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Portrait Giovanna und Mario von Mynth

Julie Brass

Großer Pop mit Augenzwinkern

Das zweite Album „Parallels“ glitzert und funkelt, ist federleichter Pop mit melancholischer Erdung. Dem Salzburger Zwillings-Duo Mynth ist ein großer Wurf gelungen.

Von Andreas Gstettner-Brugger

Ein schräges Voice-Sample, trockene Beats und verträumte Synthie-Sounds, dazu die kristallklare Stimme von Giovanna, die von der schmalen Grenze zwischen Traum und Realität erzählt... und dann kommt der Refrain, der mit der dunklen Stimme der Strophe bricht. Es glitzert und funkelt und wie ein in allen Farben schimmernder Regenbogen spannt sich die Hook-Line über die schweren Beats.

Der Eröffnungssong „Smog“ macht schon nach der ersten Minute klar, dass die Zwillinge Giovanna und Mario alias Mynth mit ihrem zweiten Album „Parallels“ großes Popkino im Kopf hatten. Dass es auch wirklich Realität geworden ist, hat mit ihrer tiefen musikalischen Verbindung und mit klaren Vorstellungen zu tun, auf die sie sich schon vor der Produktion einigen konnten.

Die Eckpfeiler eines großen Werks

Für ihr erstes Album „Plaat II“ konnten Mynth dieses Jahr einen Amadeus Award für „Best Electronic/Dance Album“ einheimsen. Doch während bei „Plaat II“ noch hauptsächlich mit Drum-Computer gearbeitet worden ist, wollten Mynth für das neue Album vermehrt „organische Klangkörper“ verwenden. So sind bei „Parallels“ öfter Gitarre, Percussion-Instrumente und vor allem ein richtiges Schlagzueg zu hören, dass entweder den gesamten Groove einer Nummer eingespielt hat oder gesamplet wurde.

Portraitfoto Giovanna und Mario von MYNTH

Kerstin Musl

Dadurch erhalten viele der Tracks ein ungemeines Band- und Live-Feeling. Da wäre zum Beispiel „Beginning End“, eine Nummer die „klein“ anfängt und sich im Laufe von drei Minuten zu einem dahinbretternden Dance-Song aufbaut, bei dem das immer heftiger erklingende Ride-Becken das Barometer für die sich anbahnende Exstase ist.

Bei dem verträumten Track „Rose“, in dem schon zu Beginn zu den sphärischen Synthies die Percussions die Geschwindigkeit vorgeben und dessen wundervoll hoch gesungener Refrain die harmonische Sonne erglühen lässt, setzt in der Mitte trocken und überraschend ein cooler Schlagzeug-Groove ein, der zum bestimmenden Element dieser Popnummer wird.

Ein weiterer Eckpfeiler von „Parallels“ der im vorhinein schon fest gestanden ist war, nicht von einem Sound ausgehend an einer Nummer zu arbeiten, sondern sich den musikalischen Ideen mit Gitarre und Song-Struktur zu nähern. Daher sind die zehn Pop-Perlen recht reduziert worden, wobei hier kein Ton und Sound zuviel ist, sondern seinen gebührenden Platz erhalten hat.

Die Stücke verfolgen ein transparentes Pop-Schema von meist drei Minuten und sind schon beim ersten Hören extrem eingängig. Wobei Giovanna und Mario es gemeinsam mit Produzenten Alexander Wieser geschafft haben, die klanglichen Landschaften mit liebevollen Details und sehr eigenwilligen Sounds aufzubauen.

Albumcover "Parallels" von Mynth

Seayou Records/Mynth

Die neue Platte „Parallels“ von Mynth erscheint am 24. November auf Seayou Records.

Umso erstaunlicher, dass Giovanna und Mario wie bei ihrer EP „Polar Night“ wieder getrennt voneinander an ihren Ideen gearbeitet haben. In Wien und Berlin haben die beiden parallel an der Verwirklichung ihrer Vorstellungen gebastelt.

Wahrscheinlich braucht gerade Giovanna auch diesen Abstand, um ihre selbstreflexiven Texte schreiben zu können. Waren bei „Polar Night“ noch die skandinavische Natur und bei „Plaat II“ der Salzburger Wald die Inspirationsquellen, ist es bei „Parallels“ die Natur der Großstadt gewesen, die Giovanna bewegt hat. So sind auch die Themen andere: Das zuerst sehr balladeske und dann aufbrechende Dance-Stück „Magic“ erzählt von den magischen Momenten, wenn man sich in einer fremden Stadt richtig fallen lassen kann. In „Rose“ stellte sich Giovanna die Frage, was „Schönheit“ ist und ob man sich immer einem Ideal unterwerfen muss. Und bei „Mirrors“ hält sich die Sängerin selbst den Spiegel vors Gesicht und beschreibt ihre unterschiedlichen Gefühle beim Erblicken des Selbst.

Der dritte Eckpfeiler des neuen Albums ist der Wunsch nach mehr Farbe und Leichtigkeit. Verglichen mit dem dunklen „Plaat II“ ist „Parallels“ bunter, nicht nur vom Art-Work her. Auch die Songs pendeln ständig zwischen der von Mynth so sehr geliebten Melancholie und dem beschwingten Hochgefühl des Glücks.

Mynth live in Österreich:

  • 24.03.2018 Wien, Porgy & Bess
  • 31.03.2018 Graz, Orpheum Graz
  • 07.04.2018 Linz, Posthof
  • 14.04.2018 Salzburg, Rockhouse

„I don’t do black / I paint with colours“ heißt es auch in dem vielleicht stärksten Stück der Platte „I Don’t Do Black“, das keck mit 1980er Ästhetik spielt, diese jedoch in die Gegenwart transportiert. So ist auch die Stimme von Giovanna prägnant im Vordergrund, so wie bei ihren Vorbildern und Inspirationsquellen Lana Del Rey, Amy Winehouse oder Lorde.

Die hörbare Leichtigkeit am Album kommt wahrscheinlich daher, dass sich Giovanna und Mario bei all ihrer Leidenschaft selbst nicht ganz so ernst nehmen. Beispiel dafür ist „Honey“, eine süße poppige Tanz-Ballade, die durchaus an internationale Produktionen anschließen kann, in der aber auch augenzwinkernd mit den Elementen des Pop gespielt wird. All das macht „Parallels“ in diesem ausklingenden, sehr erfolgreichen österreichischen Musikjahr zu einem absoluten Highlight.

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