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Politisch, ein bisschen utopisch und eine Nicht-Liebesgeschichte

2011 hat Isabella Straub den FM4 Kurzgeschichten-Wettbewerb Wortlaut gewonnen. Nun legt sie mit „Wer hier schlief“ ihren dritten Roman vor.

Von Martina Bauer

Philipp Kuhn ist alles andere als kühn. Er ist im Sicherheitstüren-Business tätig, das ebenso wie der gemeinsame Villen-Wohnsitz seiner Vernunftbeziehung gehört. Ein Magenleiden hat sich ganz von selbst eingestellt. Doch dann, einmal, wagt Kuhn doch etwas. Der Liebe wegen. Aber Myriam Kobalt entpuppt sich als allzu böser Geist, der mehr als nur Schabernack mit ihm getrieben hat.

Isabella Straub schickt ihren (eigentlich Anti-)Helden auf eine Art moderne Odyssee und verankert gleichzeitig eine ganze Reihe sehr aktueller Themen in ihrem Buch: Fitnesswahn und -gebot, Job- sowie Wohnungsverlust, Wohnraumnot, Altenpflege und den Kommunen- und Sharing-Gedanken.

Isabelle Straub

Stefan Schweiger

Isabella Straub

Was, wenn morgen alles anders ist?

Im Email-Interview antwortet Isabella Straub auf die Frage, wie wesentlich es für sie sei, Gesellschaftspolitisches zu transportieren und welche Topics sie persönlich am meisten tangieren: „Mir ist es wichtig, die Geschichte eines Menschen nachzuzeichnen, ihm auf seinem Weg zu folgen. Das Gesellschaftspolitische schwindelt sich von allein rein. (...) Ich drösel die Themen nicht auf, bevor ich zu schreiben anfange, sondern schreibe mit halbgeschlossenen Lidern, und die Geschichte ergibt sich dann. Ein Thema, das mich tatsächlich beschäftigt, ist die Frage: Was, wenn morgen alles anders ist? Was machst du, wenn deine Sicherheiten verschwunden sind und mit ihnen alle Äußerlichkeiten, über die du dich definierst?

Buchcover "Wer hier schlief" Isabella Straub

Blumenbar bei Aufbau Verlag

„Wer hier schlief“ von Isabella Straub ist im Verlag Blumenbar bei Aufbau erschienen. Leseprobe hier.

Buchpräsentationen:

  • 7. November, 20 Uhr, neuebühnevillach (Lesung zusammen mit Miriam H. Auer & Musikbegleitung)
  • 11.November, 12.30 Uhr, Buch Wien/Wasnerin-Bühne.

Mit „Wer hier schlief“ wollte die Autorin zwar eine Abstiegsgeschichte schreiben, „allerdings sollte sie nicht in eine klassische Obdachlosen-Story münden, sondern in ein neues Konzept eines Lebens ohne Mittel, wenn man so will.“ Kreiert hat Straub so die SUHOS (Suddenly Homeless), eine sozial agierende und engagierte Gruppe moderner Nomaden, mit allerdings leichten Tendenzen, übers Ziel hinauszuschießen. Nur soviel: Bei ihnen wird Protagonist Philipp Kuhn gewissermaßen Unterschlupf finden.

Apropos Kuhn. Isabella Straub arbeitet viel mit Benennungen, Bildern, Symbolen. Abgesehen von den hier bereits genannten sind das auch sämtliche Adressen im Buch. Die Autorin: „Es ist Wien und Nicht-Wien. Ein Parallel-Wien sozusagen, in dem die Straßen und Plätze direkt und unmittelbar auf das Schicksal des Protagonisten reagieren. Ich wollte nicht nur zeigen: Was macht die Stadt mit Kuhn? Sondern vielmehr: Was macht Kuhn mit der Stadt?“

Ein feiner Gedanke. Die Autorin ist Anhängerin des radikalen Konstruktivismus: „Es gibt so viele Welten, wie es Menschen gibt.“ Ansiedeln würde Straub ihren Roman übrigens in der nahen Zukunft, „in der auch eine Art Bettgehertum wieder auflebt und jeder, der ein Bett/freies Zimmer hat, es vermietet. Es sind für mich Konzepte, die knapp an der Realität vorbei sind, so wie dieses Parallel-Wien insgesamt oder die Parallelgesellschaft der SUHOs.“

Jetzt darfst du

Von Beginn an vermag die Story hineinzuziehen und bleibt, trotz ihrer ernsten Thematiken, durchwegs leichtfüßig. Einzig die Symboliken scheinen manchmal allzu stark.

Straub führt uns durch schillernde Begegnungen, lässt immer wieder Kleinod-Sätze fallen und (er)findet einmal mehr eine schöne Art, sich in ein Haus Eintritt zu verschaffen. Was mich sofort an ihren Wortlaut-Gewinnerinnen Text von 2011 erinnert hat. „Herr Jesus springt“, meint Isabella Straub im Email-Gespräch, „war für mich so wie die Legitimation: Jetzt darfst du.“

Die Geschichte ging dann auch in ihren Debütroman „Südbalkon"(2013) ein, es folgten 2015 "Das Fest des Windrads“ und jetzt eben „Wer hier schlief“. Zu neuen Plänen lässt die Autorin hören, dass sie sich an einem Theaterstück versuche und ihr als nächstes, größeres Projekt ein Familienroman vorschwebe.

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