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Destiny 2

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Angriff der Riesenspiele

Warum viele Spiele spielen, wenn „das eine Spiel“ sämtliche Freizeit in Beschlag nimmt? Das FM4 Extraleben wirft einen Blick auf jene Blockbuster, die ihre Spielerschaft einsaugen und nicht mehr rauslassen.

Von Rainer Sigl

Manch einer spielt nur „FIFA“, die andere verbringt jede freie Minute in „Destiny 2“, MMOs wie „World of Warcraft“ haben ganze Freundeskreise verschlungen und in „GTA Online“ haben sich mehr Menschen häuslich ihr zweites Leben eingerichtet als im historischen Phänomen „Second Life“. Es gibt Spiele, die wollen mehr sein als nur kurzfristige Unterhaltung und ihre Spielerschaft für Wochen, Monate oder sogar Jahre an sich binden. Das Industrieschlagwort dazu heißt „Games as a service“ - man kann aber getrost von „Riesenspielen“ sprechen, denn neben den Kolossen wächst oft kein Gras mehr.

FM4 Extraleben über „Riesenspiele“

Über „Riesenspiele“, die ihre Spielerschaft mit allen Tricks nur an sich binden und sowohl ihre Zeit als auch ihr verfügbares Budget haben wollen, diskutieren Conny Lee, Robert Glashüttner und Rainer Sigl am Donnerstag, dem 30. November 2017. Von 21 bis 22 Uhr und danach 7 Tage im FM4 Player sowie als Podcast.

Vor gar nicht so langer Zeit waren derartige Rundum-Blockbuster eher die Ausnahme: Man kaufte ein Spiel, spielte es durch und ging dann zum nächsten weiter. Riesenspiele lassen sich nicht durchspielen, denn dank Multiplayerfokus, endlosem Beschäftigungsangebot und periodischem Nachschub in Form von DLC sind diese Titel keine fest umrissenen Unterhaltungsprodukte mit zeitlicher und inhaltlicher Begrenzung, sondern eher ein möglichst allumfassendes „Hobby“ geworden, neben dem wenig anderes Bestand hat.

Sie sind sozialer Raum, in dem man seine Crew trifft, und bieten von stressigen Events bis hin zu entspannteren Beschäftigungen und dem endlosen Optimieren seiner Spielfigur für jede Gelegenheit die passende Aktivität. Eigentlich müsste man sie nie verlassen - es gibt immer was zu tun.

Destiny 2

Bungie

In „Destiny 2“ ist niemals Schluss - das Science-Fiction-Spiel bindet seine Spielerschaft auf Monate mit allen Tricks an sich.

Schenk mir all deine Zeit!

Wenn Millionen Menschen gern ihre Freizeit mit nur einem statt vielen Spielen verbringen, ist das zunächst einmal ein Zeichen für Qualität. Allerdings hat das Modell auch seine Tücken, denn das Ziel der Entwickler ist stets die Maximierung der mit dem Spiel verbrachten Zeit. Je größer diese Bindung und Identifikation der Spielerschaft mit diesem, dem „einen“ Spiel ist, desto wahrscheinlicher ist die weitere Investition in das Spiel. Die Spielmechaniken von Riesenspielen sind denn auch darauf designt, die Spielerschaft möglichst lange zu beschäftigen.

Dabei kann das Ganze schon in Arbeit und richtigen Stress ausarten, etwa wenn die Teilnehmer der „FIFA Weekend League“ an einem einzigen Wochenende 40 Matches absolvieren müssen, um an die begehrten Prämien zu kommen. „Daily Quests“, besondere Events und Belohnungen für jede im Spiel verbrachte Minute führen genauso wie auf Grinding und Farming angelegte Spielelemente dazu, dass das Spiel im schlimmsten Fall vom zwanglosen Hobby zur anstrengenden Zweitarbeit werden kann - Stichwort „Workification“.

Ein weiterer Kollateralschaden, den das Modell mit sich bringt: Freunde des Single-Player-Spiels, das klassisch und nicht endlos angelegt ist, haben künftig mit kleinerem Angebot zu rechnen - immerhin schließen die großen Publisher viele Entwicklerstudios, um sich ganz ihren jeweiligen „Games as a Service“-Blockbustern zu widmen.

Sprechen wir über Computerspiele!

Seit Herbst 2013 sprechen Conny Lee, Rainer Sigl und Robert Glashüttner einmal im Monat eine Stunde lang über Gameskultur. Jede Sendung widmet sich einem bestimmten Thema und beleuchtet es von unterschiedlichen Seiten. Es ist eine Radiostunde voller ludischer Erörterungen und verspielter Debatten.

Das FM4 Extraleben ist das Computerspielkränzchen auf FM4, wo wir uns in unsere Lederfauteuils lehnen und darüber plaudern, was digitale Spiele eigentlich so mit uns und was wir mit ihnen machen.

Es gibt begleitende Webstorys zu allen Sendungen bis inklusive März 2017 und zu jenen ab April 2017. Das FM4 Extraleben gibt es auch als Podcast.

... oder all dein Geld

Wer die Lust am langwierigen Endlosspiel verliert, bekommt jedoch oft einen Ausweg angeboten: Viele dieser Spiele bieten die Möglichkeit, sich den ersehnten Fortschritt per Mikrotransaktion zu kaufen. In den letzten Wochen ist vor allem das weitverbreitete System von „Lootboxen“ in die Kritik geraten - in Spielen wie „Overwatch“, „Middle-earth: Shadow of War“, „Forza 7“ und vielen anderen aktuellen Titeln kann man wie im klassischen Pannini-Sammelkartensystem die „Katze im Sack“ kaufen, um hoffentlich die begehrten Super-Items abzustauben. Weil man natürlich in den allermeisten Fällen eher wertlose Inhalte findet, muss man eben öfter Geld nachwerfen - ein System, das Kritiker an Glücksspiel erinnert und deshalb aktuell auch zunehmend von staatlichen Akteuren hinterfragt wird.

Die Diskussion hat anlässlich von „Star Wars: Battlefront 2“ jetzt Fahrt aufgenommen, doch eigentlich existiert genau dieses System schon jahrelang - in Free-to-Play-Spielen wie „Hearthstone“ und vielen anderen kostenlosen Spielen, die ihre - oft exorbitant hohen - Umsätze nur mit diesen „freiwilligen“ Zusatzverkäufen generieren. Neu ist, dass diese Systeme jetzt auch in Vollpreisspielen zum Einsatz kommen - immerhin wollen die „Riesenspiele“ auch finanziert werden.

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