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Die Sängerin Chavela Vargas

Polyfilm-Verleih

Film

Ein Porträt der großen Sängerin

Sie hat die Männer von Mexiko City unter den Tisch gesoffen und hätte sie auch locker von der Bühne gesungen. Die große Künstlerin in einem würdigen filmischen Porträt.

Von Anna Katharina Laggner

Sie war ein niña niño, ein Mädchenbub, das/den die Eltern versteckten, wenn sie Besuch hatten. Sie war die erste Frau in Mexiko, die Hosen getragen hat. Sie fand es toll, sich mit purem Tequila besinnungslos zu trinken. Sie hat sich als lesbische Frau in der frauenfeindlichen, männerdominierten Musikszene Mexikos der 1960er Jahre behauptet und ist als Interpretin der traditionell von Männern gesungenen Rancheras berühmt geworden.

Chavela Vargas’ persönlicher Einsatz dafür war eine zur Papaya aufgeschwollene Leber - erst im fortgeschrittenen Alter hat sie sich getraut, nüchtern aufzutreten. Die großen Bühnen Mexikos blieben Vargas vierzig Jahre lang versagt. Man wusste im katholischen Mexiko nicht so recht, wie umgehen mit diesem aus dem Versteck ausgebrochenen Mädchenbub.

Die Sängerin Chavela Vargas

Polyfilm-Verleih

Der Dokumentarfilm „Chavela“ schöpft aus reichhaltigem Material. Allem voran Konzertaufnahmen, die eine Idee von jener Kraft vermitteln, mit der Chavela Vargas das Leid, die Einsamkeit, die Tragik der Liebe besungen hat. Nicht eine Sekunde würde man sie mit den Ei-Jei-Jei-ich-bin-so-unglücklich-Mariachi-Straßensängern in Verbindung bringen.

Die Sängerin Chavela Vargas

Polyfilm-Verleih

„Sie war die wichtigste Frau für uns Lesben in Mexiko“, sagt eine ehemalige Freundin, die für den Film interviewt wurde. Von Chavela Vargas selbst findet ein Interview Eingang in den Film, das zwei junge Frauen mit ihr geführt haben, als sie 72 Jahre alt war.

Zu diesem Zeitpunkt hatte sie ihren Alkoholismus („sie war eine sehr, sehr, sehr schlimme Alkoholikerin", sagt ihre langjährige Partnerin, die sie nur „La Señora“ nennt) überwunden, trat nach zwanzigjähriger Live-Absenz auf den größten Bühnen Mexikos auf, hatte nicht zuletzt dank Pedro Almodóvar (der ihre Lieder in seinen queeren melodramatischen Filmen einsetzte) eine Blitzkarriere in Spanien gemacht und alle Machos von Mexiko City in den Schatten gestellt („Chavela hat mit ganz Mexiko geschlafen“, heißt es im Fim, sie selbst erwähnt nur, dass sie nach einer der Hochzeiten von Elisabeth Taylor neben Ava Gardner aufgewacht sei).

Die Sängerin Chavela Vargas

Polyfilm-Verleih

Mit 72 Jahren und während dieses Interviews in ihrer Wohnung konnte sie altersweise sein, kokett in der Beantwortung nach Fragen über ihr Lebensleben und freudig darum bemüht, am eigenen Mythos zu feilen. Dieses Interview bildet das Herzstück eines Portrait-Filmes, der einen, spätestens in den letzten Szenen, zu Tränen rührt.

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