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Großdemonstration gegen die blau-schwarze Regierung Schüssel 1:  Luftaufnahme vom 19.2.2000 auf die Demonstrantenmengeam Ring vor dem Parlament

APA/JÄGER Robert

Protestsongs gegen Schwarz-Blau vor 17 Jahren

Der Rechtsruck unter der ersten schwarz-blauen Bundesregierung im Jahr 2000 markiert einen Wendepunkt in der jüngeren Geschichte Österreichs, den die heimische Musikszene natürlich nicht unkommentiert ließ.

Von Daniela Derntl

Es war eine der größten Protestbewegungen in der Geschichte Österreichs, die sich gegen die schwarz-blaue Bundesregierung unter dem ÖVP-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und der FPÖ-Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer formierte. Am Tag der Angelobung tobten Tausende Demonstranten gegen die fremdenfeindliche und rassistische Politik auf dem Ballhaus-Platz, monatelang wurde im Rahmen der Donnerstagsdemos protestiert. Die EU verhängte Sanktionen gegen Österreich und massiver Widerstand kam auch von Seiten der Kulturschaffenden. Legendär der „Ausländer Raus“-Container von Christoph Schlingensief und die „Widerstandslesungen“ von Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, Marlene Streeruwitz, Hermes Phettberg und vielen mehr.

Auch die heimische Musikszene protestierte gegen Schwarz-Blau. Hier ein kleiner Überblick über die Protestlieder gegen die Regierung Schüssel 1, die von 2000-2003 im Amt war.

Kaputtnicks – „Brief an den Bundeskanzler“

Die Hip-Hop-Formation Kaputtnicks wurde 1999 gegründet. Schon wenige Monate nach ihrem Start veröffentlichten die drei Wiener einen der bekanntesten Protest-Songs gegen Wolfgang Schüssel und Jörg Haider, gegen den die FPÖ auch erfolglos geklagt hat: „Sie sind machtgeil und er verharmlost die Nazizeit, das zeigt, dass ihr zwei geistige Nackerpazis seid.“

Texta – „Widerstand“

„Austrian Flavor“ hieß eine Non-Vocal-Hip-Hop-Compilation, die seit Mitte der Neunziger Jahre von Sabotage Recordings herausgegeben wurde. Doch bei der dritten Ausgabe im Jahr 2000 kam alles anders: Wegen der politisch brisanten Lage konnte man einerseits nicht gänzlich sprachlos – sprich instrumental bzw. sample-basiert – bleiben und andererseits wollte man sich von der Marke Österreich distanzieren. Deshalb hieß die dritte Ausgabe des Samplers „Fried Kutz“, auf dem Texta zum Widerstand gegen Schwarz-Blau aufgerufen haben.

Drahdiwaberl – „Schulterschluss“

Aktionistisch, links und nie ein Blatt vor dem Mund – dafür steht Stefan Weber mit seiner Anarcho-Band Drahdiwaberl. Im Jahr 2000 haben sie das vielleicht härteste Album der Band-Geschichte, „Torte statt Worte“ veröffentlicht. Die Platte ist ein Zeitdokument, die Musik gewordene Donnerstagsdemo, deren Protest-Gesänge auch auf Platte zu hören sind. Schonungslos wettert die dienstälteste Rockformation des Landes (seit 1969) auf zehn Songs gegen die schwarz-blaue Regierung. Die elfte Nummer „Schulterschluss“ handelt von der nazifreundlichen Einstellung Österreichs und wurde, nachdem die FPÖ mit Klagen gedroht hatte, nicht offiziell auf Platte veröffentlicht, sondern inoffiziell auf der Homepage von Drahdiwaberl zum Download angeboten.

Electronic Resistance

Clubkultur hatte nicht immer einen hedonistisch-kommerziellen Event-Charakter, sondern war in ihren Anfangszeiten immer ein Versuch politischer und gesellschaftlicher Neugestaltung. Man war dezidiert gegen Rassismus, Sexismus, Faschismus und Homophobie. Im Bewusstsein dieser Tradition formierte sich auch in der elektronischen Musikszene Widerstand gegen Schwarz-Blau – zum Beispiel im Zuge der Volxtanz-Karawane, die mit ihren Soundsystemen die Demonstrationen beschallte, oder auf dem Sampler „Electronic Resistance“, den die Labelbetreiberin, Produzentin und DJ Electric Indigo im Mai 2000 herausgebracht hat – unter anderem mit dem Peace Orchestra:

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