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Taylor Swift

Big Machine Records

Turbulenzen im Rampenlicht

Alles fiepst und hupt und summt und brummt auf „reputation“, dem sechsten Album von Taylor Swift.

von Philipp L’heritier

Taylor Swift hat die Inszenierung vom Popstar hin zur endgültigen Kunstfigur perfektioniert. Und dann nach ihrem fünften, 2014 erschienenen und noch sehr guten Album “1989” über die Maßen überreizt. Selbst Menschen, die Swift einst wohlgesinnt waren, dürften mittlerweile ein bisschen genug von ihr haben.

Taylor Swift schaut uns aus allen Medien an, präsentiert sich als eitle Königin, hängt mit ihrem Squad aus Supermodels einzig im Rampenlicht ab und sorgt für Gossip und Beef am Fließband. Die Musik gibt es halt auch.

Das gerade erschienene, sechste Album von Taylor Swift nennt sich nun “reputation” - immer klein geschrieben, schaut cool aus. Swift sagt uns also gleich im Titel recht naseweiß, dass sie sich ihrer Position bewusst ist. Sie ist im Stande, sich selbst zu hinterfragen und spielt das Game mit dem Fame, dem Ruf und dem Status nach ihren eigenen Regeln. So weit, so unspektakulär. Hundertfach abgeklopft, das Thema.

Hochglanzpop

Produziert haben “reputation” die zwei Herren, die alle Platten produzieren: Jack Antonoff (Lorde, Charli XCX, P!nk u.v.m.) und Max Martin (alle), sowie Martins häufiger Partner Shellback. Die Gitarren/Singer/Songwriter-Akzente, die auf “1989” noch immerhin in Restspuren vorhanden waren, haben sich diesmal fast komplett verflüchtigt. Alles hier ist stromlininenförmiger, chromblitzender Hochleistungspop.

Alles fiepst und hupt und summt und brummt. Üppig zusammengeschmolzen aus Sci-Fi-R’n’B, HipHop, Großraum-Diskotheken-EDM und zwei Funken Trap. Digital-Autodrom-Overload, voller Hooks und Hooks und Melodien und ohne Leben. Alles ist Produkt, alles explodiert.

Als Gäste sind unter anderem mit dabei: der Rapper Future und Wuschelboy Ed Sheeran. Anhand dieser Auswahl kann man sich schon so seine Gedanken machen. Es wabert und blubbert und sprüht. Die letzte Leere, meisterlich zusammenkonstruiert, kleben bleibt kaum etwas.

Taylor Swift selbst verschwindet komplett hinter dem Konstrukt, da atmet nichts mehr. Das sind Lieder, die vielleicht von Rihanna, Christina Aguilera oder Britney Spears nicht gesungen worden sind. Materialschlacht und Spaceship-Start. Autotune-Wahnsinn.

Wege zum Ruhm

Taylor Swift hat sich zum Cyborg hochdesignt und sie singt von den blöden Erwartungshaltungen, die die Öffentlichkeit, die Medien und alle von ihr haben. Hier wird die ultimative Künstlichkeit erschaffen. Taylor Swift weiß, dass die Welt versucht, aus ihren Liedern verflossene Liebschaften und Affären herauszulesen, ein echtes Leben nachzukonstruieren. Taylor Swift aber entzieht sich. Das ist die Strategie, die sich anbietet.

Swift singt vom Aufruhr in sozialen Medien, von Gerüchten, Lügen und falschen Vorstellungen. Vom Druck, aber auch vom gewieften Tricksen mit all den Zwängen und öden Routinen, die das Geschäft eben so mit sich bringt. Taylor Swift zahlt den Preis des Ruhms gerne, ab und zu muss aber eben auch gesagt werden, dass sie selbst es ist, die sich das ausgesucht hat und einem dann doch manchmal die Hutschnur hochgeht.

Das ist auch ein großes Problem von “reputation”: Taylor Swift buchstabiert hier alles zigmal durch und stellt ihre Einsichten gar stolz aus. Wir haben es verstanden. Taylor Swift beherrscht das Bluffen mit Spiegeln und Rauch.

“reputation” von Taylor Swift ist eine Platte über Platten, über Musik und Kunst, inmitten des ganzen Bombasts und Pomps, der größenwahnsinnigen Flucht nach vorn, sind Swift und ihren Kollaborateuren leider nicht allzuviele richtig gute Lieder eingefallen.

Das ist eine Platte als Statement, vielleicht auch ein Endpunkt und Befreiungsschlag. Jetzt kann Taylor Swift erlöst wieder gute Platten machen.

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