. Connie flieht und lässt seinen Bruder zurück. Keine Zeit sich nochmal umzudrehen. Das Schicksal nimmt schon seinen Lauf.

Good Time/ Screenshot Trailer

Good Time/ Screenshot Trailer

Die Brüder Connie und Nick

Fortan folgen wir Connie durch diese eine düstere Nacht, in die „Good Time“ führt. Beim verzweifelten Versuch alles wieder geradezubiegen, stolpert er von einer skurrilen Situation in die nächste und trifft dabei auf ebenso skurrile Figuren, Gestalten der Nacht. Aus manchen dieser Begegnungen entspannen sich neue Geschichten, die Handlungsstränge wirken zufällig und lose aneinandergereiht. Connie ist niemand, mit dem man sich identifizieren will, ein skrupelloser Egomane. Ein Mensch, der anderen schadet, kaum dass er ihnen begegnet ist, ob er will oder nicht. Und trotzdem ist er einziger Bezugspunkt in dieser tiefen Orientierungslosigkeit.

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Infolge einer Aneinanderreihung abstruser Begegnungen in der Nacht freundet sich Connie mit dem Teenager Crystal (Taliah Webster) an.

Den Safdie Brothers ist ein intelligenter Film gelungen, der zugleich eine permanente Hochspannung erzeugt. Einen in den Bann zieht von Minute eins bis zum Abspann. Und begleitet wird diese Hatz von einem stimulierenden, – man könnte sagen - qualvollen Soundtrack, einer kratzigen, artifiziellen Geräuschkulisse, die sich unter die Haut gräbt.

Nein, dieses Regieduo will das Publikum nicht zur Ruhe kommen lassen. Wenn man das erst mal akzeptiert hat, ist ihre Kompromisslosigkeit ein Segen. Aus ihr heraus entfaltet sich Großes, nicht nur, aber eben auch Robert Pattinsons großes schauspielerisches Potential. „Good Time“ ist einer der eindringlichsten Filme des Jahres.

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