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Die Comiczeichnerin Pénélope Bagieu beim Zeichnen, man sieht ihre Hände, wie sie einen Frauenkopf zeichnet

Zita Bereuter

Pénélope Bagieu – „Unerschrocken“

Heldinnen, die kaum jemand kennt: Kaiserinnen, Kriegerinnen, Schauspielerinnen, Entdeckerinnen. Pénélope Bagieu hat ihnen ein Denkmal gezeichnet.

Von Zita Bereuter

Viele ComicleserInnen kennen die Französin Pénélope Bagieu. Auf dem Comicblog „Ma vie est tout à fait fascinante“ (etwa: „Mein Leben ist total faszinierend“) konnte man jahrelang ihr Leben mitverfolgen. Alltag, Reisen, Liebesleben, Probleme, Träume, Ängste. Einiges davon wurde auch in Büchern verlegt.

Autobiographische Geschichten zu erzählen sei ein guter Einstieg gewesen, sagt Pénélope Bagieu. Sie erzähle immer noch am Liebsten Geschichten von Frauen, denn damit kennen sie sich einerseits aus, andererseits gäbe es immer noch viel zu wenige Geschichten über Frauen. Da sei noch viel aufzuholen. Und Pénélope Bagieu ist fleißig dran ...

Die Comiczeichnerin Pénélope Bagieu

Zita Bereuter

Begonnen hat sie mit ihrer Lieblingsmusikerin: Cass Elliott von The Mamas and the Papas. Deren Bandgeschichte malt sie in „California Dreaming“ nach.

Jede Woche ein Porträt

Dann kam ein Angebot für die französische Zeitung Le Monde. Unter dem Titel „Les Culottées“ hat sie wöchentlich eine Frau portraitiert - ein Jahr lang. Montag und Dienstag hat sie gelesen, am Mittwoch geschrieben, am Donnerstag gezeichnet, am Freitag coloriert und am Samstag abgeschickt. Und am Sonntag versucht, die restlichen Dinge aufzuholen. Ein Jahr lang habe sie also keinen freien Tag gehabt.

Fünfzehn Porträts dieser außergewöhnlicher Frauen sind jetzt auf Deutsch erschienen - die wenigsten davon kennt man aus Geschichtsbüchern. Sie habe sich oft gewundert, warum sie die Frauen bisher noch nicht kannte. Und gleichzeitig sei das wie mit der roten Pille bei Matrix - wenn man einmal angefangen habe, sehe man nur mehr Frauen mit unglaublichen Biographien, die man erzählen wolle.

Und so liest man von Wu Zetian, der einzigen Kaiserin Chinas. Oder von Agnodike, die um 300 vor Christus in Griechenland heimlich Medizin studierte und Gynäkologin wurde. Oder von Nzinga, die mit nur 16 Jahren Königin von Angola wurde.

Nzinga - königin von ndongo

Pénélope Bagieu - Reprodukt

Man liest auch von Josephine Baker, die etliche Kinder adoptierte und politisch sehr aktiv war oder von Tove Jansson, der finnischen Künstlerin, die die Mumins erfunden hat.

comic mit tove jansson

Pénélope Bagieu - Reprodukt

This is so me!

So unterschiedlich die Biographien sind – bei jeder hat sich Pénélope Bagieu irgendwann gedacht „Hah - this is so me!“.

Buchcover von "Unerschrocken"

Reprodukt Verlag

Pénélope Bagieu: Unerschrocken. 15 Porträts außergewöhnlicher Frauen. Aus dem Französischen übersetzt von Heike Drescher und Claudia Sandberg. Reprodukt 2017

Pénélope Bagieu zeichnet luftig und leicht und erzählt die Biographien einfach, gekürzt und vor allem sehr witzig. Humor ist ihr wichtig, sagt sie. Er sei wie ein trojanisches Pferd und ermögliche ihr bedeutende Informationen ganz beiläufig mitzuteilen.

Zwischen den vierfarbigen Geschichten finden sich im Buch je ein doppelseitiges Bild. Nach dem jahrelangen schnellen Skizzieren wollte sie zu jeder Biographie in Ruhe ein prächtiges Bild malen. Zudem versteht sie diese Bilder als visuelle Atempause.

„Unerschrocken. Fünfzehn Porträts außergewöhnlicher Frauen“ erzählt von Frauen aus der Vergangenheit. Einen zweiten Band mit Frauen aus der Gegenwart gibt es bereits auf Französisch. Mehr Biographien auf die Art wolle sie vorerst nicht machen. Aber Geschichten von Frauen will sie weiterhin erzählen. „There will never be enough stories of women told. Ever. Because we have so much in the past to catch up with. Because for so long we haven’t told stories of women. We are not close to having enough of them. So we have a few more years to go.“

Sie selber habe keine weiblichen Rolemodels in Comics gefunden, erklärt Pénélope Bagieu. Jetzt findet man die. Und Pénélope Bagieu hat die besten Voraussetzungen, selbst ein derartiges Rolemodel zu sein.

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