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Leihräder in Wien

Hubert Kickinger

Wie geht’s weiter mit den Freeflow-Leihfahrrädern in Österreich?

Gelbe und orange Leihräder stehen seit August in Wien herum. Die Parkmoral der Benutzer_innen soll mit Anregung und Bestrafungen verbessert werden. Und ab Frühling soll es die Bikes auch in anderen österreichischen Städten geben.

Von Irmi Wutscher

Anfang August haben gelbe und orange Fahrräder Wien überflutet. Gleich mehrere Anbieter haben begonnen, in der Bundeshauptstadt Fahrräder auf den Straßen zur Verfügung zu stellen. Das sind Leihfahrräder von internationalen Start-Ups namens OFO, oBikeund Donkey Republic, die in Wien eingeführt wurden. Mittels Handy-App kann man diese Fahrräder lokalisieren, bezahlen und entsperren. Wenn man am Ziel ist, lässt man bei den Anbietern OFO und oBike das Fahrrad dort, wo es ist, einfach stehen. Anders funktioniert das bei den Wiener Citybikes: die muss man sich bei einer Station ausleihen und auch wieder bei einer Station zurückgeben.

Die Radlobby hat die Einführung dieser „Free-Flow“-Fahrräder in Wien genau beobachtet und gleich die verschiedenen Systeme getestet.

„Es ist wirklich eine gute Idee, allen Menschen Fahrräder fast kostenlos zur Verfügung zu stellen, die man überall abstellen und überall holen kann. Es muss halt funktionieren“, sagt Alec Hager. „Und funktionieren heißt, dass nicht-radfahrende StadtbenutzerInnen davon nicht behindert werden dürfen. Wo stehen denn die Räder? Das ist immer die Hauptfrage.“
Und das ist auch die Frage, die am meisten für Ärger gesorgt hat: weil die Fahrräder auf die Innenbezirke konzentriert sind, oft den Platz verstellen oder lange nicht repariert werden. Im August hat es geheißen: Beschwerden werden aufgenommen, die Firmen schauen einmal wie das Ganze funktioniert, und dann wird man sehen, wie es weiter geht.

Leihräder in Wien

Hubert Kickinger

Erste Bilanz: die Bikes bleiben

Eine der drei Fahrradleihfirmen in Wien, die Firma oBike, hat eine erste Bilanz gezogen und einen Ausblick gegeben, wie es mit den Free-Flow Fahrrädern weitergehen soll. Zum Status Quo sagt Geschäftsführer Daniel Junge: „Wir werden die Anzahl der Fahrräder jetzt nicht erhöhen, sondern in Gespräche mit der Stadt gehen und versuchen, die aktuellen Probleme zu lösen.“

oBike stellt seit August 800 Räder auf Wiens Straßen zur Verfügung. Mit den Mitbewerbern sind es insgesamt 4000 solcher Räder, schätzt die Mobilitätsagentur der Stadt Wien. Zwei MitarbeiterInnen hat oBike in Wien, die für 800 Fahrräder zuständig sind. Viel zu wenige, ärgert sich Alec Hager von der Radlobby: „Dass man denkt, dass man mit zwei Mitarbeitern in einer fast Zwei-Millionen-Stadt mit einer riesigen Fläche mehr als 800 Fahrräder betreuen kann. Das kann nicht funktionieren! Mir kommt vor, die sind nur damit beschäftigt, neue Räder auf die Straße zu stellen. Citybike Wien hat einen deutlich höheren Mitarbeiter-Stand und nicht viel mehr Räder.“

Das Problem mit der Moral beim Fahrradabstellen haben alle diese Fahrrad-Apps. OFO hat mittlerweile eine Tafel im Fahrradkorb angebracht, wo erklärt wird, wo und wie man das Fahrrad abstellen darf. oBike arbeitet mit einem Bonus-Malus-System. Wer brav ist, dem oder der winken Bonusfahrten. Wer schlimm ist und das Fahrrad die ganze Zeit falsch parkt, der oder die kann gesperrt werden. Ein Rush-Hour-System wie bei anderen Mobilitätsapps, wo das Service zu beliebten Zeiten mehr kostet, gibt es bei den Radanbietern nicht.

Was ist mit dem Datenschutz?

Weil in solchen Apps viele Daten gesammelt werden, gibt es auch die Befürchtung, dass das Verkaufen der Daten das eigentliche Geschäftsmodell der Rad-Apps sein könnte. In China passiert das schon, die RadlerInnen bekommen Werbung passend zu ihren täglichen Routen aufs Telefon. Dazu sagt Geschäftsführer Daniel Junge „Wir verkaufen keine Daten“. Denn die Datenschutzgesetze in der EU sind sehr streng. Das sieht auch Datenschützer Max Schrems so, sagte er im August zu ORF Help. Er gibt aber zu bedenken, dass das auch bei Facebook am Anfang das Datensammeln noch nicht so stark gewesen sei.

Daniel Junge von oBike sagt, er würde für die Zukunft nicht ausschließen, dass die Daten „intern“ benutzt werden – etwa für Werbung in der App. Anonymisiert werden die Daten auch benutzt zur Infrastrukturplanung. „Das sind unpersonalisierte Daten, die wir auch den Städten zeigen“, sagt Junge. „Zum Beispiel Heat Maps – wo es den meisten Verkehr gibt – oder Aufzeichnungen, wo die CO2-Reduktionen am größten sind.“

Expansion in alle Städte Österreichs

Die Leihradln bleiben also in Wien. Und zumindest oBike plant, in Österreich größer zu werden: „Mein Ziel ist es im Frühjahr in Österreich in jeder Stadt präsent zu sein“. Konkret nennt Daniel Junge Graz, Linz, Salzburg und Innsbruck.

Die Radlobby ist da nur mittelbegeistert. Denn Städte wie Graz Linz und Salzburg planen gerade, Bikesharing-Systeme einzuführen und müssen jetzt überlegen, sagt Alec Hager: „Nehme ich den Privatanbieter aus Singapur oder China, der mir jetzt was hinstellt, das vielleicht in einem Jahr wieder weg ist und in der Zwischenzeit nur stört? Oder mache ich mir ein eigenes System, das Steuergeld kostet aber vielleicht besser ist? Oder gibt es eine Basis auf der man mit den Privatanbietern ein gutes System etablieren kann?“

Eine Basis für letzteres wäre, dass Städte die Leihsysteme lizensieren können, die sich an gewisse Regeln halten. Dazu gibt ein Positionspapier der European Cyclists Federation, das die Radlobby auch für Österreich unterstützt. Da werden Dinge empfohlen, wie: Mindeststandards bei den Rädern, regelmäßige Wartung oder eine bedarfsorientierte Verteilung.

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