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MOLLY

Fabio Gartelgruber

act des Monats

Am Absprung zur internationalen Karriere

MOLLY aus Tirol veröffentlichen mit „Glimpse“ ihre dritte EP, haben ihre erste Europa-Tour hinter sich gebracht und beim englischen Label Dalliance gezeichnet. Sie sind womöglich Österreichs nächster großer Musikexport - und unser FM4 Soundpark Act im Dezember.

Von Lisa Schneider

Vor gut zwei Jahren waren MOLLY das erste Mal im FM4 Soundparkstudio zu Gast. Als Geschenk hatten Lars Andersson und Phillip Dornauer ihre erste Vinyl, nämlich die ihrer „Sun Sun Sun“ Debut-EP, frisch aus der Presse mitgebracht. Und auch jetzt gab es wieder ein schönes Mitbringsel: Die mittlerweile dritte EP des Tiroler Duos, „Glimpse“ steht jetzt auch im Regal. Sie ist eine schöne Zusammenfassung dessen, was sich in den letzten beiden Jahren bei MOLLY getan hat. Und das war ganz schön viel.

Great minds think alike

Die beiden Musiker kennen sich schon lange, in Tirol sind Gitarrenbands dicht gesät, so lernt man sich schnell beim Zusammenspiel in der Psych-Rock-Gang Aux Portes kennen. Kurz darauf formiert sich MOLLY, zunächst zu dritt, schnell aber nur mehr zu zweit. Auch wenn sie es schon mehrmals bewiesen haben, bezeugt vor allem die kürzlich veröffentlichte Livesession – aufgenommen in einer Tiroler Bogenschießarena – das Livetalent der beiden. „Diese fast 45-minütige Session haben wir als wiederholtes Statement aufgenommen, für nationales und internationales Publikum – um zu sagen: Ja, Shoegaze ist auch zu zweit möglich.“

Die Stimme als fünftes Instrument

Sieht man sich MOLLY live an, ist es vor allem das Spiel von Drummer Phillip Dornauer, das ins Auge sticht: er ist nämlich nicht nur der Schlagzeuger, er bedient auch ein Bass-Pedal und diverse Synthesizer. Wie ein Oktopus, der mit jeder Hand und jedem Fuß ein anders Gerät bedient. „Auf der Bühne kommt nichts vom Band, alles wird direkt so von uns produziert. Wir spielen zu zweit fünf Instrumente, rechnet man die Stimme mit ein.“

Die Stimme - im Shoegaze charakterisiert durch ineinander verwobene Klangflächen, viel Hall in einem ganzheitlichen Klangsog – passt sich ein, sie sitzt tief drinnen im Mix. Oft ist sie säuselnd leise kaum zu hören. Die Songs von MOLLY funktionieren dabei wie ein Hypnoseakt, einer mehr als der andere ein brachiales Ungetüm, voll Stärke und doch von zerbrechlicher Schönheit. Es donnert, es donnert in der Tiefe und auch durch die Boxen.

So ist das auch auf der aktuellen EP „Glimpse“, wo schon der Titelsong sich gegen Ende in ein dröhnendes Instrumentalspektrum hineinsteigert. „Time And Space Pt 1“ und „Time And Space Pt 2“ machen die Setlist komplett, die EPs von MOLLY beinhalten nie mehr als drei Titel und trotzdem dauern sie jeweils fast eine halbe Stunde im Gesamtdurchlauf. Das ist eigentlich nichts fürs Radio, zumindest nicht für den alltäglichen Gebrauch, kein Popformat.

MOLLY bedienen mit ihrer Mischung aus Shoegaze, Dreampop und Psychrock, in die sich durchaus auch experimentelle Klangspielereien sowie Noise-Aufnahmen mischen, eine Nische, nicht nur in Österreich, sondern auch international.

MOLLY wurden für das neue Showcase-Festival-Austauschprogramm INES nominiert, um Österreich zu vertreten. Es geht darum, Bands verschiedener Länder in jeweils andere Länder zu Showcase-Events zu schicken. Mit dabei sind unter anderem Liverpool Sound City (UK), Westway LAB (Portugal) und Ment Ljubljana (Slowenien).

Über die Grenzen hinaus

Der Fokus der Band lag im letzten Jahr auf dem Aufbau ihrer internationalen Karriere, was auch dank ihrer unermüdlichen Managerin Bernadette Karner zu bemerkenswerten Erfolgen geführt hat: Nachdem MOLLY Showcase Festivals auf nationalem Boden (etwa das Waves Vienna) bespielt haben, sind sie heuer auch zum Focus Wales und aufs Great Escape eingeladen worden. Zusätzlich hat sie, unter anderem als Support für XIXA, ihre erste Europatour durch England, Frankreich, Slowenien und Kroatien geführt.

MOLLY war und ist ein Liveprojekt

Bei einem dieser Auftritte in London war Rich Walker im Publikum. Rich Walker ist der General Manager des Londoner Labels 4AD und betreut somit Bands wie Daughter, Deerhunter oder Beirut. Die Live-Qualitäten der beiden haben ihn so überzeugt, dass er sich MOLLYs Auftritt am erwähnten Focus Wales auch angesehen hat. Und das hat gereicht: Rich Walker hat kürzlich ein neues Label gegründet, es heißt Dalliance, und darauf sind seit kurzem auch MOLLY vertreten.

MOLLY

Fabio Gartelgruber

„Glimpse“ heißt die dritte und aktuelle EP von MOLLY. Soeben (Dezember 2017) digital und auf Vinyl erschienen via Dalliance, dem zweiten Label des 4AD-General-Managers Rich Walker.

Zum Release des Videos von „Glimpse“ kurz darauf war das internationale Medienecho groß: Nachdem die Premiere über die „Music Discovery Website“ The Line Of Best Fit gelaufen ist, hat ein paar Minuten später das amerikanische Musikportal Stereogum das Video gepostet. Berichte im russischen Rolling Stone, japanischen Blogs (etwa „Indie Music Impress“), im Kaltblut Magazine (Berlin) und in französischen Onlinemagazinen (z. B. Indiemusic.fr) folgen. Das war aber nicht das erste Mal: Schon vor über einem Jahr, beim Release der Single und gleichnamigen zweiten EP „As Years Go By“, wurde Stereogum auf MOLLY aufmerksam.

Auf eine spannende Zukunft

Im kommenden Frühjahr wird es eine weitere EP geben, bis dann später 2018 das Debutalbum fertiggestellt sein soll. „Einerseits wollen wir ein Album, das in sich schlüssig ist, andererseits soll es aber Ausreißer geben. Für unser Debutalbum will ich jedenfalls, dass es auch Akustikversionen zu hören gibt, oder einen Ambient-Track in der Mitte, wie wir es auch auf unserer ersten EP ‚Sun Sun Sun‘ mit ‚Kids On LSD‘ schon gehandhabt haben. Etwas Überraschendes. Konzeptalbum wird es keines, außer inhaltlich, da auf jeden Fall“, erzählt Sänger und Gitarrist Lars.

Lars wohnt in Tirol, Phillip mittlerweile in Wien. Zum Proben fährt Phillip immer zurück in die Berge, und aus den gemeinsamen Sessions entsteht „das Purste, was überhaupt passieren kann. Wenn wir beide in einem Raum sind und zusammen schreiben und spielen, passiert immer der kreativ hochwertigste Output für uns.“ Dort, im Studiokeller, in einem entlegenen Tiroler Seitental, entsteht die Musik von MOLLY.

Die letzten beiden Jahre, viel Energie, drei sehr gute EPs und eine Prise Glück haben MOLLY einen großen Schritt in ihrer Karriere vorangebracht. Wenn das so weitergeht, ist es gut möglich, dass sie der nächste große Musikexport aus Österreichs werden.

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